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Warum glauben Menschen an Dominanz und Hierarchie (Teil 3 „Dominanz und Hierarchie“)

Dominanz und Hierarchie

Dominanz & Hierarchie Teil 3

Warum glauben immer noch Menschen  an das Prinzip der Dominanz und Hierarchie?

Ich könnte jetzt sagen: „Keine Ahnung“ und wäre raus aus der Nummer. Aber so leicht mache ich es mir nicht.

Ich weiß nämlich noch aus eigener Erfahrung, warum ich damals Charly mit Gewaltanwendung zu dominieren versuchte.

Über Dominanz und Hierarchie

Es ist gar nicht so schwer zu verstehen:

Wenn der Hund absolut nicht so reagiert, wie man es sich wünscht, erleidet man Kontrollverlust. Der Hund tobt an der Leine und zieht dich über die Straße, wenn er andere Hunde sieht. Du hast Angst, dass es mal zu einer Beißerei kommt. Andere Hundehalter erklären dir, was du tun solltest und schimpfen, weil du deinen Hund nicht „im Griff“ hast. Dir ist das peinlich, es frustriert dich, du bist total verunsichert.

Oder dein Hund geht alleine jagen, und du stehst da und rufst und rufst… Du kommst dir verlassen vor, wie der letzte Depp. Außerdem hast du Angst, dass deinem Hund etwas passieren kann. Der Jäger kann ihn erschießen, er könnte mit dem Geschirr oder dem Halsband irgendwo hängen bleiben, er könnte Wildschweinen begegnen oder Wölfen… Er könnte sich ein Bein brechen. Du machst dir Sorgen, dass andere Leute ihn rennen sehen, und was dann passieren könnte… Bald überwiegt der Ärger, und du fragst dich, ob du eigentlich noch traurig bist, wenn der Jäger deinen Hund jetzt erschießt. Dann soll er doch.

Wenn dein Hund dann endlich kommt, dich mit glücklichen Augen und heraushängender Zunge anstrahlt, weißt du nicht, ob du lachen oder weinen sollst.

Du wünschst dir ein Teletakt-Gerät. Einfach weil du dir nicht zu  helfen weißt. Denn du hast ja schon alles probiert…

Egal in welchen Situationen dein Hund unerwünschtes Verhalten zeigt:

Es kann sehr stressen. Den Menschen, meine ich. Normalerweise rede ich ja auch dauernd davon, dass unsere Hunde oft gestresst sind. Aber den Menschen dürfen wir dabei nicht vergessen.

Ich weiß, wovon ich hier schreibe, weil ich es selbst erlebt habe.

Wenn die Probleme unlösbar erscheinen, erleidest du als Mensch Kontrollverlust.

Du fragst dich:

  • Vielleicht mache ich wirklich alles falsch?
  • Vielleicht kann man Hunde eben nicht ohne Gewalt erziehen?
  • Vielleicht stimmt es ja doch mit der Dominanz?
  • Schließlich darf der Hund ja wirklich viel… zu viel? Muss ich ihn total einschränken?
  • Dominieren? Körpersprachlich bedrängen, umwerfen, drohen?
  • Alles andere hatte ja nicht geholfen.

Kontrollverlust ist ein großer Stressor

Ich verstehe Hundehalter, die diesen Weg gehen. Denn die Belastung durch das Verhalten des Hundes kann riesig groß werden. Man selbst fühlt sich immer kleiner und kleiner…

Zusätzlich sieht man in der heutigen Zeit an jeder Ecke jemanden, der mit genau dem Thema gar keine Probleme hat. Oder der sie gut „im Griff“ hat. Du siehst unzählige Videos mit Hunden, die alles toll machen. Nur deiner kann das nicht. Der Druck wird immer größer.

Vor allem, wenn du dich fragend an eine der tausend Facebook-Gruppen wendest, nur um zu erfahren, dass du ja wohl alles falsch machst, und einfach ein schlechter Hundeführer, Alpha, Rudelführer oder sonstwas bist. Oder es wird in Rätseln gesprochen: „Du hast ja noch nicht alle Werkzeuge genutzt“ oder „Warum machst du nicht … “ und eine Abkürzung, die du nicht kennst. Du bleibst hilflos, und weißt es jetzt genau:Entweder du bist besonders blöd oder DEIN Hund ist ein besonders schwieriger Hund. 

