Giftköderalarm! Was tun?

Wir hier auf dem Land waren bisher davon weitgehend verschont. Giftköder gehören aber vielerorts offenbar zum Alltag. Und nun ist es sogar im beschaulichen Hersbruck passiert. Ein Hund hat etwas gefressen und ist direkt danach tot umgefallen.

Schrecklich, und man will sich am liebsten gar nicht damit beschäftigen. Aber wenn man Gefahren verdrängt, wird es nicht besser. Lass uns also den Dingen ins Auge schauen – und überlegen, was wir tun können.

Grundsätzlich: Sei Vorbild

Wenn sich alle Hundehalter vorbildlich verhalten würden, gäbe es vielleicht weniger Hundehasser. Natürlich sind einige Menschen vermutlich einfach krank, und tun solche Dinge, selbst ohne jemals belästigt worden zu sein. Dennoch finde ich, dass jeder von uns Verantwortung trägt.

Rücksicht zu nehmen macht Spaß. Ich liebe es, wenn mein Hund einen schwungvollen, chicen Seitenwechsel macht, wenn uns ein Mensch stoisch auf der gleichen Seite begegnet, wo mein Hund gerade geht. Schwupps, weg ist er. Ich lächle und lobe meinen Hund, und es ist kein Platz sich zu ärgern.

Häufchen aufheben und stolz die Tüte zum nächsten Sammelbehälter oder zum Auto zu tragen gehört ebenso dazu. Ist doch selbstverständlich, dass wir nicht überall die Hinterlassenschaften unseres Hundes liegen lassen. Auf Feldern und Wiesen,  in allen Orten und Städten und ganz besonders bei Blumenbeeten und vor Wohnhäusern gehört es sich einfach, den Haufen rückstandsfrei zu entfernen.

Wenn jeder seinen Teil dazu beiträgt, können wir die Welt beeinflussen. Zum positiven.

Aber natürlich schützt uns auch unser bestes Verhalten nicht wirklich vor Giftködern.

Finde Fressbares / Giftköder als erste

Wenn du unterwegs bist mit deinem Hund, sei aufmerksam. Daddel nicht im Handy umeinander, träume nicht vor dich hin, sondern schau hin was dein Hund tut. Wenn er in einer Hecke interessiert schnüffelt, dann gehe doch lieber mal gucken, was da ist, oder noch besser: Rufe deinen Hund sofort raus.

Wenn du sicher erkennst, was da liegt, wie das zum Beispiel bei einem kleine Stück Brezel der Fall sein kann, oder einem schmelzenden Klecks Eis, kannst du deinem Hund den Fund ja gönnen. Denn solange er nicht gelernt hat, wie er mit gefundenen Dingen umgehen soll, wird er es natürlich einfach fressen.

Trainiere ein oder mehrere Verhalten

Ein gut wirksames Anti-Giftköder-Training besteht aus verschiedenen Bausteinen. Es kann nicht ein einziges Ding geben, was deinen Hund davon abhält, etwas zu fressen, was er findet. Denn jede Situation ist anders.

Es ist etwas ganz anderes, ob er das Essen schon im Maul hat oder nicht. Es ist ein Unterschied, ob er direkt davor steht, oder noch sucht, wo es genau liegt, während er nur den Duft in der Nase hat. Es ist ein riesiger Unterschied, ob es sich um sein Lieblingsfutter handelt oder um ein trockenes Brötchen.

