Dominanz und Hierarchie Teil 2

Dominanz – was ist das nun eigentlich?

Bei mir kommt bei dem Wort sofort die Idee von Gewalt in den Kopf. Wenn ich dominant reagiere, setze ich mich durch – notfalls mit Gewalt. Zuvor kommt eine Drohung, und davor ein Befehl.

Befehl Drohung Gewalt = Dominanz

Das mag nun mein ganz persönliches Bild sein, was da aufploppt. Dein Bild ist vielleicht ein ganz anderes.

Was ist eigentlich Dominanz?

Ich könnte mir vorstellen, dass manche Menschen sich dominant fühlen, wenn sie mit Ruhe, Freundlichkeit und Gelassenheit ihren Hund dazu bringen, etwas zu tun, was sie sich wünschen. Diese Menschen würden nicht mit Gewalt reagieren, nur weil ihr Hund sich nicht hinsetzt. Oder den Ball nicht holt oder nicht mehr hergibt. Sie finden aber, dass es Sinn macht, selbstsicher auf den Hund zu wirken, denn wenn sie sich selbstsicher fühlen, klappt es auch mit den Signalen.

Sie haben gemerkt, dass ihr eigenes Gefühl den Hund durchaus beeinflusst. Bist du selbst unsicher, und glaubst bei jedem Signal, dass er sowieso nicht hört, dann ist die Wahrscheinlichkeit für „Ungehorsam“ tatsächlich größer.

Unsichere Menschen – unsichere Hunde

Eine solche Idee ist nicht vollkommen von der Hand zu weisen. Menschen, die sehr unsicher sind im Umgang mit ihrem Hund, die von vorne herein ausstrahlen, nicht an sich selbst zu glauben, haben es sicher etwas schwerer mit ihrem Hund.

Allerdings glaube ich, dass das viel mehr damit zu tun hat, dass sie eben wirklich nicht wissen, was sie wann am besten tun. Sie haben noch nicht genug Wissen, die richtigen Werkzeuge und die nötige Routine im Umgang und Training mit ihrem Hund.

Es ist nicht nur die Stimmungsübertragung, sondern die zu geringe Hilfe der Menschen dem Hund gegenüber.

Als Trainerin erlebe ich das sehr häufig. Dafür bin ich ja da, um meinen Kunden Wege aufzuzeigen, wie sie mit ihrem Hund umgehen und ihm erklären können, was sie sich von ihm wünschen.

Dominieren?

Muss man seinen Hund dabei dominieren? Das hängt von deiner Definition von Dominanz ab. Wenn du zu den Menschen gehörst, die bei Dominanz an Strafe denken, kann ich sagen: Nein, das brauchst du nicht.

Gehörst du zu den Menschen, die eher vorsichtig mit ihrem Hund umgehen, auf keinen Fall etwas falsch machen wollen, ganz viel Rücksicht nehmen und den Hund nie erschrecken, bedrohen oder gar hart bestrafen wollen, dann würde ich sagen: „Es kann sein, dass du den Trainingserfolg als Dominanz empfindest.“

Denn du erfährst, dass du ein Signal gibst, und dein Hund in den allermeisten Fällen richtig darauf reagiert. Das bedeutet, dass er seine Wünsche deinen unterordnet, und tut was du möchtest.

Aber ist das wirklich Dominanz?

Warum befolgt dein Hund deine Signale, wenn du richtig trainierst? Weil es sich für ihn lohnt. Du hast eine Belohnungskiste aufgebaut, und kennst die Bedürfnisse deines Hundes. Du sorgst dafür, dass es deinem Hund emotional gut geht, und belohnst gutes Verhalten sehr häufig.

Dein Hund ist weniger aufgeregt, weil er dich endlich versteht, und kann folglich viel besser reagieren. Vielleicht hast du über spezielles Entspannungstraining dazu beigetragen, dass er sich schneller und tiefer entspannen kann. Er hat Dinge gelernt, die ihm helfen, bestimmte Situationen viel entspannter zu erleben als vorher. Diese Bewältigungsstrategien helfen Mensch und Hund gemeinsam. Als Team seid ihr stark.

  • Dein Hund hat an Sicherheit gewonnen, weil er von dir vernünftiges Feedback bekommt. Er versteht dich und deine Signale viel besser. Und es lohnt sich für ihn, darauf zu hören.
  • Du hast an Sicherheit gewonnen, weil du jetzt genau weißt, was du wann tun kannst. Du verstehst deinen Hund mit all seinen Gefühlen viel besser und kannst ihm entsprechend helfen, in den verschiedenen Situationen richtig zu reagieren.

Es ist also überhaupt nicht nötig, deinen Hund durch Einschüchterung, Drohung und Strafen zu dominieren.

Verstehe deinen Hund

Wenn du erkennst, dass dein Hund so reagiert, weil er Gefühle hat, und weil manche Dinge in unserer Welt für Hunde eine große Herausforderung darstellen, dann weißt du und fühlst du, dass du ihm einfach nur helfen musst.

Wenn es dir gelingt, deinem Hund die richtige Unterstützung zu geben, benötigst du kein Dominanzgebaren, keinen Kampf, keine Hierarchie. Es kann dir schnuppe sein, ob dein Hund als erster durch Türen geht, oder auf das Sofa hüpft, ob er zu dir ins Bett darf oder zuerst zu fressen bekommt.

Diese ganzen Regeln, die sich Menschen ausgedacht haben, nützen in ganz anderer Weise als ihre Anwender glauben.

Denn in vielen Fällen helfen sie dem Menschen, sich klar zu sein über die eigenen Wünsche.

Eigene Regeln kennen – Verhalten trainieren

Wenn etwas mal erlaubt ist und mal nicht, kann ein Hund das nicht verstehen. Das heißt, wenn der Hund manchmal als erster durch die Tür darf, weil der Mensch da gerade nicht drauf achtet, aber beim nächsten Mal wird geschimpft und geruckt, kann der Hund kein Muster erkennen.

Darum hilft es diesen Menschen, wenn der Hundetrainer kommt und klare Regeln aufstellt.

Du brauchst diese Regeln aber nicht blind zu befolgen. Sondern du überlegst dir deine eigenen Regeln. Regeln aufzustellen hat nichts damit zu tun, dominant sein zu müssen. Regeln sind dazu da, friedlich miteinander leben zu können. Regeln erleichtern das Zusammenleben, wenn sie jeder kennt und befolgt.

Darum gilt auch der häufige Vorwurf nicht, dass Menschen, die ihren Hund gewaltfrei und fair erziehen bzw. trainieren, zu wenig Grenzen setzen. Selbstverständlich gibt es bei uns Grenzen. Jeder hat seine eigenen. Und wer klare Regeln aufstellt und bewusst einsetzt, braucht keine Gewalt anzuwenden, um sie durchzusetzen. Sondern jeder kann mit ein wenig Wissen über das Lernverhalten von Hunden seinen Hund so trainieren, dass er die Regeln kennt und respektiert.

Hast du den 1. Teil verpasst? Hier kommst du zu Teil 1 von „Dominanz und Hierarchie“ Hier klicken!

Im nächsten Beitrag geht es darum, warum denn noch immer Menschen an die Dominanztheorie und Hierarchien glauben, wenn es doch so einfach ist, ohne auszukommen? Hier klicken!

 

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