Warum dir ein Markersignal Vorteile  bringt

Training mit Belohnungen macht großen Spaß, weil es auf beiden Seiten gute Stimmung macht. Aber manchmal ist es nicht ganz so effektiv wie gehofft. Dann bist du vielleicht zu spät mit deiner Belohnung, und dein Hund verknüpft nicht das gemeinte Verhalten mit der Belohnung, sondern das Verhalten, das er zeigt, wenn er die Belohnung bekommt.

Hunde können ein Verhalten (wie z.B. „Sitz“) nur dann mit einer Konsequenz (also einer Belohnung oder einer Strafe) verknüpfen, wenn dazwischen nicht mehr als 1-2, höchstens 3 Sekunden liegen. Oft dauert es bei uns Menschen ein bisschen, bis wir die Leckerchen oder den Ball heraus gekramt haben. Oder wir üben ein Verhalten auf Entfernung (z.B. Sitz), und müssen erst zum Hund gehen, um ihn zu belohnen.

Wenn die Belohnung zu lange nach dem Verhalten kommt, kann keine gute Verständigung mit unserem Hund stattfinden.

Was können wir tun? Wir können ein Signal einführen, das dem Hund ganz präzise sagt, welches Verhalten wir belohnen werden. Ein Signal, das sozusagen „Ja, das!“ sagt.

Ein Markersignal. Genauer gesagt, ein positives Markersignal.

Was ist ein positives Markersignal?

Ein positives Markersignal ist ein kurzes Wort (z.B. „Klick“, „Tak“) oder das Geräusch eines Klickers. Es markiert ein bestimmtes Verhalten im Fluss des Hundeverhaltens. So wie ein Textmarker eine Passage im Text markiert. Und es sagt dem Hund zuverlässig eine positive Konsequenz voraus.

Klick – etwas Gutes kommt.

Klick – etwas Gutes kommt.

Der Hund erfährt dadurch genau, welches Verhalten aus dem Fluß seiner vielen Verhalten zu der Belohnung geführt hat. Er wird durch das Markersignal auf die Belohnung vorbereitet. Denn er hat zuvor gelernt, dass das Markersignal immer etwas Gutes nach sich zieht. Darum hat es in seinem Gehirn eine Bedeutung bekommen: Es kommt etwas Gutes!

Nach einigen Wiederholungen freut sich der Hund bereits, wenn er das Markersignal hört. Er fühlt echte Freude.

Weil die Freude schon beginnt, bevor die Belohnung kommt, ist es sogar Vorfreude. Du kennst sicher den Spruch: Vorfreude ist die schönste Freude! Denn Vorfreude erhöht die Freude über etwas Schönes deutlich. Dein Hund profitiert also zweimal:

Erstens versteht er besser, welches Verhalten du genau belohnst.

Zweitens freut er sich noch mehr als ohne Markersignal über deine Belohnung.

Warum belohnen wir überhaupt?

Mit einer Belohnung möchten wir erreichen, dass ein erwünschtes Verhalten öfter, schneller, länger oder stärker gezeigt wird. Wir möchten das Verhalten verstärken.

Wenn die Belohnung tatsächlich Verhalten verstärkt, sprechen wir von einem Verstärker. Das ist dann der Fall, wenn sich dein Hund wirklich freut über die Belohnung. Belohnungen, für die dein Hund sich anstrengt, um sie zu bekommen, sind Verstärker. Belohnungen, bei denen er sagt: „Naja, dann nehm`ich es halt….“ verstärken kein Verhalten.

Du siehst also an seiner Reaktion, ob die gedachte Belohnung vermutlich Verhalten verstärkt. Wenn dein Hund begeistert aussieht, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass das so ist. Aber ganz sicher kannst du nur sein, wenn du siehst, dass das Verhalten auch wirklich häufiger, schneller, länger oder stärker gezeigt wird. Nur dann hat deine Belohnung das Verhalten verstärkt.

Wenn du dein positives Markersignal mit solchen verstärkenden Belohnungen verknüpfst, wird es zu einem sogenannten „sekundären Verstärker“. Der primäre Verstärker ist die Belohnung, das Markersignal sagt die Belohnung voraus und verstärkt dadurch bereits Verhalten. Aber nur, wenn immer der primäre Verstärker folgt.

Hier erfährst du, wie du Belohnungen findest, die Verhalten verstärken.

Was ist ein negatives Markersignal?

Ein negatives Markersignal (ein kurzes Wort wie „Schade“) sagt eine Strafe voraus. Es enthält die Information, dass dieses Verhalten leider keine Belohnung nach sich zieht. „Schade“= Belohnung verpasst. Der Hund fühlt Frustration.

Ich versuche, die Trainingsschritte so klein aufzubauen, dass ich das negative Markersignal fast nie benötige. Frustration ist nicht unbedingt schlecht, löst aber bei vielen Hunden Stress aus. Wenn das der Fall ist, wird das Lernen schwierig oder unmöglich. Lernen ist viel leichter mit dem positiven Markersignal als mit dem negativen. Das negative Markersignal soll höchstens als einmaliger Hinweis genutzt werden, damit der Hund schnell merkt, dass das Verhalten nicht das gewünschte ist. Du kannst auch völlig darauf verzichten. Denn dein Hund merkt ja auch so, dass du ihm kein Leckerchen gibst für seine Lösung.

