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Belohnung? Ablenkung? Bestechung? Was ist was?

Hunde belohnen

Belohnung? Ablenkung? Bestechung? Was ist was?

Wie entsteht Verhalten?

Verhalten entsteht nicht einfach so. Es ist kein Zufall, wenn dein Hund andere Hunde anbellt, Menschen anspringt und an der Leine zerrt. Verhalten hat immer einen Grund.

Natürlich kann Verhalten eine angeborene Komponente haben. Jagdverhalten ist bei bestimmten Rassen genetisch vorprogrammiert, ebenso Hüteverhalten.

Dennoch kann ein Jagdhund wenig oder einen starken Jagdtrieb haben, oder ein Hütehund nicht hüten wollen. Genetik ist nicht alles. Vor allem ist sie nicht alleinige Ursache für Verhalten. Eher im Gegenteil.

Verhalten muss sich lohnen

Verhalten wird sehr häufig durch die Konsequenzen beeinflusst. Wenn ein Hund ein bestimmtes Verhalten zeigt, hat es sich irgendwie gelohnt für ihn.

Entweder es lohnt sich für den Hund, weil er etwas Unangenehmes durch sein Verhalten verhindert, oder es lohnt sich für den Hund, weil er etwas Angenehmes bekommt durch sein Verhalten.

Dabei spielen Gefühle eine große Rolle. Es soll immer noch Menschen geben, die nicht glauben können, dass auch Tiere Gefühle haben… aber du zählst da ganz sicher nicht zu. Dein Hund hat also bestimmte Gefühle, die ihn antreiben, dieses oder jenes zu tun.

Wenn auch die Genetik bei Verhalten eine Rolle spielt, so sind es doch sehr stark die Gefühle des Individuums, die Verhalten hervorrufen. Wenn dein Hund sich sorgt, was ein euch entgegen kommender Mensch wohl vor hat, weil er so frontal auf euch zu läuft, dann löst dieses Gefühl ein Verhalten aus. Dein Hund wird versuchen, den Menschen auf Distanz zu bringen. Er springt in die Leine und bellt oder knurrt. Oder beides.

Da der entgegenkommende Passant vermutlich einfach weiter geht, und dabei vor Schreck ein wenig ausweicht, hat dein Hund erreicht, was er wollte. Die Distanz ist größer geworden, und er hat seine Ressourcen behalten. Du bist ja noch da, er ist unversehrt, alles ist gut.

Dein Hund hat gelernt, dass es ihm gut tut, wenn er so lautstark in die Leine springt. Er glaubt, dass er ganz persönlich dafür gesorgt hat, dass dieser fiese, bedrohliche Mensch euch nichts getan hat. Es fühlt sich gut an, und er wird beim nächsten Mal das gleiche tun.

Genau so sieht es bei einem ängstlich reagierenden Hund aus: Er wird flüchten wollen, um die Distanz zu dem Menschen zu vergrößern. Wenn das klappt, ist es in Zukunft seine bevorzugte Strategie. Wird das Flüchten verhindert, zum Beispiel durch die Leine, und seine Angst (ein Gefühl!) ist groß, kann er in seiner Verzweiflung ebenfalls nach vorne gehen, um den Passanten zu vertreiben.

Wie du dich einklinkst

Wenn du sein Verhalten verändern möchtest, musst du dir bewusst sein, was dein Hund will. In dem Beispiel hast du gesehen, dass dein Hund mehr Distanz möchte.

Der erste Schritt könnte also sein, dass du in Zukunft nicht weiter frontal auf den Menschen zu läufst, sondern einen kleinen Bogen gehst. Du kannst außerdem üben, dass dein Hund die Seite wechseln kann und du dadurch als Puffer zwischen ihm und dem Passanten bist. Oder ihr übt das deeskalierende Sitzen mit etwas Abstand zum Weg und lasst den Passanten hinter deinem Hund vorbei gehen. Der darf natürlich über seine Schulter hinschauen.

