3 Mythen über positive Markersignale

Es gibt 3 häufige Mythen über positive Markersignale, die ich Dir heute einmal näher erläutern – und vor allem – demontieren möchte. Ich kläre auf, woher diese 3 Mythen stammen, und warum sie nicht haltbar sind.

Falls Du keine Ahnung hast, was ein positives Markersignal überhaupt ist, erkläre ich es im Folgenden ganz kurz. Eine längere Erklärung findest Du hier:

Warum dir ein Markersignal Vorteile bringt

Ein positives Markersignal ist ein Wort oder Klickgeräusch eines Knackfroschs, das mit einer nachfolgenden Belohnung verknüpft wird. Daher sagt es dem Hund zuverlässig eine Belohnung voraus: Futter, Spiel, positiver Körperkontakt, verbales Lob und vieles mehr.

Das Markersignal verbessert Deine Kommunikation, weil der Hund genau versteht, für welches Verhalten er die Belohnung bekommt.

So, und jetzt zu den  3 Mythen über positive Markersignale.

Der Hund wird dressiert

„Ich will meinen Hund nicht dressieren.“

Früher sprach man von Dressur, heute von Training. Ganz ehrlich? Ob ich möchte, dass ein Bär Fahrrad fährt, oder ob ich möchte, dass mein Hund mich anschaut – beides wird auf die gleiche Weise geübt.

Bären Fahrrad fahren zu lassen finde ich nicht fair zum Bären, vor allem, wenn er sonst keine „Bärensachen“ machen darf. Ein Leben im Zirkus ist für Wildtiere kein Zuckerschlecken, da sind wir uns vermutlich einig. Wenn nicht ist es auch gut.

Kommen wir zum Hund zurück. Du möchtest, dass Dein Hund Dich anschaut? Dann übe es. Trainiere es. Belohne Deinen Hund, wenn er es tut. Und wenn Du vorher punktgenau auf das gemeinte Verhalten ein kurzes, prägnantes Wort sagst, nutzt Du ein positives Markersignal.

Du hast nur die Wahl, entweder über Belohnungen (= Verstärker) zu trainieren, oder Strafe einzusetzen. Ich glaube, einen Blick zu Dir aufzubauen ist über Verstärker sehr viel leichter, meinst Du nicht auch? Und – es macht mehr Spaß.

Das selbe gilt für die meisten anderen Verhalten auch. Hier kannst Du mehr lesen über Belohnungen und Strafe.

Falls Du es wissen möchtest: Strafe, die Schmerzen, Schrecken oder Angst auslösen, wende ich überhaupt nicht an. Strafe durch Entzug sehr selten.

 

Ein Markersignal ist was Künstliches

Nun, Leine und Halsband auch…da finde ich ein Markerwort sehr viel natürlicher. Das Markersignal führt schließlich zu einer guten Verständigung. Warum sollte etwas „künstlich“ sein, wenn es die Hunde so gut verstehen?

Kommunikation ist so ziemlich das Normalste, was es gibt. Dumm nur, dass wir Deutsch reden und unser Hund „Hund“. Nein, Martin Rütter hilft uns da nicht weiter…

Leider meinen immer noch viele Hundehalter, sie müssten mit ihrem Hund so umgehen, „wie Hunde es tun“. Das geht allerdings meistens komplett in die Hose, um es mal salopp auszudrücken. Wir sind nun mal einfach keine Hunde – aber noch schlimmer ist, dass immer noch Maßnahmen propagiert werden, die mit Hundeverhalten gar nichts zu tun haben.

Denn oft werden ganz alte Kamellen aufgetischt, wie sich angeblich Wölfe verhalten. Alphawurf, Schnauzgriff & Co. kommen aus dieser Ecke.

Das ist Bullshit. Vergiss es.

Das ist sowas von überholt. Es ist vor 50 Jahren (oder schon früher?) passiert, weil Wölfe in Gehegen beobachtet wurden, die gar nicht aus einem Familienverband stammten, sondern wahllos zusammengekauft wurden aus diversen Zoos. Nicht nur, dass keiner dieser Wölfe mit einem der anderen verwandt war, sie konnten auch nicht abwandern, wie es Wölfe tun, die mit dem Familienverband Probleme bekommen. Ansonsten sind Grauwölfe untereinander sehr freundlich.

In diesen Beiträgen gibt es mehr darüber zu lesen, denn diese Denkweise hat mit der Vorstellung von Dominanz und Hierarchie zu tun:

Über Dominanz und Hierarchie

Was ist eigentlich Dominanz?

Warum glauben Menschen an Dominanz?

