Gewalt beginnt da, wo Wissen endet

Ersetze Gewalt durch Wissen. Liebe und Verständnis

Gewalt beginnt da, wo Wissen endet

Ich bin die fünfte..

Gerade komme ich von einem Erstgespräch mit einer sehr netten Halterin eines Border Collies mit ziemlich starkem Angstverhalten.

Sie erzählte mir, dass vor mir schon 4 Trainerinnen mit ihnen gearbeitet hatten. Keine davon hat wirklich konsequent positiv trainiert, manche waren sogar recht grob, und einige nicht nur zum Hund…

Zum Glück hat meine Kundin (und manchmal auch der Hund) immer relativ schnell gemerkt, dass es für sie nicht passte. Und jetzt kam ich ins Spiel, und wir waren uns gleich sympathisch und sogar die ängstliche Hündin hat mich schnell akzeptiert, was sie dadurch zeigte, dass sie zuerst zum schnuppern an meine Seite kam, sich dann zu meinen Füßen entspannt hinlegte und sogar schlief, und am Ende sogar zweimal meine Hand leckte, als wollte sie sagen: „Du bist in Ordnung, dich mag ich!“.

Gewalt beginnt da, wo Wissen endet

Leider gibt es noch immer einige Trainer*innen, die hier und da nicht weiter wissen und den Hund einfach einschränken, blocken, oder strafen wollen. Getreu dem Satz: „Gewalt beginnt dort, wo Wissen endet.“

Trainer*innen, die angeblich mittels ihrer „Anführerqualitäten“ dem Hund zeigen, wo es lang geht. Die ihren Kunden vermitteln, eben diese „Alphamentalität“ nicht genug ausgeprägt zu besitzen, also nicht zu genügen. Trainer*innen, die den weinenden Kunden sagen, ihr Hund hätte keine oder nicht genug Bindung zu ihnen.

Manche behaupten gar, man müsse nicht trainieren, sondern einfach leben mit dem Hund. Damit meinen sie aber, dass sie den Hund mittels Körpersprache und Strafen einschränken, bestrafen und „erziehen“. Andere füttern auch mal Leckerchen, bestrafen aber teilweise so drastisch, dass es Tierschutzrelevant ist. Es gibt natürlich wie überall nicht nur Schwarz und Weiß, sondern sehr viele Graustufen dazwischen.

Warum gehen immer noch viele Hundehalter zu diesen Trainer*innen? Möglicherweise, weil die Trainer*innen so überzeugende Argumente liefern, wie sie uns damals auch genannt worden sind, als Charly noch ganz jung war. „Das machen Hunde auch so“, oder „Sie müssen sich durchsetzen, sonst tanzt der Ihnen auf der Nase herum“ sind schon Druckmittel, denen man als Laie nicht viel entgegnen kann.

Gewalt beginnt dort, wo Wissen endet

Darum hat es auch lange gedauert, bis ich damals endlich kapiert hatte, dass ich mit der Strafschiene nicht weiter komme. Eigentlich wollte ich das ja auch alle nie machen. Sondern ich wollte Charly mit viel Liebe und Leckerchen trainieren. Mir fehlte nur das nötige Know How dazu. Denn einfach planlos Leckerchen geben genügt nicht.

Werte

Was mir aber vor allem fehlte, war das Bewusstsein meiner Werte. Jeder Mensch hat innere Werte und Überzeugungen, was richtig und was falsch ist. Werte wie Ehrlichkeit, Liebe oder Gewaltfreiheit zeigen einem den Weg, vorausgesetzt man ist sich ihnen bewusst.

Hätte mich jemand gefragt nach solchen Werten, ich hätte sicher gesagt, dass ich meinem Hund keine Gewalt antun will, sondern ihn freundlich und fair trainieren möchte. Mir war gar nicht bewusst, dass ich gerade meine eigenen Werte torpediere, wenn ich Charly anherrschte, bedrohte, oder in den schlimmsten Fällen, den Alphawurf anwendete. (Bitte nicht machen, das ist vollkommener Blödsinn!)

Es ist also sehr wichtig, dass du dir deine Werte bewusst machst, bevor du einen Trainer*in suchst.