Was ist das, was du tust? Ein Verstärker für ruhiges Verhalten. Vorausgesetzt, du reagierst,  bevor dein Hund in die Leine springt und bellt. Du belohnst das noch ruhige Verhalten deines Hundes, in dem du ihm hilfst, mehr Distanz zu gewinnen zu etwas, das er fürchtet.

Was hat das mit Bestechung oder Ablenkung zu tun? Nichts, oder?

Jetzt wird es spannend. Stelle dir die gleiche Situation mit Futter vor. Ihr seht einen Menschen, und du gibst deinem Hund ein tolles Leckerchen. Für jeden Blick zu dem Menschen gibt es ein Leckerchen, zumindest so lange, wie dein Hund ruhiges Verhalten zeigt.

Was ist das jetzt? Siehst du das als Bestechung oder als Ablenkung an?

Ich bin sicher, der eine oder andere sagt: „Ja, jetzt ist das Bestechung (oder Ablenkung)!“

Aber es ist eine Konsequenz. Dein Hund erfährt etwas Gutes beim Anblick eines Menschen. Er bekommt ein neues Gefühl zu der Situation. Er darf sich mit der „Bedrohung“ auseinander setzen, er darf hinschauen, und es geht ihm gut dabei.

Das Futter wirkt auf die Emotionen (verbessernd) und auf das Verhalten (belohnend).

Wenn nun noch der Mensch entweder abbiegt oder einen großen Bogen um euch läuft, ist die Übungssituation perfekt. Es kam nicht zum Auslösen deines Hundes, weil du alle Dinge im Griff hattest. Du brauchst also nicht deinen Hund „im Griff“ zu haben…

Unangenehmes weglassen

Wenn du bisher gestraft hast, und diese Strafe jetzt weglässt, ist dein Hund zunächst vielleicht irritiert, aber schnell wird er erleichtert sein, dass du nicht auch noch unangenehm reagierst, wenn es ihm sowieso nicht gut geht.

Auch das wirkt verstärkend auf Verhalten. Das bedeutet allerdings auch, dass es auch dann verstärkend wirken kann, wenn dein Hund wie gewohnt bellt und in die Leine springt, und du nicht mehr strafst.

Die Lösung des Problems liegt wieder im Aufbau des Trainings. Mache den Abstand groß. So groß, dass dein Hund absolut keinen Grund sieht, zu bellen und zu toben. Dann hast du die besten Karten, um gutes Verhalten beim Anblick anderer Hunde zu verstärken. Der große Abstand macht auch die Gefühle weniger stark. Darum ist ja das Verhalten auch besser beim großen Abstand. Logisch, oder? Und  du hast weniger zu tun, wenn du an den Gefühlen etwas verbessern möchtest. Gib etwas Futter für jeden Blick zum Hund, wenn möglich arbeite mit einem Markersignal. Verringere den Abstand jetzt nicht zu schnell, wenn überhaupt. Lieber übst du eine ganze Weile an einem Fleck, als dass du deinen Hund wieder in die Situation bringst, doch auslösen zu müssen.

Eine Konsequenz ist kein Ablenken und keine Bestechung

Ablenken würdest du deinen Hund, wenn du ihn mit der gefüllten Futterhand an einem anderen Hund vorbei lockst. Denn dann hat dein Hund nur Augen für das Futter, und blendet den anderen Hund einfach aus.

Das kann hin und wieder praktisch sein. Wenn du gut trainierst, und nun auf dem Gassi eine Engstelle hast, wo dir auch noch jemand entgegen kommt, kannst du ausnahmsweise Ablenkung nutzen.

Deinem Hund geht es dabei besser, als wenn er an der engen Stelle dem anderen Hund einfach so begegnen würde. Denn darauf ist er noch nicht genug vorbereitet. Dir hilft das Ablenken natürlich auch, denn du musst nicht deinen tobenden Hund halten und dich gleichzeitig bei dem Menschen entschuldigen…

Bestechung ist ein Begriff mit menschlicher Moralvorstellung. Hunde haben keine Möglichkeit, moralisch zu denken. Wir können uns verstellen, andere erpressen, bestechen, belügen… Hunde können nur Hundeverhalten zeigen, und sich keine Intrigen ausdenken. Darum ist das Wort Bestechung auch gar nicht passend, wenn du deinem Hund eine Belohnung vor dem Verhalten zeigst.

