Hört dein Hund auf`s Wort?

Hört dein Hund auf`s Wort?

So vermeidest du 4 häufige Fehler bei der Signalgebung

Du willst, dass dein Hund auf jedes Wort hört? Dann achte darauf, was du wie sagst!

Fehler Nr. 1

Das Wortsignal wurde nicht geübt

Viele Menschen glauben, dass bestimmte Signale wie Komm, Sitz und Platz irgendwo im Hund programmiert sein müssten. Sie rufen es sofort ab, sobald sie den Hund bei sich haben. Das heißt, sie rufen. Sie rufen „Komm!“ und manch ein Hund kommt auch die ersten Male. Daraufhin sagen die Menschen:“Der versteht das aber!“

Wenn der Hund nach ein paar Tagen nicht mehr kommt auf Ruf wird gesagt:“Der weiß ganz genau, was das heißt!“ 

Dabei weiß der Hund genau – gar nichts. Jedenfalls nicht, dass er auf „komm“ oder irgendein anderes Wort zu seinem Menschen laufen soll. Häufig wird sogar noch erwartet, dass sich der Hund hinsetzt, schön gerade wie sich das gehört, und aufmerksam zu seinem Menschen schaut.

Damit beginnt die Spirale, die leider häufig in Gewalt endet. Der Glaube, dass der Hund „ganz genau weiß“ was er tun soll, gepaart mit dem Denken in Hierarchien führt nicht selten dazu, dass sich der Mensch auf die Probe gestellt fühlt und glaubt, durchgreifen zu müssen. Dabei hätte das Signal einfach nur richtig geübt werden müssen.

Die Lösung:

Übe jedes Wortsignal äußerst gründlich. Dabei wird zunächst das Verhalten durch die Körpersprache oder / und durch Locken hervorgerufen.

Wenn du zum Beispiel deinen Hund rufen möchtest, läufst du weg von ihm und machst dabei auf dich Aufmerksam, etwa durch Händeklatschen. Kommt dein Hund, wird er fürstlich belohnt. Was meinst du, wie schnell er lernt, dass es super-duper-toll ist, wenn er zu dir rennen darf?

Erst dann, wenn du 100,-€ verwetten würdest, dass dein Hund mit dieser Aktion sicher zu dir kommt, sagst du VORHER dein neues Wortsignal.

So lernt der Hund Schritt für Schritt die Vokabel, die zu dem Verhalten „Ich renne zu meinem Menschen“ passt.  Belohne deinen Hund jedes Mal, am besten mit vielen, abwechslungsreichen Belohnungen.

Die Körpersprachliche Aktion wird dann langsam reduziert, wenn dein Hund bereits dann losrennt zu dir, sobald er das Wort hört, schon bevor du die Körpersprache anwendest. Noch hilft sie ihm, wirklich bis zu dir zu rennen, bald benötigt er dies nicht mehr, und du kannst deine Bewegungen langsam verringern.

Was kann schiefgehen?

Meistens passiert folgendes: Der Mensch übt das so wie beschrieben einige Male. Nach spätestens 14 Tagen wird dann aber doch erwartet, dass der Hund das jetzt auch mal ohne Belohnung machen muss.

Wenn dir das auch so geht, überlege bitte, ob du nach 2 Monaten auch kein Gehalt mehr möchtest für deine Arbeit? – Genau. Dein Hund tut das, was sich für ihn lohnt. So wie du.

Belohnungen reduzierst du erst, wenn ihr durch tausend oder mehr Wiederholungen eine tief verankerte Belohnungsgeschichte geschaffen habt.

 

Fehler Nr. 2

Es gibt kein Signal

„Rufe deinen Hund zu dir!“ bat ich die Kundin. „Bello, komm!“  Bello schnüffelt. „Hierher, Bello!“ Bello geht einen Schritt weiter weg. „BELLO, ich habe gesagt, du sollst kommen!!“  Sie ließ die Schultern hängen, denn Bello machte keine Anstalten zu kommen.

Ganz so hat es sich nie zugetragen, aber so ähnliche Situationen erlebe ich durchaus öfter. Es existiert gar kein echtes Signal, sondern es wird mit dem Hund gesprochen, als ob er unsere Worte genau verstehen würde. Tut er aber nicht.

Lösung:

Die Lösung ist simpel: Suche dir für jedes Verhalten ein eigenes Wort. Sage immer das gleiche Wort für das Verhalten. Also zum Beispiel „Zu mir!“ für das Herankommen.

Was kann schief gehen?

So einfach es klingt, ist es dennoch für viele eine kleine Herausforderung, genau darauf zu achten.  Du musst dafür deine Gewohnheiten ändern, und das braucht etwas Zeit.

Achte also im ersten Schritt immer darauf, was du sagst.

Wenn du erst im Nachhinein bemerkst, dass du das falsche Signal gesagt hast, sei dir nicht böse, sondern freue dich darüber, dass du es bemerkt hast! Das ist ein großer Schritt nach vorne. Bleib jetzt dran und verbessere deine Aufmerksamkeit mit jedem Mal.