Wenn du nämlich glasklar weißt, dass du keine Gewalt anwenden möchtest, und dazu noch definierst, wo für dich Gewalt beginnt, dann hast du eine sehr große Entscheidungshilfe. Du erkennst früh, ob die angebotene Arbeit deinen Werten entspricht oder nicht.

Klar, man muss wissen, dass es grundsätzlich auch anders geht. Das wird einem ja leider nicht gesagt…

Andererseits begibst du dich viel eher auf die Suche nach Alternativen, wenn du deine Werte ganz klar vor Augen hast. Selbst dann, wenn du gar nicht weißt, ob du jemals findest, was du suchst.

Kenne deine Werte, wenn du einen Trainer suchst

Visionen

Außer deinen inneren Werten können dir auch Visionen helfen, den richtigen Weg zu finden. Wie möchtest du mit deinem Hund eigentlich leben?

Wer gerade mitten in riesigen Problemen steckt, verliert diese Visionen oft. Man glaubt, dass sie unerreichbar sind mit diesem Hund…

Wenn ich ehrlich sein soll (und Ehrlichkeit ist einer meiner Werte), hatte ich Visionen, die tatsächlich unerreichbar blieben für Charly und mich. Ich hatte nämlich sämtliche guten Eigenschaften, die Hunde haben können, in meinen Hund hinein visioniert.

Mein Traumhund sollte überall frei laufen können, vor dem Laden ohne Leine warten können, sich mit allen Hunden verstehen, meine leisen Signale immer sofort befolgen, und ich weiß nicht was noch alles. Dass alle diese wundervollen Eigenschaften in zig verschiedenen Hunden zu finden waren, aber nie alle gemeinsam in einem Hund, ist mir nicht aufgefallen. Ich dachte, das klappt schon.

Wenn du so unrealistische Visionen hast, kann es sein, dass du sie änderst, wenn du deinen Hund besser verstehst. So habe ich es auch gemacht. Und bin dabei sehr glücklich gewesen.

Aber die grundlegende Vision war ja eigentlich die, in der nicht einzelne Eigenschaften gefragt waren, sondern die Werte gelebt werden. Du kannst deine inneren Werte in einer Vision lebendig werden lassen. Das hilft dir, im wirklichen Leben genau so zu handeln wie in der Vision.

Was du klar vor deinem inneren Auge siehst, kannst du leicht in dein Leben holen. Am besten geht das, wenn du dazu die Gefühle erlebst, die du dabei hast. Die Liebe zu deinem Hund, der Stolz, wenn du ihm zusiehst, die Freude, wenn er dir gehorcht und vertraut, weil ihr einfach ein tolles Team seid und euch das Training Spaß macht.

Füllebewusstsein vs. Mangelbewusstsein

Wir waren damals mit Charly vollkommen im Mangelbewusstsein gefangen. Wir glaubten nicht daran, eine weitere Hundeschule zu finden. Wir glaubten, dass es ohne Gewalt eben doch nicht geht im Hundetraining. Wir meinten, gegen den Hund kämpfen zu müssen. Wir fühlten uns klein und machtlos. Ich fragte mich, warum ich so einen schwierigen Hund bekommen musste.

Wenn du so fühlst und nur das Negative siehst, bist du im Mangelbewusstsein gefangen. Dein Hund ist nicht per se aggressiv, schwer erziehbar, oder von Geburt an ein „Arschlochhund“. Du musst nicht gegen ihn kämpfen.

Ein Hund ist ein Hund, mit einem Hundegehirn. Er kann lernen, sofern er gesund ist. Er ist sozial veranlagt, was wir schon daran erkennen, dass er sich an Menschen anschließen kann. Ein Hund zeigt das Verhalten, was sich für ihn bisher gelohnt hat.

Wenn wir lernen, unseren Fokus auf das gute Verhalten zu legen anstatt auf das unerwünschte Verhalten, gehen wir den Weg der Fülle. Wir sehen plötzlich, dass unser Hund ja so viele tolle Eigenschaften hat. Und dass er sich doch manchmal zu uns umschaut, oder manchmal hört, oder manchmal entspannt ist. Und diese Situationen nutzen wir, um die Anlagen des Hundes zu fördern. Mit dem Hund arbeiten anstatt gegen ihn – und schon wird alles leichter.