Mit einem guten, positiv aufgebauten „Aus“-Signal und einem Signal, etwas liegen zu lassen bist du schon gut dabei. Jedes Signal muss unbedingt positiv aufgebaut werden, weil der Hund sonst vor allem lernt, nichts in deiner Nähe zu fressen. Läuft er dagegen frei, sieht die Welt ganz anders aus…

Nicht alles ist ein Giftköder

Bitte verzichte darauf, deinem Hund alles, was er findet, sofort hysterisch aus dem Maul zu pulen. Das ist ein äußerst übergriffiges Verhalten dem Hund gegenüber. Selbstverständlich lernt der Hund dadurch nicht, dass er nichts fressen soll, sondern nur, dass du ein sehr großer Ressourcenverteidiger bist, und er seine gefundene Beute möglichst schnell in Sicherheit bringen muss. Sprich: Er wird in Zukunft schneller herunterschlucken, oder schnell das Weite suchen mit der Beute. Und dann schlucken.

Durch dein eigenes Verhalten legst du den Fokus sehr stark auf das Fressen von gefundenen Dingen. Gerade weil du so reagierst, machst du es deinem Hund noch interessanter. Dabei erfährt er allerdings durch das übergriffige Verhalten großen Stress, der außerdem dazu beiträgt, dass er noch stärker Sachen sucht, um sich zu befriedigen.

Stress erzeugt unerwünschtes Verhalten. Den Satz kannst du dir merken. Darum sorge als erstes dafür, dass du Stress im Leben deines Hundes reduzierst.

Hunde begreifen die Welt mit der Schnauze

Ganz besonders junge Hunde erkunden die Welt mit der Schnauze. Wer davon ausgeht, dass sein Welpe nichts in den Fang nehmen dürfe, der tut weder sich noch seinem Welpen einen Gefallen. Das wäre in etwa so, als würden wir einem Kleinkind sagen: „Spiel schön, aber benutze nicht deine Hände!“

Ein Welpe muss sein Schnäuzchen benutzen dürfen. Er muss Dinge damit anfassen, betasten, schmecken. Normalerweise lernen die jungen Hunde dabei, was sie essen können und was nicht. Welpen lieben es, Steine in den Fang zu nehmen. Biete deinem Welpen regelmäßig etwas Besseres an, und er wird es bald lassen. Wenn dein Leckerchen besser schmeckt als der Stein, warum sollte er den Stein fressen? Machst du dagegen Stress, jedes Mal wenn er einen Stein aufnimmt, wird er bald schon kein Leckerchen mehr nehmen können vor lauter Aufgeregtheit, sondern ganz zügig den Stein herunterschlucken.

Also keep coooool, Baby!

Das Gleiche gilt mit giftigen Pflanzen. Ich würde natürlich schon aufpassen, ob mein Welpe davon wirklich viel frisst, oder ob er da nur knabbert und das meiste ausspuckt. Aber ich würden nicht sofort einen Anfall bekommen und alles aus dem Welpen herausschütteln, was drin ist….

Lasse deinen Welpen die Welt erkunden, begleite ihn dabei aufmerksam, um dann einzugreifen, wenn es wirklich gefährlich ist. Nach so einem Eingriff, und das gilt ebenfalls für erwachsene Hunde, musst du unbedingt sehr hochwertig belohnen. Und bitte: Übe ab sofort ein sicheres „Aus“, freundlich, fair, mit positiver Verstärkung und ohne Stress. Dann brauchst du nie mehr im Maul deines Hundes nach Essen zu suchen.

„Aus“ funktioniert nur, wenn du übst

Jedes Signal, dass du nutzen möchtest, muss du zuvor aufbauen. Ich erlebe immer wieder Hundehalter, die einfach ein Wort sagen, und glauben, das muss der Hund doch verstehen. Vielleicht hat er sogar beim ersten Mal perfekt reagiert. „Das versteht der aber!“ höre ich dann oft…

Nein, der versteht das gar nicht. Ich kann es nicht oft genug wiederholen, dass Hunde unsere Sprache eigentlich nicht verstehen. Wenn wir ein Wortsignal aufbauen wollen, müssen wir unserem Hund die Vokabel erklären und sie danach gründlich üben.

Ein sicheres „Aus“ trainieren

Erklären? Wie erkläre ich meinem Hund das „Aus“?