 

Fehler Nr. 3

Zwei oder mehr Signale ähneln sich im Klang

Wenn dein Hund Schwierigkeiten hat mit einem bestimmten Signal, kann es daran liegen, dass es einem anderen zu ähnlich ist. Wer zum Beispiel das Markersignal „Top“ benutzt, sollte nicht „Stopp“ als Signal für das Anhalten nehmen.

Nicht jeder Hund unterscheidet unsere Worte so genau nach jedem Buchstaben, sondern hört etwas „oberflächlich“ auf den Klang.

Lösung:

Achte auf den Klang des Wortes. Suche dir ein anderes Wort, wenn du zwei ähnlich klingende Signale benutzt. Das neue Wort baust du noch einmal sozusagen im Kurzdurchgang auf, dein Hund hat das Prinzip ja verstanden, und muss nur die Vokabel lernen. Am einfachsten geht das, wenn du wieder mit deiner Körpersprache darstellst, was du möchtest.

Was kann schief gehen?

Auch hier kann es dir natürlich passieren, dass du versehentlich das alte Signal benutzt. Besonders wenn du selbst Stress hast, kannst du oft nicht auf neue Gewohnheiten zurückgreifen. Jetzt weißt du, warum dein Hund vielleicht auch in bestimmten Situationen etwas gerade neu gelerntes noch nicht kann. Gib euch beiden genug Zeit, in Ruhe die alte Gewohnheit abzulegen, und die neue anzunehmen.

 

Fehler Nr. 4

Das Signalwort wird unterschiedlich betont

Sitz. Siiiitz. Sitz? SITZ!

So etwa klingen viele Hundehalter. Mal sagen sie das Signal normal. Mal extra lang, weil sie es nun zum zweiten Mal sagen. Dann wieder klingt es eher fragend, und am Ende wird es geschrien. Wie sollte der Hund verstehen, dass jede Ausführung das Gleiche bedeuten soll?

Noch häufiger passiert das mit mehrsilbigen Worten. „Warten!“ kann ich auf der ersten Silbe betonen:“WARten!“ oder auf der zweiten Silbe:“warTEN!“  Dabei geht bei der ersten Betonung die Stimme von oben nach unten in der Tonhöhe, und bei der zweiten Betonung von unten nach oben. Sprich es aus, dann merkst du, was ich meine. Es gibt sogar noch eine dritte Betonung, bei der beide Silben gleichmäßig betont werden und mit gleicher Tonhöhe gesprochen werden.

Lösung:

Sprich dein Wortsignal möglichst immer gleich aus. Gewöhne dir eine sehr genaue Aussprache an, so dass dein Hund dich wirklich versteht.

Wenn du nun noch darauf achtest, dass du das Signal nur dann sagst, wenn dein Hund auch darauf hören KANN, also nicht zu stark abgelenkt ist, hast du dir selbst geholfen. Denn dann brauchst du nicht mehr nörgeln oder schreien.

Was kann schief gehen?

Manche Menschen merken gar nicht, dass sie die Signale unterschiedlich aussprechen. Dann hilft es, sich von jemandem beobachten zu lassen. Oder die eigene Signalgebung auf einem Video festzuhalten. Wenn du dich im Video selbst siehst und hörst, fällt dir viel mehr auf, als wenn du direkt in der Situation bist.

 

Stimmt das auch alles?

Es erscheint vielleicht wie ein Widerspruch, wenn ich einerseits sage, dein Hund hört nur auf den Klang der Worte, und andererseits so ein „Gschiß“ darum mache, wie du das Wort aussprichst.  Das Problem ist, dass jeder Hund anders ist. Der eine hat mit der Betonung null Probleme, der andere schon. Der eine kann „Top“ und „Stopp“ super auseinander halten, der andere nicht.

Es macht also durchaus Sinn, sich ein paar Gedanken zu machen, um einfach alle Missverständnisse von vornherein aus dem Weg zu räumen.

Natürlich gehört eigentlich auch die Körpersprache noch dazu. Sie ist besonders am Anfang wichtig, wenn der Hund das neue Signal erst lernt. Später wollen wir erreichen, dass der Hund auf das reine Wortsignal reagieren kann, völlig ohne die Körpersprache zu beachten. Das muss ebenfalls in passenden Schritten trainiert werden.

Und hier noch mal alle vier Punkte für deine Aktionsliste:

  1. Übe das Wortsignal gründlich.
  2. Nutze für jedes Verhalten ein eigenes Wortsignal.
  3. Achte darauf, dass sich die Worte im Klang nicht zu sehr ähneln.
  4. Sprich deine Signale möglichst immer mit der gleichen Betonung aus.
By |2017-11-23T12:12:00+00:00September 11th, 2017|Hundetraining allgemein|0 Comments

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Bettina Haas, Hundetrainerin aus Leidenschaft, zeigt dir, wie du zum besten Freund und Trainer für deinen Hund wirst. Damit du schnell und nachhaltig zum Erfolg kommst und dein Leben mit Hund (wieder) richtig genießen kannst!

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