6 häufige Mythen über Hunde

6 häufige Mythen über Hunde

Der Hund wird dominant, wenn er auf das Sofa/Bett darf

Hunde lieben es, etwas erhöht zu liegen. Wenn sie dazu noch einen Platz haben, der ein wenig nach ihren Bezugspersonen riecht, ist es perfekt für sie. Darum sind das Sofa, ein Sessel oder auch das Bett der Bezugspersonen ein beliebter Aufenthaltsort.

Das hat nichts mit einem Bedürfnis, die Weltherrschaft zu erobern, zu tun. Sie liegen nicht erhöht, um höher in der Hierarchie zu sein als ihre Menschen. Sondern weil die Plätze bequem sind, eine gute Aussicht bieten und nach ihren Menschen duften.

Ob dein Hund mit dir das Sofa oder gar das Bett teilen darf, entscheidest du. Es gibt jedenfalls keinen pauschalen Grund, der dagegen spricht. Mit Dominanz hat es nichts zu tun.

Hier kannst du etwas  über Dominanz und Hierarchie nachlesen.

Wenn es am Hals weh tut, hört der Hund auf zu ziehen

Aus unserer Sicht ist das Gehen an der Leine etwas, das zum Hund gehört wie die Henne zum Ei. Wir gehen irgendwie davon aus, dass der Hund an das Gehen an der Leine angepasst sein muss, weil wir so viele Hunde tagtäglich sehen, die an der Leine geführt werden.

In Wirklichkeit hat der Hund keine Ahnung, warum wir ihn anbinden und ihm die Freiheit nehmen. Er würde uns schon folgen, auch ohne Leine. Klar, nicht bei Fuß. Aber auch wenn er mal 400 m weit weg ist, kann er doch innerhalb weniger Sekunden wieder bei dir sein. Wozu also dieser Stress mit der Leine?

Es ist für deinen Hund alles andere als logisch, dass er an lockerer Leine gehen soll. Das ist eines der unhundlichsten Dinge, die wir erwarten. Es ist außerdem eine Einschränkung der Bewegungsfreiheit. Den Grund dafür, nämlich dass wir für seine Sicherheit sorgen, kennt der Hund nicht.

Hunde, denen ihre „Hundesachen“ sehr wichtig sind, ziehen ihre Menschen überall hin, wo sie hinwollen. Der Mensch reagiert gestresst. Denn es tut auch ihm weh, wenn der Hund plötzlich stark zieht,. Gezogen werden ist äußerst anstrengend.

Darum kommen leider immer noch diverse Folterinstrumente zum Einsatz, bis hin zum verbotenen Stachelwürger. Aber sinnvoll ist deren Einsatz nicht. Warum?

Schmerzen machen Stress. Stress führt häufig dazu, dass Lernen schwieriger wird. Besonders deshalb, weil es ein unangenehmes Gefühl ist, wenn es am Hals eng wird.

Was versucht der Hund? Er will flüchten. Darum zieht er um so mehr, um endlich diesem Schmerz zu entkommen.

Was statt Kettenwürger tatsächlich hilft, ist Training mit positiver Verstärkung. Erinnere dich: Dein Hund will dich nicht ärgern, wenn er zieht, er weiß nur nicht, was er tun soll.

Genau das kannst du sehr leicht mit Belohnungen trainieren. Wenn du zusätzlich noch statt eines Halsbandes ein gut sitzendes, gepolstertes Brustgeschirr verwendest, hast du gute Voraussetzungen geschaffen, dass dein Hund zügig lernen wird, an lockerer Leine zu laufen. Natürlich nicht über Nacht, aber mit häufigen kleinen Übungen.

Hier findest du einen weiterführenden Artikel zu dem Thema „An lockerer Leine gehen“.

Von Käse verliert der Hund seinen Geruchsinn

Auch dieser Mythos begegnet mir immer wieder mal. Also mal ganz einfach gedacht: Wenn das so wäre, dann füttere ich einen jagenden Hund einfach ein bisschen mit Käse, dann kann er den Hasen nicht mehr riechen. Wie praktisch wäre das denn?