Ich mag diese Lösung besonders gerne:

Du nimmst eine Kaustange, die dein Hund höchstens ein bisschen toll findet. Es kann auch ein anderer Gegenstand sein, ganz egal was, nur sollte dein Hund es zwar in den Fang nehmen, aber auch zügig und von selbst wieder hinlegen bzw. fallen lassen.

Je nach dem, ob er es zu schnell fallen lässt, kannst du ihn zunächst loben, wenn er es nimmt. Und genau in dem Moment, wo er es fallen lässt, gibst du dein Markersignal und er bekommt ein Leckerchen.

Sollte er den Gegenstand nicht mehr aufnehmen, nimm etwas anderes, was ein wenig hochwertiger für ihn ist.

Das wiederholst du mehrere Male.

Am besten übst du diesen Vorgang ein paar Tage lang. Du wirst fähig sein, ziemlich genau zu sehen, wann dein Hund loslassen wird. Das siehst du an winzigen Bewegungen im Maul, die Lefzen zucken, das Maul geht ein wenig auf, und wieder zu, bevor er es richtig los lässt.

Wenn du das ganz gut beherrschst, sagst du genau dann, wenn er es fallen lässt, dein Signal, zum Beispiel „Aus“. Danach folgt wie immer dein Markersignal und das Leckerchen.

Das ist jetzt die neue Übung. Du wartest, bis du siehst, jetzt wird er gleich loslassen, gibst dein Wortsignal und markierst und belohnst deinen Hund, sobald er loslässt.

Achte darauf, dass er wirklich nach dem „Aus“ loslässt, und nicht mehr als 3 Sekunden vergehen. Nur dann ist die Verknüpfung perfekt. Vergiss nicht: Dein Hund lernt gerade die Vokabel zu verstehen. Er lernt, dass das Wort „Aus“ immer genau dann kommt, wenn er etwas aus dem Maul fallen lässt.

Genau diese Verknüpfung macht dein Signal so sicher. Wenn er diese Verknüpfung gemacht hat, wird er immer das Maul öffnen, wenn er das Signal hört.

Hier findest du einen Beitrag zum Thema „So baust du Signale auf“

Gewinnbringendes Training

Voraussetzung ist natürlich, dass du das Verhalten hochwertig belohnst. Wenn das, was er im Maul hatte, regelmäßig besser ist als das, was er bekommt, wird er lernen, dass das Öffnen des Mauls einen Verlust bedeutet, und keinen Gewinn. Es sollte aber einen Gewinn für ihn bringen, zumindest in den meisten Fällen und besonders am Anfang des Trainings.

Nur wenn du die Verstärkung auf deinen Hund individuell anpasst, wirst du selbst dein Training ebenfalls als gewinnbringend erleben. Gerade beim „Aus“ kann man wirklich von einer Win-win-Situation“ sprechen!

Hilfe, er findet eine Bratwurstsemmel!

„Ich kann doch nicht mit einer LKW-Ladung Feinkost herumlaufen, um meinen Hund immer hochwertiger zu belohnen als das, was er findet!“

Ich kann dich beruhigen, das musst du auch nicht. Dieser Gedanke kommt dann auf, wenn man am Anfang des Trainings steht, und seine neuen Signale an solchen Leckerbissen probieren möchte. Was meinst du, wie oft mir das schon passiert ist!

Schnell denkt man:“Oha, das ist das Ende der positiven Verstärkung, das wirkt eben nur im Training, aber nicht im realen Leben!“ Das. Ist. FALSCH.

Was läuft hier verkehrt?

Ganz einfach: Du hast schon trainiert, aber du bist noch gar nicht bei „Bratwurstsemmel ausgebenl“ angekommen im Training.

Sondern bisher hast du vielleicht einen langweiligen Kaustick auf den Boden gelegt, den dein Hund sofort ausgespuckt hat, um sich drei schöne, saftige Käsewürfel abzuholen. Oder Würstchen, Hackfleisch, Bratwurst, Hühnchen….