Auf jeden Fall ist Bestechung keine Konsequenz, sondern geschieht vor dem gewünschten Verhalten. Und nur in der Menschenwelt. Dazu sage ich nachher noch mehr.

Wie entsteht das Missverständnis?

Wenn du mit deinem Hund in einer schwierigen Situation bist, und dir dann zu helfen versuchst, wirst du kaum eine Chance haben, gutes Verhalten zu verstärken. Du kannst entweder mit der Futterhand locken wie oben beschrieben, und dein Hund bekommt nichts mit von dem anderen Hund. Oder du kannst einfach unabhängig von seinem Verhalten etwas Gutes hinzufügen. Dann belohnst du zwar in gewisser Weise auch das unerwünschte Verhalten. Aber vor allem veränderst du die Emotion deines Hundes.

In der Aufregung kann er zunächst nicht anders, als ungehalten zu reagieren. Er tobt. Aber du gibst ihm ein super gutes Guttie. Und noch eins, und noch viele mehr.

Er wird erstaunt sein, und nach einer Weile auch fressen, selbst wenn das zunächst nicht ging.

Du kannst ihm die Leckerchen sogar direkt auf den Kopf werfen, so dass er fühlt, wie es sie vom Himmel regnet. Der Kopf wird sich senken, und er wird das Futter aufsammeln.

In dem Moment verändert sich sein Gefühl. Von der reinen Reaktion kommt er in den denkenden Bereich. Er kann fressen.

Nun ist die „Tür“ schon einen Spalt offen. Jetzt kannst du Verhalten markieren! Dein Hund zeigt nämlich jetzt schon gutes Verhalten: Er bellt und tobt nicht, sondern frisst.

Viele Menschen wissen das nicht. Sie können nämlich selbst in der Aufregung nicht perfekt reagieren. Sie sind genau so emotional betroffen von der Situation wie ihr Hund.

Weil sie so aufgeregt sind, fassen sie unwillkürlich zum Futter in der Tasche und geben es ihrem Hund. Sie locken ihn mit dem Kopf weg vom Auslöser. Er soll besser gar nicht hinschauen. Dann kann er sich nicht aufregen.

Was tun sie? Ablenken. Richtig! Woher weiß ich das alles? Aus eigener Erfahrung.

Wieso können Hunde nicht bestochen werden?

Bestechung ist wie schon erwähnt mit menschlicher Moral verknüpft. Hunde kannst du nicht dazu bringen, etwas „Unrechtes“ zu tun, denn sie wissen nichts von Moral. Einen Menschen zu beißen hat für Hunde nichts mit richtig oder falsch zu tun, sondern mit den Erfahrungen, die der Hund gemacht hat. Andere Hunde sagen nicht zueinander: „Oh, das ist ein Verbrecher-Hund! Der hat einen Menschen gebissen, das tut man doch nicht!“

Selbstverständlich haben Hunde untereinander auch Regeln, so wie wir Menschen. Aber sie haben nicht die Möglichkeiten wie wir Menschen, daraus Moralvorstellungen zu ziehen.

Es gibt keinen Hund, der absichtlich und bewusst die Hunderegeln bricht, andere ausschmiert, anlügt und sich schuldig macht. Das Prinzip der Schuld gibt es nicht.

Aber noch deutlicher wird es, wenn du dir klarmachst: Bestechung findet weit im Voraus statt. Deinen Hund zu bestechen würde bedeuten, dass du ihm morgens sagst: „Bello, wenn du heute nicht an der Leine ziehst, dann gibt es heute Abend zwei Näpfe gutes Futter!“

Logisch, kein Hund versteht das und kein Hund kann Dinge miteinander verknüpfen, die weiter als 3 Sekunden auseinander liegen. Darum kann der volle Futternapf am Abend auch niemals eine Bestechung für am Tag gezeigtes Verhalten sein. Der Futternapf belohnt genau das Verhalten, das der Hund in den Sekunden zeigt, bevor der Napf endlich auf dem Boden steht.