Eines Tages sagst du dir: „Jetzt greife ich aber durch! DAS macht der mir nicht noch einmal!“ Dann beginnt die Spirale der Gewalt.

Darauf reagieren Hunde unterschiedlich. Ganz sicher ist aber Folgendes:

Kein Hund denkt: „Ein Glück, endlich greift mein Mensch durch! Endlich ist er der Alpha! Endlich ist die Hierarchie klar!“

Wie reagieren Hunde auf dominantes Verhalten ihrer Menschen?

Sich selbst aufgeben

Hunde können sich selbst aufgeben. Das nennen wir erlernte Hilflosigkeit. Sie kann entstehen, wenn der Hund bestraft wird, und keinen Bezug zwischen der Strafe und seinem Verhalten erkennen kann. Als Folge davon kann er der Strafe nicht entgehen, weil er nicht weiß, welches Verhalten die Strafe nach sich zieht.

Kein gutes Ziel weil:
Hunde mit erlernter Hilflosigkeit tun gar nichts mehr. Sie trotten hinter ihrem Menschen her, und viele denken: „Oh, was für ein braver Hund!“ Erst beim genauen Hinsehen erkennt man, dass das ein „gebrochener“ Hund ist. Traurig.

Aufgeregter werden durch Stress

Viele Hunde werden durch das plötzliche Verhalten ihrer Menschen sehr gestresst. Sie hatten zuvor auch schon ein hohes Stressniveau, das jetzt durch den chronischen Stress der Strafen noch weiter in die Höhe schnellt. Ein zu hohes Erregungsniveau geht so gut wie immer mit unerwünschtem Verhalten einher. Chronischer Stress ist äußerst ungesund und kann weitere gesundheitliche Nachteile mit sich bringen, von Futterunverträglichkeiten über Störungen im Verhalten bis zu echten Verhaltensabnormalitäten.

Kein gutes Ziel weil:
Wenn der Hund noch gestresster wird als so schon, wird auch sein Verhalten noch schlimmer.

Erfahre mehr über aufgeregtes Verhalten: Hier klicken

„Gehorchen“

Im seltensten Fall wird die Strafe korrekt angewendet, und der Hund versteht den Bezug zu seinem Verhalten. Selten deshalb, weil Strafe bestimmten Regeln unterworfen ist, die der Mensch einhalten müsste, um sie korrekt anzuwenden. Das ist in vielen Fällen im echten Leben unmöglich, und klappt nur im Labor wirklich gut. Als „Gehorsam“ würde ich das auch gar nicht bezeichnen, denn der Hund lernt einfach, wie er der Strafe entgehen kann.

Du lebst nicht im Labor, und kannst viele Regeln nicht immer einhalten, und das müsstest du. Strafe, die nicht korrekt angewendet wird, führt nicht zum Erfolg. Statt dessen wird oft die Stärke der Strafe erhöht, was schnell Tierschutzrelevant ist.

Das wiederum ist ein fachlicher Fehler, denn Strafe sollte nicht immer stärker gewählt werden, sondern sofort in der richtigen Intensität erfolgen, um das Verhalten beim ersten Mal zu stoppen. Tut sie es nicht, ist es a) keine Strafe im Sinn der Definition und b) genau deshalb Tierschutzrelevant, weil Schreck und Schmerz angewendet wird ohne Sinn. Mal ganz abgesehen von den vielen möglichen Alternativen.

Kein gutes Ziel weil:
Genauso wie der Hund lernen kann, der Strafe zu entgehen, kann er lernen, wie er die Belohnung bekommt. Und das ist sogar leichter.

Sich ausklinken aus der Kommunikation

Diesen Weg hatte Charly oft gewählt. Er wurde auch aufgeregter durch mein Verhalten, aber er machte mir sehr höflich (wie ich heute finde) klar, dass mein Verhalten unmöglich war.

Wenn ich verzweifelt versuchte, ihn dazu zu bringen, mir seine Demut zu zeigen, blickte er demonstrativ zur Seite, und schaute einfach weg. Auf keinen Fall zeigte er mir Blickkontakt. Ich empfand das damals als Frechheit – weil ich seine Körpersprache völlig falsch interpretierte. Er wollte damit deeskalieren! Netter geht es nicht – und ich stand da und tobte.