Mehr braucht man eigentlich nicht zu sagen.

Käse mögen viele Hunde sehr gerne, und ich setze ihn oft ein als besonders gutes Leckerchen. Wenn ich möchte, dass mein Hund sich richtig anstrengt, muss ich auch entsprechend belohnen. Unsere Moralvorstellung, der Hund müsse einfach so alles tun, was wir sagen, ist lerntechnisch gesehen Quatsch. Befreie dich von solchen Gedanken und scheue dich nicht, Futter zu verwenden als Belohnung. Und dazu viele andere Belohnungen.

 Von Belohnung und Strafe handelt dieser Artikel:

Was du unbedingt wissen musst über Belohnungen und Strafe

Wenn der Hund Gutties bekommt, gehorcht er nur noch damit

Das passt zu dem vorigen Mythos mit dem Käse. Wenn der Hund nur noch gehorcht, wenn du Futter präsentierst, hast du einfach einen Trainingsfehler gemacht. Und der Fehler ist nicht, dass du überhaupt mit Futter trainierst, sondern dass du zu lange damit gelockt hast.

Ja, leider unterliegt auch das Training mit positiver Verstärkung diversen biologischen Regeln. Die müssen wir beachten, ob wir wollen oder nicht. Dafür müssen wir sie kennen. Und dabei hilft dir eine gute Hundeschule.

In diesem Fall geht es darum, dass der Hund ein Signal mit der Anwesenheit des Leckerchens verknüpft hat, und weniger oder gar nicht mit deinem eigentlichen Signal (Wort oder Sichtzeichen). Er hat es immer gemacht, wenn du das Futter schon in der Hand hieltest. Jetzt hast du einmal kein Futter dabei, und dein Hund versteht das Signal nicht. Er ist also nicht ungehorsam, sondern er hat das Futter zum Signal gezählt, und fragt sich, was jetzt das neue Signal ohne das Futter in der Hand wohl bedeuten mag.

Schuld ist wieder einmal weder der Hund noch das Leckerchen. Und schon gar nicht die Technik der positiven Verstärkung.

Hier erfährst du mehr über diverse Begriffe zu dem Thema:

Belohnung, Ablenkung, Bestechung – was ist was?

Hunde müssen wissen, dass sie ganz unten stehen in der Familie

Auch dieser Quatsch hält sich in den Charts der größten (und beklopptesten) Mythen leider sehr hartnäckig. Immer wieder geht es um Dominanz in den Köpfen vieler Menschen. Sie glauben, Hunde würden in einer Hierarchie leben, und ständig nach oben streben.

Nein, Hunde sind keine karrierergeilen Menschen. Sie wollen weder die Familie dominieren noch die Weltherrschaft erlangen. Sie möchten eigentlich nur eines: In Frieden und Freundschaft mit uns gemeinsam leben und Spaß haben.

Menschen, die diesen Mythos glauben, schieben dann entsprechend jedes unerwünschte Verhalten ihres Hundes auf eine zu hohe Stellung im „Rudel“. Bitte merken: Das ist Quatsch.

Hunde sind gar keine Rudeltiere. Frei lebende Hunde zeigen, dass sie in losen Gruppen leben, in denen sie gemeinsam an Ruheplätzen schlafen und dösen, oder an Futterstellen nach Fressbarem suchen. Es sind aber nicht immer die gleichen Hunde, die etwas zusammen tun oder gar vollkommen gemeinsam leben. Hunde sind in dieser Beziehung eher Einzelgänger.

Sie sind aber fähig, zu anderen Arten soziale Kontakte zu knüpfen. Zum Beispiel werden Herdenschutzhunde an Schafe sozialisiert, indem sie sehr früh mit Schafen leben, und diese dann als „ihre Familie“ ansehen. Diese Hunde wissen natürlich, dass Schafe keine Hunde sind, und benehmen sich nicht plötzlich wie ein Schaf. Aber sie fühlen sich zugehörig und verteidigen die Schafe gegen Fressfeinde.