Wenn Du also häufig „schade“ sagst oder nicht belohnen kannst, baue Dein Training viel kleinschrittiger auf. Ich helfe Dir gerne.

Das hast du jetzt gelernt:

• Markersignale verknüpfen Verhalten mit seinen Konsequenzen.

• Markersignale kommunizieren Informationen.

• Markersignale transportieren Emotionen.

• Markersignale helfen, so schnell wie möglich an Konsequenzen zu lernen.

  • Markersignale sind entweder erlernte Verstärker(=positives Markersignal) oder erlernte Bestrafer (=negatives Markersignal).

Weil wir das negative Markersignal nur äußerst selten nutzen, spreche ich im Folgenden einfach nur vom Markersignal.

Kommunikation im Einklang mit der Natur des Hundes

Die Arbeit mit Markersignalen ist reine Kommunikation! Es ist nichts Künstliches, ein Signal zu geben, das eine Verstärkung voraussagt. Im Gegenteil. Wir nutzen zwei der wichtigsten Lernformen: die Klassische und die operante Konditionierung. Beide Lernformen sind uralt und finden immer statt, auch ohne menschliches Zutun. Denn Verstärker und Bestrafer gibt es auch in der Natur.

Du trainierst vollkommen im Einklang mit der Natur Deines Hundes, wenn Du ein positives Markersignal und Belohnungen nutzt.

Was genau ist Kommunikation? Es bedeutet einen Austausch von Signalen, die der jeweilige Empfänger versteht. Wie wir uns bewegen ist Kommunikation. Wenn wir sprechen, kann es Kommunikation sein, sofern der Hund bestimmte Vokabeln versteht. Und wenn wir ein Signal gut aufgebaut haben, versteht uns der Hund.

Genauso verhält es sich mit dem Markersignal. Es ist einfach eine gute Kommunikation, wenn du ganz präzise ein Verhalten markieren kannst, so dass dein Hund versteht, welches Verhalten die Belohnung nach sich zieht. Dieses Verhalten wird er öfter zeigen.

Kommunikation mit Körpersprache und Markersignalen

Kommunikation ist keine Einbahnstraße, auch wir empfangen Signale unseres Hundes. Hunde kommunizieren über Körpersprache, die Stellung der Ohren und der Rute sind Beispiele dafür. Wir können diese Art der hundlichen Kommunikation nicht eins zu eins nachahmen. Meine Ohren sind schlecht drehbar, ich kann nur ein wenig wackeln damit. Eine Rute habe ich auch nicht. Wer also behauptet, dass es natürlicher sei, ausschließlich mit der Körpersprache zu kommunizieren, verzichtet auf Präzision.

Natürlich kann ich nicht ohne Körpersprache kommunizieren. Ich habe einen Körper, und wenn ich mich wie bei einer Drohung frontal nach vorne beuge während ich meinem Hund ein Leckerchen gebe, wird der Belohnungseffekt vermutlich stark abgeschwächt durch meine unbewusste Körpersprache. Ich habe beides und nutze beides bewusst, Körpersprache und Markersignal. Warum auch nicht? Im Garten nutze ich ja auch nicht nur den Spaten als Werkzeug.

Das sind Deine Vorteile, wenn Du ein positives Markersignal nutzt:

  • Dein Hund wird nicht durch Bestrafung gehemmt, sondern kann aktiv mitdenken und mitarbeiten
  • dadurch wird er stimuliert und beschäftigt
  • sein Stresslevel wird auf ein Minimum reduziert
  • die Betonung auf gutes Verhalten
    • beschleunigt das Lernen
    • stärkt sein Selbstvertrauen
  • Emotionen werden verschoben:
    • in bedrohlichen Situationen werden Angst und Aggression verringert
    • die emotionale Stabilität des Hundes wird gestärkt
  • Du wirst wichtiger für Deinen Hund, er verbindet Gutes mit Dir
  • die Verständigung wird deutlich besser
    • als Folge davon muss der Hund nicht so viel „hinterfragen“
  • über die Nutzung verschiedener Verstärker (Belohnungen) lernst Du Deinen Hund und seine Bedürfnisse besser kennen
  • die daraus folgende Bedürfnisbefriedigung stärkt sein Nervenkostüm
  • es entsteht eine vertrauensvolle Beziehung zwischen Euch
  • es macht einfach Spaß

Sollte Dir also in Zukunft jemand weismachen wollen, positive Verstärkung sei ein „Verrat an der Natürlichkeit unserer Hunde“ weißt Du es jetzt besser!

Übung macht den Meister

Die aufgeführten Vorteile ergeben sich allerdings nur dann, wenn man richtig mit dem Markersignal umgeht. Dazu gehört ein bisschen Wissen und Aufmerksamkeit. Aber vor allem sehr viel Übung.

Das sollte dich nicht abschrecken, denn wenn du jetzt beginnst, kannst du schon bald richtig gut trainieren. Du kannst ohne deinen Hund üben, aber auch mit deinem Hund.

 

Möchtest du ein positives Markersignal mit deinem Hund aufbauen?

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