Du hast noch gar nicht die Verleitungen gesteigert. Du hast noch nie mit gleichwertigen statt höherwertigen Belohnungen trainiert.

Und vor allem hast du noch keine ausreichende Verstärkungsgeschichte aufgebaut. Dein Hund hat noch nicht verinnerlicht, dass es „eigentlich immer“ ganz toll ist, etwas fallen zu lassen, so dass er es auch tun kann, wenn er den Himmel auf Erden findet, und von dir ausnahmsweise nur etwas relativ Normales bekommt.

Ach, du hast noch gar nicht draußen trainiert, nur im Wohnzimmer? Na dann…

Woher soll dein Hund dass dann können? Glaubst du, der lernt heimlich vor, in der Nacht mit der Taschenlampe unter der Hundedecke?

Wie geht es richtig?

Du hast etwas wenig Spannendes ausgelegt, dein Hund nimmt es in den Fang und gibt es für etwas sehr Hochwertiges aus.

Mache dir eine Liste, was ganz wenig spannend ist für deinen Hund, und was er sehr, sehr toll findet.

Das am wenigsten Gute hast du (hoffentlich) trainiert. Im nächsten Schritt erhöhst du also die Wertigkeit des Gegenstandes oder Futters, das du auslegst.

Mein Tipp:

Wenn ein Hund am Anfang alles sofort frisst, so dass keine Möglichkeit besteht, überhaupt zu üben, etwas wieder herzugeben, beginnst du dein Training mit einem nicht fressbaren Gegenstand: Ein Holzlöffel, ein wenig beliebtes Hundespielzeug, ein kleiner Pappkarton, ganz egal. Hauptsache dein Hund nimmt es in die Schnauze, und gibt es genau so gerne wieder her.

Schritt für Schritt steigerst du die Wertigkeit der Gegenstände, die dein Hund nehmen und wieder auslassen soll.

Übrigens kann man das Aus-Signal auch sehr gut im Spiel üben. Da ist die Belohnung, dass das Zerrspiel weiter geht, nachdem der Hund den Gegenstand losgelassen hat. Natürlich auch mit Benutzung des Markersignals.

Das ergibt viele schöne Verknüpfungen, weil so ein lustiges Zerrspiel den meisten Hunden großen Spaß macht. Das freudige Gefühl wird auf die Weise gleich mit verknüpft, genau so wie bei einem hochwertigen Leckerchen. Dadurch ist dies ein guter Anfang für Hunde, die alles sofort fressen.

Wer mit einem Gegenstand begonnen hat, kann natürlich zunächst die Wertigkeit der Gegenstände erhöhen, und nach und nach auf wenig hochwertige Futtersorten wie eine langweilige Kaustange zurückgreifen, um dann mit Futtersorten die Steigerung weiter zu führen.

Das Ziel sollte sein, dass dein Hund sogar ein Wienerle fallen lässt, wenn du „Aus“ sagst, einfach deshalb, weil er gelernt hat, dass es sich lohnt.

Was du mir schenkst, schenke ich dir

Das Wienerle, dass er ausgelassen hat, einfach mal als Belohnung zu nutzen, ist gar keine schlechte Idee. Ich würde dann allerdings ein kleines Ritual einbauen: Du nimmst es in die Hand, schaust es dir an, und gibst es mit einem Freigabesignal an deinen Hund zurück.

So hast du schon mal ein starkes, positiv aufgebautes Signal, das dir Sicherheit bietet für den Ernstfall.

Aber es gibt noch mehr zu lernen, damit du für alle Situationen gewappnet bist. Davon werde ich später mehr berichten.

Das ist dir zu kompliziert? Dann nutze und verbessere deinen Rückruf, damit kannst du deinen Hund in jeder Situation von jedem Wienerle, Bratwurstbrötchen, Leberkäs und Co abrufen.