Also: Kommunikation ja, Gewalt  und Bedrohung nein. Hundeverhalten nachzuahmen macht eher keinen Sinn. Hunde wissen, dass wir Menschen und keine Hunde sind. Irgendwie sieht man das ja auch…selbst als Hund.

Ein Markersignal sagt dem Hund eine Belohnung voraus. Was bitte ist daran künstlich?

Training mit einem positiven Marker ist tolle Kommunikation mit einem hohen Grad an Genauigkeit, Sicherheit, Gewaltfreiheit und persönlicher Vorhersagbarkeit für den Hund. Er bekommt mehr Kontrolle, weil er für die Belohnung eine Ankündigung erhält.

So etwas kann nur gut sein!

Seltsam, dass viele Menschen, die sagen, ein Markersignal sei künstlich, ohne Probleme ein Stachelhalsband oder sonstige Werkzeuge anwenden…

Wäre es künstlich, zumindest aus Sicht des Hundes, würden die vielen Hunde meiner Klienten nicht jedes Mal so aufblühen, wenn wir das Markersignal aufgebaut haben.

 

Der Hund muss wissen, was er nicht darf!

Ja klar, wir sind gewohnt, dass nicht geschimpft genug gelobt ist. Manch ein Hundehalter hat schon „gestanden“, dass er/sie in der Kindheit auch kaum Lob erfahren hat. Das ist schlimm. Und dieses Trauma kannst Du am besten aufarbeiten, wenn Du es ab sofort unterbrichst.

Anstatt also so weiter zu machen wie die Generationen vor uns, wenden wir uns den Dingen zu, die der Hund gut macht. Jeder Hund macht was gut.

Es gilt, diese Dinge zu sehen, und den Hund darin zu bestärken, so dass er das öfter macht. Nach und nach hat gar kein unerwünschtes Verhalten mehr Platz.

Trotzdem kann es wichtig sein, im Training ein Verhalten stoppen zu können. Das tun wir auch. Manchmal sogar mit dem positiven Markersignal. Denn auch das setzt Grenzen…nicht nur beim Barrieremarkern.

Viel häufiger kommt aber Management zum Einsatz, um unerwünschtes Verhalten nicht auftreten zu lassen. Das ist wichtig, bis das Training greift.

Im Training üben wir mit dem Hund ein neues, erwünschtes Verhalten ein. Bis das richtig gut klappt, und der Hund sich in der Situation sicher fühlt und sich entsprechend souverän verhält, gibt es Management – und unser Geschirrgriff-Signal.

Das Geschirrgriff-Signal ist ein freundliches, faires Verhaltensabbruchsignal. Also ohne Schreckreiz wie Wasserspritze oder Trainingsdiscs, ohne Bedrohung wie Kopf packen und anstarren, und erst recht ohne Schmerzreize wie kneifen, hart an der Leine rucken, Hund umwerfen, treten usw…

Nee, das denke ich mir nicht aus, mir haben viele Hundehalter berichtet, dass ihre „Trainer“ diese Dinge genutzt haben. Und mir selbst mit meinem 1. Hund Charly ist es damals am Anfang auch so gesagt worden…

Zurück zum Thema. Wir nehmen also das, was unser Hund gut macht, und weiten das Verhalten aus. Wir loben und belohnen ihn dafür. So lernt er, dass es eine gute Idee ist, sich so zu verhalten. Dann macht er es öfter. Das nennen wir Lernen.

Am Ende – das gebe ich gerne und ausgesprochen stolz zu – haben wir einen Hund, der vor allem weiß, was er tun DARF.

Solche Hunde müssen nicht ständig rätseln, was denn nun erlaubt ist. Sie kennen ihre Grenzen von dieser Seite aus. Sie sind stolz auf ihre Leistung, wenn sie gelobt und belohnt werden. Sie leben ohne Angst vor plötzlichen Überfällen ihrer eigentlich doch so geliebten Bezugspersonen. Sondern sie können sich voll verlassen auf sie. Dadurch werden sie selbst zu verlässlichen Teampartnern. Denn Hunde lieben freundliche, faire, soziale und verständliche Partner.

 

Fazit

Ob Du nun ein Markersignal benutzt oder nicht, bleibt Dir überlassen. Ich kann nur aufklären. Die Entscheidung liegt ganz bei Dir.

Gerne beantworte ich Dir weitere Fragen, falls dir jetzt welche in den Kopf schießen. Schreibe mir einfach eine E-Mail an info@bettina-haas.com  mit dem Stichwort „Markersignal“ und Du bekommst umgehend Antwort.