Kein gutes Ziel weil:
Dein Hund ist die ganze Zeit höflich, und versucht, es dir Recht zu machen: Er reagiert noch etwas aggressiver auf all die Reize, die ihn schon immer belastet haben, weil du so geschimpft hast, wenn sie da waren. (Andere Hunde, Autos, Menschen…) Wenn sich dein Hund ausklingt aus der Kommunikation, hast du eine Grenze überschritten. Er kündigt dir sozusagen. So will er dir nicht folgen. Er erwartet etwas anderes von dir.

Gegenwehr oder Angst = Vertrauensverlust

Es sind oft die falschen Tipps, die uns zu solchen Tyrannen machen. Fotos, auf denen ein schimpfender Mensch sich über seinen Hund beugt, und der sich duckt und äußerst „unterwürfig“ schaut….

Solch ein Hund hat einfach nur Angst vor seinem Menschen.

„Mache den Alpha-Wurf, das versteht der Hund!“ Statt dessen beginnt dein Hund, Todesangst zu bekommen und wehrt sich mit allen Mitteln. Dann wird er am Ende eingeschläfert wegen Bissigkeit. So etwas macht mich sehr traurig.

Ganz so weit ging es bei uns zum Glück nicht. Wir stellten irgendwann fest, dass wir keinen Schritt weiter kommen und suchten. Und wie das Leben so spielt: Suchet, so werdet ihr finden!

Aber wie stark der Vertrauensverlust war, konnten wir gut erleben…

Kein gutes Ziel weil:
Gewalt führt zu Gegenwehr. Jedenfalls in vielen Fällen. Oder eben zu den oben genannten „Lösungsmodellen“ der Hunde.

Was möchtest du von deinem Hund?

Keine der Reaktionen von Hunden sind das, was ich von meinem Hund möchte. Ich will keinen sogenannten „Kadavergehorsam“. Ich möchte, dass sich mein Hund auch ohne mich angenehm verhält, dass er sich wohl fühlt und daher souverän und gelassen reagieren kann. Er darf auch eigene Entscheidungen treffen, denn er ist zum Beispiel sicher noch viel besser im Lesen der Körpersprache unter Hunden als ich es bin. Ich möchte, dass er eigene Ideen hat, lustig ist, interessiert an der Umwelt. Ich möchte von meinem Hund, dass er der Situation angemessen reagiert, und dazu muss ich ihm helfen. Denn unsere Hunde sind bei weitem nicht an jede unserer heutigen Alltagssituationen perfekt angepasst.

Unsere Hunde sind nicht an jede Situation angepasst.

Lerne das Hundeverhalten zu verstehen, und lese die Körpersprache korrekt. Höre auf, Verhalten zu schnell zu interpretieren. Und hilf deinem Hund gutes Verhalten zu zeigen. 

Kontrollverlust ist für Mensch und Hund ein Stressor

Wenn du dir die Verhaltensantworten von Hunden anschaust, kannst du feststellen, dass auch sie unter Kontrollverlust leiden. Genau wie der Mensch darunter leidet, dass sein Hund in keiner Weise mehr beeinflussbar ist in manchen Situationen, leidet der Hund darunter, dass er nichts mehr beeinflussen kann. Er kann häufig nicht vorhersagen, wie sein Mensch reagieren wird. Mal schimpft er nur, mal greift er zu drastischeren Strafen, mal reagiert er fast gar nicht, weil er sich mit anderen Menschen streitet.

Selbst wenn (mal rein theoretisch) jemand Strafe tatsächlich perfekt anwendet, hat der Hund nur gelernt, was sich nicht lohnt zu tun. Er muss weiter probieren, was er statt dessen tun kann. Was für ein Umweg!

Warum erklärt der Mensch seinem Hund nicht gleich, was er von ihm will?

Kontrollverlust ist ein großer Stressor für Mensch und Hund. Folglich müssen wir zwei Dinge erreichen: Wir müssen sowohl die schwierigen Situationen selbst unter unsere Kontrolle bekommen, als auch dem Hund das Gefühl von Kontrolle geben.

Wenn du gleich das gute Verhalten trainierst, bekommt dein Hund wieder Kontrolle.