Auf die Weise kommt Spaß in die Sache. Training ist plötzlich keine harte Arbeit mehr, sondern öffnet das Herz. Du siehst, wie sich dein Hund Mühe gibt, alles richtig zu machen. Du erkennst, dass er manchmal einfach überfordert ist, und dich dann nicht mehr versteht, weil er vielleicht viel zu aufgeregt ist. Du lernst, ihn so zu unterstützen, dass er sich weiter entwickeln kann.

Ist das nicht eine wundervolle Vorstellung? Wobei wir wieder beim Thema Vision sind. 😁

Wenn du das auch erleben möchtest, beginne einfach: Schreibe dir alle guten Eigenschaften deines Hundes auf. So hast du einen guten Anfang.

Am besten schreibst du dann jeden Tag in dein Tagebuch, was dir heute besonders gut gefallen hat an und mit deinem Hund. Du wirst dich wundern…Wunder geschehen, wenn man es zulässt.

Selbstliebe

Genauso freundlich wie du deinen Hund behandelst, solltest du dich auch selbst behandeln. Es ist wichtig, dass du dich selbst genauso liebst wie deinen Hund. Dann bist du in deiner Kraft und kannst mit der richtigen inneren Haltung reagieren: Mit Gelassenheit, bedingungsloser Liebe, Fairness und Geduld. Dazu das nötige Wissen, was wann warum wie getan werden sollte (dabei hilft dir eine gute Trainer*in) – und dem problemlosen Zusammenleben mit deinem Hund steht nichts mehr im Weg.

Sei mit dir selbst geduldig, fair, freundlich und gelassen. Gönne dir Pausen, lächle dich im Spiegel an, und achte auf deine Bedürfnisse. Kämpfe nicht gegen dich an. Lasse los. Atme. Liebe dich selbst. Sorge gut für dich.

Selbstwirksamkeit

Anstatt meinen Kunden zu sagen, sie hätten halt keine Führermentalität, zeige ich ihnen, wie sie ihren Hund so trainieren, dass er mehr erwünschtes und dadurch weniger unerwünschtes Verhalten zeigt.

Das ist Selbstwirksamkeit. Sie erkennen, dass sich das Hundeverhalten ändert, wenn sie ihr Verhalten ändern. Es geht nicht um ominöse „Alpha-Qualitäten“, sondern um bodenständiges Handwerk, nämlich Hundetraining. Das kann jeder lernen und dabei Spaß haben.

Auch der Hund darf lernen, dass sein Verhalten eine Wirkung hat, und dadurch ebenfalls seine Selbstwirksamkeit erfahren. Es tut ihm gut, wenn er merkt, dass das Gegenüber tatsächlich mit ihm kommuniziert, und es nicht aus dem Blauen heraus irgendwelche Strafen hagelt.

Wir positiven Trainer bauen Hunde auf, ihre Persönlichkeit zu zeigen, und stärken ihre positiven Eigenschaften. Wir möchten, dass Hunde Hunde sein dürfen, und jeder Hund seine Vorlieben und Bedürfnisse so gut wie möglich ausleben kann. Hunde sollen sich trauen dürfen, auch Dinge auszuprobieren, und sich aktiv in der Umwelt zu orientieren.

Der Hund hat immer ein Mitspracherecht.

Wir trainieren mit den Bedürfnissen des Hundes und den Bedürfnissen des Menschen. Es wird gemeinsam gelernt, Mensch und Hund lernen zusammen, und werden ein Team. Und ich als Trainerin lerne ebenfalls mit jedem neuen Team Neues dazu.

Genau das ist auch meine Vision: Eine Welt, in der Menschen mit Hunden (und auch anderen Tieren) fair und freundlich umgehen, und verstehen, dass wir alle miteinander verbunden sind. Menschen, die ihre eigenen Bedürfnisse beachten, sich selbst lieben und genauso für die Bedürfnisse ihrer Tiere sorgen und ihre Tiere lieben. Wenn wir bei uns selbst beginnen, können wir eine Welt voller Frieden erschaffen.