Genau so schließt sich der Hund Menschen an. Hunde glauben nicht, dass wir seltsame Hunde sind. Sie erkennen uns als andere Art und schließen mit uns Freundschaft.

Darum ist der Vergleich mit einem Familienverband am besten.

Eltern sind auf eine natürliche Weise „dominant“. Sie müssen ihre Kinder doch auch nicht auf einen niedrigen Rang reduzieren, um mit ihnen zurecht zu kommen, oder? (Hoffe ich jedenfalls.)

Da diese Hierarchiestruktur menschlicher Natur ist, versteht der Hund nicht, was wir da betreiben. Vergiss also, dass du zuerst den Keks essen musst, bevor dein Hund Futter bekommt. Du musst nicht drüber pinkeln, wenn sich dein Hund gelöst hat. Du darfst weiter mit deinem Hund auf dem Sofa kuscheln, wenn euch das gefällt.

Unsere Hunde würden sich vermutlich tot lachen, wenn sie wüssten, was manchmal in menschlichen Köpfen los ist…

In diesem Beitrag habe ich mir Gedanken gemacht, warum Menschen immer noch an Dominanz und Hierarchie glauben.

Wenn ein Hund nicht hört, stimmt die Bindung nicht

Mythos Bindung…. doch, Bindung ist wichtig, keine Frage. Eine gestörte Bindung kann tatsächlich zu Problemen führen. Aber warum? Meistens dann, wenn der Mensch mit Strafe arbeitet.  Oder wenn mal diese und mal jene Methode angewendet wird.

Eine unsichere Bindung entsteht weder durch eine unklare Hierarchie noch durch zu wenig „Rudelführerqualität“.

Sondern durch schlechtes Training und unklare Kommunikation. Ja, das muss ich leider mal ganz klar und deutlich kommunizieren.

Scherz beiseite: Wer mal bestraft und mal mit Leckerchen winkt, wird als Bezugsperson zu einem Unsicherheitsfaktor. Der Hund weiß nie, was ihn erwartet. So ist Lernen sehr schwierig. Ohne Lernen können deine Signale nicht befolgt werden, weil dein Hund einfach zuerst verstehen muss, was du möchtest.

Aber nicht nur das Lernen wird behindert, wenn man suboptimal trainiert. Auch das Sicherheitsgefühl des Hundes wird vermindert. Das führt zu Stress und kann weitere Verhaltensprobleme nach sich ziehen.

Wenn dein Hund also nicht hört, liegt es nicht ursächlich an einer schlechten Bindung. Vielmehr kann die Bindung durch den ungünstigen Umgang mit dem Hund gelitten haben.

Und ganz klar, wie das Problem beseitigst: Trainiere mit positiver Verstärkung. Lerne das richtig, und bemühe dich, deine Körpersprache und Signale in Einklang zu bekommen. 

Werde zu einem sicheren Hafen für deinen Hund. Er sollte wissen und erfahren, dass von dir nur Gutes kommt. Denn er kann nichts dafür, dass er ein Hund und wir Menschen sind.

Unser Mensch-sein befähigt uns, zu denken und einen freundlichen Weg zu finden, um unsere Ziele zu erreichen. Dann hast du einen echten Fan an deiner Seite, der dir jeden Gedanken vom Gesicht ablesen wird. Aus Freude, nicht aus Angst. Und dann stimmt es auch mit der Bindung. Ganz von selbst.

Und du? Korrigierst du noch oder trainierst du schon?

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By |2018-09-24T16:09:30+00:00September 24th, 2018|Hundetraining allgemein|0 Comments

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Bettina Haas, Hundetrainerin aus Leidenschaft, zeigt dir, wie du zum besten Freund und Trainer für deinen Hund wirst. Damit du schnell und nachhaltig zum Erfolg kommst und dein Leben mit Hund (wieder) richtig genießen kannst!

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