Hund und Mensch brauchen das Gefühl, Kontrolle zu haben

Genau das schaffen wir durch entspannten Umgang und einfach vernünftigem, angepassten Training mit positiver Verstärkung. Mit diesen Mitteln hat dein Hund ein sehr gutes Vorhersage-Potenzial. Er weiß, was passieren wird. Und es ist nichts Schlimmes, sondern Grund zur Freude. Sein ganzes Gefühlschaos ändert sich in positive Gefühle. Wenn dein Hund den Zusammenhang von seinem Verhalten und der folgenden Konsequenz erlebt, hat er die Kontrolle. Er weiß, dass er es in der Hand (äh, oder in der Pfote) hat, dass du ihm eine Belohnung gibst. Dein Hund kann das erreichen, nämlich durch gutes Verhalten. Dieses Wissen macht ihn glücklich.

Das geht auch auf dich über. Du wirst staunen, wie gut dein Hund plötzlich mitmacht. Wie motiviert er ist, und wie viel Lernbereitschaft er zeigt. Klar, es kann immer passieren, dass es mal nicht so klappt wie geplant, weil die Umwelt dazwischen funkt. Das wirft euch aber längst nicht so weit zurück wie immer geglaubt wird. 

Auf keinen Fall ist es jedoch schädlich, wenn dein Hund glaubt, die Kontrolle zu haben!

Kehrseite: Unterschätze nicht die Kraft der Frustration

Wie das meiste im Leben hat auch das Training mit positiver Verstärkung eine Kehrseite, die ich nicht unter den Tisch kehren will.  Sie heißt Frustration.

Denn natürlich ist nicht immer alles nur Sonnenschein. Wenn dein Hund das erwünschte Verhalten nicht zeigt, gibt es auf keinen Fall eine Belohnung. Du hast ein Stop-Signal positiv aufgebaut, und kannst darüber Verhalten stoppen. Das kann genau so wie das Vorenthalten einer erwarteten Belohnung zu Frustration führen.

Nicht alle Hunde können gut damit umgehen. Viele der aufgeregten Hunde müssen das erst lernen. Auch hier heißt das Zauberwort „Kleinschrittigkeit“. Was übrigens nicht das gleiche ist wie „Langsamkeit“. Im Gegenteil. Wer schon gut ist im Training weiß, wie schnell man wirklich seine Ziele erreicht durch die Anwendung der Kleinschrittigkeit. Fehlerfreies Lernen ist sowas von schnell….

Der Mensch muss lernen

Der Mensch ist das hemmende Moment. Denn leider müssen wir zuerst selbst lernen. Je besser wir werden im Timing, im Know how und in unseren Entscheidungen, um so besser klappt die Hunde“erziehung“.

Training ist ein Handwerk. Nicht umsonst gibt es in Deutschland im Handwerk eine Meisterprüfung. Denn Meister fallen nicht einfach vom Himmel.

Fazit

Wenn du Verhalten deines Hundes verändern möchtest, trainierst du am besten mit positiver Verstärkung an dem neuen Verhalten. Dadurch bekommst sowohl du als auch dein Hund die größtmögliche Kontrolle über die Situation. Das entstresst beide und führt zu einer Vertrauensbeziehung.

Erfahre, wie du stressfreier trainieren kannst: Hier klicken

Lies auch die anderen Teile von „Dominanz und Hierarchie“:

Teil 1 hier klicken

Teil 2 hier klicken

 

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Über die Autorin Bettina Haas

Bettina Haas, Hundetrainerin aus Leidenschaft, zeigt dir, wie du zum besten Freund und Trainer für deinen Hund wirst. Damit du schnell und nachhaltig zum Erfolg kommst und dein Leben mit Hund (wieder) richtig genießen kannst!

4 Antworten

  1. Liebe Bettina, welch ein wunderschöner Blogartikel: den habe ich zu 100 % genossen. Dabei ist die Angst vor Kontrollverlust wohl das interessantste Thema überhaupt. Nicht nur unser Hund, auch wir kennen diese Angst nur allzu gut. Toll, dass du uns einen Weg zeigst, den wir begehen können, um uns aus dieser Angst zu befreien.

  2. Erst jetzt sehe ich, dass ich meinem Namen hätte nennen sollen. Es war keineswegs meine Absicht, den als Anonymous zu posten. Ich bin dir persönlich sehr dankbar für diesen Artikel. Liebe Grüsse Mathildes

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