Du kannst in Frieden und Harmonie mit deinem Hund leben.

Traue dich, etwas Neues zu lernen, wenn dein bisheriges Training nicht zum Erfolg geführt hat. Gehe dabei den friedlichen Weg, ohne Gewalt, mit Positiver Verstärkung. Manchmal muss man über seinen Schatten springen, wenn man schon viele Jahre Hunde hatte, oder vielleicht selbst schon Trainer ist. Manchen Menschen fällt es schwer, sich zu öffnen für Neues. Es lohnt sich aber, denn wie schon Einstein gesagt haben soll: „Probleme kann man niemals mit derselben Denkweise lösen, durch die sie entstanden sind.“

Herzlich

Deine Bettina

 

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Über die Autorin Bettina Haas

Bettina Haas, Hundetrainerin aus Leidenschaft, zeigt dir, wie du zum besten Freund und Trainer für deinen Hund wirst. Damit du schnell und nachhaltig zum Erfolg kommst und dein Leben mit Hund (wieder) richtig genießen kannst!

3 Antworten

  1. Wunderbare Worte! ❤️

    Ich habe meinen ersten Welpen DSH. Rüde.
    Wir kamen zusammen, da war er 3 Monate.
    Mir war von Anfang an klar, das ich ihn mit viel Liehe „erziehen “ wollte.

    Mein Gott! Was ich alkes für Ratschläge erhalten hatte!? ! 😡 Auch Ungefragt! (das waren auch noch die schlimmsten! selber keinen Hund – aber Ratschläge geben, weil sie es im Fernsehen gesehn haben! 🤦‍♀️
    Von: dem mußt du aber schon um Welpenalter zeigen, wer der Boss is! – Bis: der stellt sich irgendwann gegen dich, – und vordert dich raus!
    Also, man hätte meinen können, ich hätte da eine Bestie! ….naja!
    Ich muß zugeben das machte mir schon etwas Sorge: oh – wenn der Dich wirklich mal angreift?
    Ich dachte jedesmal wenn er „frech‘ wurde- oh jetzt versucht er es schon! aber in diesem Alter?!
    Das passte nicht zusammen!
    Bis ich irgendwann kapierte: er wollte einfach nur etwas toben und spielen!!! Es war ein WELPE!
    Gott sei dank habe ich ihn NIEMALS hart angepackt! zugegeben: ich hatte ihn auch schon gezwickt…. auf damalige Ratschläge! 😪
    Ich ging wida „meinen Weg“
    Jedenfalls fing ich an -ALLE Ratschläge- die nicht mit mir im Einklang waren) zu ignorieren !!! ALLE‼️
    Bin den Weg wie oben beschrieben gegangen… ich fördere das gute Verhalten…und belohne! Und ganzviel spielen! Wir trainieren auch im Spiel.- der wechsel- das mcht ihm so Spaß ☺️ Er ist so toll❤️
    Klar… lernen müssen wir BEIDE! Wir stehen noch ganz am Anfang ! Er ist inzwischen 7 Monate!
    Aber ein weiß ich ganz genau: Wir haben eine Super Basis geschaffen 😍🤩
    Und mein Zauberwort heißt: VERTRAUEN! – AUF BEIDEN SEITEN💪🥰
    Und das kann Iin neinen Augen nur im Positivem geschaffen werden💫🍀💫

    1. Liebe Birgit,

      vielen Dank für Deinen Beitrag. Wunderbar, dass Du auf Dich selbst und Deine Intuition gehört hast und nicht auf die „Ratschläge“ der anderen.
      Für mich wieder ein Zeichen: Es gibt noch so viel zu tun…empfiehl mich gerne weiter, wenn Dir das positive Training gefällt.

      Liebe Grüße und ganz viel Freude mit Deinem Hund
      Bettina

  2. Sehr gern😍

    Ja, und Sie haben wirklich noch viel zu tun.
    Es gibt leider noch viel zu viele von „der alten Hundeschule“ Da Draußen 😲😞

    Vielen Dank, und liebe Grüße zurück 🤗🍀❤️

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