Beispiel: Du zeigst deinem Hund ein Guttie, bevor er ins Auto hüpft. Tust du es nicht, mag er nicht einsteigen. Du zeigst es ihm, er springt rein, und dann bekommt er es.

In diesem Beispiel hast du aus deiner Sicht „verhandelt“. Aber aus Hundesicht hast du einfach gelockt. Du hast im Prinzip das Futter als Lockmittel genutzt, so wie du deinen Welpen mit Futter in der Hand ins Sitzen lockst. Du könntest genauso gut das Futter ins Auto werfen. Probiere es aus!

Dein Hund würde sagen: „Mein Mensch hat mir geholfen, doch reinzuspringen“ wenn er sprechen könnte. Für eine gewisse Zeit kann das eine Hilfe sein, und du arbeitest genau wie in Hundebegegnungen an den Emotionen. Dein Hund verknüpft etwas Gutes mit dem Einsteigen. Sobald dein Hund angenehmere Gefühle mit dem Autofahren verbindet, gibst du das Futter erst nach dem Einsteigen. Dann wirkt es richtig als Verstärker. Vorausgesetzt das gewählte Futter verstärkt das Verhalten tatsächlich.

Vielleicht ist es für deinen Hund viel besser, sofort wieder aussteigen zu dürfen? Dann ist das der passende Verstärker.

Wenn du glaubst, abzulenken, denke nach und prüfe!

Ist es wirklich so, dass das, was du gerade tust, deinen Hund ablenkt? Das findest du heraus, wenn du dir folgende Fragen beantwortest:

  • Kann er zum Auslöser hinschauen? (Auslöser ist das, worauf er reagiert, also z.B. fremde Hunde)
  • Schaut er auch hin? Oder meidet er den Blick dort hin? Oder stehst du im Weg?
  • Forderst du die ganze Zeit Blickkontakt mit dir? Dann kann dein Hund auch nicht hinschauen!

Du arbeitest an den Gefühlen, wenn du

  • ohne Markersignal trainierst
  • Gutes gibst unabhängig vom Verhalten deines Hundes
  • so lange Gutes hinzufügst, bis der Auslöser verschwunden ist
  • sofort wieder Gutes hinzufügst, wenn der Auslöser wieder auftaucht, oder wenn ein neuer Auslöser auftaucht

Du arbeitest am Verhalten, wenn du

  • gutes Verhalten markierst und belohnst
  • als Belohnung echte Verstärker nutzt
    • am allerbesten die funktionalen Verstärker, wie Distanzvergrößerung
  • anfangs immer gutes Verhalten belohnst, egal wie weit weg der Auslöser ist
    • Hauptsache dein Hund kann ihn wahrnehmen

Zusammenfassung

Ablenken macht nur Sinn, wenn du in angemessenen Situationen weiter trainierst. Ablenken ist im Prinzip Locken mit Futter oder Spielzeug, oder durch ein sehr gut geübtes, gerne gezeigtes Signal wie der Blickkontakt zu dir.

Bestechen kannst du deinen Hund nicht, nur locken oder belohnen. Bestechung findet unabhängig vom Verhalten statt und ist keine Konsequenz, sondern geschieht vor dem gewünschten Verhalten.

Belohnung ist eine Konsequenz und verstärkt im besten Fall Verhalten. Dann sprechen wir von Verstärkern und vom Verstärken des Verhaltens. Denn  nicht jede gut gemeinte Belohnung verstärkt tatsächlich Verhalten.

Lies dazu hier weiter: So baust du deine Belohnungskiste auf

 

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Über die Autorin Bettina Haas

Bettina Haas, Hundetrainerin aus Leidenschaft, zeigt dir, wie du zum besten Freund und Trainer für deinen Hund wirst. Damit du schnell und nachhaltig zum Erfolg kommst und dein Leben mit Hund (wieder) richtig genießen kannst!

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