Mein Hund nimmt kein Futter!

Liebe schafft Vertrauen

Mein Hund nimmt kein Futter!

Diese Woche habe ich eine E-Mail erhalten, die mich ein bisschen aufgerüttelt hat. Es ist noch so viel Unwissen in der Welt, was die Positive Verstärkung angeht! Und daran will ich etwas ändern.

„Mein Hund nimmt kein Futter“ bedeutet nämlich nicht, dass du dann nicht mit positiver Verstärkung trainieren kannst!

Es war eine Hundehalterin, die sich das PDF „Meine 4 Geheimnisse für dein Begegnungstraining“ heruntergeladen hatte. Sie antwortete mir auf meine Folge-E-Mail:

„Lieben Dank für die Gratis Tipps und die Einladung auch persönlich zu helfen. Leider geht es auch bei deinem System über positive Verstärkung. Dies ist nicht meine Methode. Zum einen interessiert meinen Hund draußen weder Futter noch Spielzeug, zum anderen möchte ich mich nicht zum“Affen“ oder Futterspender machen, nur um interessant zu sein. Bitte nicht falsch verstehen! Dies ist nur meine persönliche Meinung.

Ich wünsche dir weiterhin viel Erfolg.“

Ich fand es so nett, wie freundlich mit diese Frau geschrieben hat, dass ich ihr gerne antworten wollte. Und nun habe ich es getan, und das Ergebnis möchte ich gerne teilen:

„Hallo (Vorname),

zunächst einmal herzlichen Dank, dass du trotz deiner Abneigung zur Positiven Verstärkung so freundliche, respektvolle Worte findest. Das war es auch, was mich bewog, dir gerne antworten zu wollen.

Persönlich finde ich es sehr, sehr traurig, wenn du diesen Trainingsansatz unüberlegt in Bausch und Bogen verurteilst. 

Vielleicht sehe ich als Profi Dinge, die du noch nicht siehst. Und davon möchte ich dir gerne erzählen.

Dein Hund nimmt draußen kein Futter?

Dein Hund nimmt draußen kein Futter…

…und interessiert sich nicht für Spielzeug. Damit ist er nicht alleine, und sehr viele Hunde, die zu mir kommen, haben das gleiche „Problem“.  In Wahrheit bedeutet dies, dass sich dein Hund sehr unwohl fühlt, oder aber von Gerüchen und anderen Reizen einfach sehr stark abgelenkt ist. Vielleicht ist er zu aufgeregt, oder er fürchtet, dass jeden Moment etwas passieren könnte. 

Jeder kann leicht verstehen, dass Fressen und Spielen dann nicht möglich ist. 

Denn warum sonst sollte ein gesunder Hund nicht fressen? Beim Spielen kann es sein, dass dein Hund ein Typ ist, der gar nicht spielt, so wie viele Straßenhunde. Manche können es lernen, andere möchten es einfach nicht. 

Das ist in Ordnung.

Fressen ist dagegen lebensnotwendig. Ein Hund, der nicht frisst, stirbt. Dein Hund frisst also, zumindest im Haus. Warum er es draußen nicht kann, liegt wie soeben beschrieben an seinen Gefühlen.

Frage dich: Was ängstigt meinen Hund vielleicht?  Gibt es diverse Auslöser, die meinem Hund Angst bereiten? (Fremde Hunde, Menschen, Geräusche, Bewegungen, Autos, neue Umgebungen….?)

Oder hat mein Hund am Ende Angst vor mir, seiner Bezugsperson? 

Hat dein Hund Angst vor dir?

Wenn du nicht mit Belohnungen trainieren möchtest, wird dir nichts anderes übrig bleiben, als mit Strafe zu trainieren. 

Das heißt, du wirst eine drohende Körpersprache nutzen, deine Stimme einsetzen um zu drohen und zu schimpfen, deinen Hund womöglich zwicken, treten, erschrecken mit Klapperdose, Trainingsdiscs, Wasserspritze oder anderen Dingen, ihn im Nacken packen und schlimmstenfalls sogar schütteln, ihn an der Leine rucken, oder was auch immer. (Das waren jetzt natürlich einfach die Dinge, mit denen ich tagtäglich konfrontiert werde, wenn mir Kunden erzählen, was sie bisher versucht haben, um unerwünschtes Verhalten abzustellen.) 

Wenn du jetzt sagst, das alles benutzt du nicht, dann kommt bei mir die Frage auf, was genau du dann tust. Wir haben zunächst zwei Möglichkeiten, nämlich Verstärkung oder Strafe. Da jede Lösung zwei Unterlösungen beinhaltet, sind es insgesamt 4 Möglichkeiten bei den Konsequenzen.

Hier kannst du mehr darüber lesen: „Was du unbedingt wissen musst über Belohnungen und Strafe“

Die Positive Verstärkung ist nicht die Methode, wie man sich zum Affen macht, nur damit einen der Hund wahrnimmt. Ganz und gar nicht. 

Mit Positiver Verstärkung macht sich keiner zum Affen!

Positive Verstärkung ist ein System, das in der Natur tausendfach vorkommt, ganz ohne unser Zutun. Dein Hund erlebt jeden Tag Verstärker und Strafen, egal wie du mit ihm umgehst. Und er lernt damit. Die Verhalten, die dein Hund zeigt, werden irgendwie belohnt. Von innen oder von außen. Hunde lernen genauso wie Menschen über Belohnungen und Strafen. Das ist ein Fakt, den wir nicht verändern können.

Das Einzige, was wir entscheiden können, ist unser Umgang mit dem Hund.

Was möchtest du von deinem Hund? Warum hast du dir einen Hund geholt? Weil du endlich das Sagen über ein Individuum haben möchtest? Weil du endlich ein Wesen auf die unterste Stufe deiner eigenen, ausgedachten Hierarchie setzen möchtest? Ein Wesen haben willst, dass unter dir steht und das du befehligen kannst, wie es dir passt? Brauchst du ihn, um deinen Frust abzulassen? Ich glaube nicht.

Oder weil du einen tierischen Freund suchtest, ein Gegenüber einer anderen Art, mit dem du Zwiesprache halten kannst, der dich unterstützt in deiner Weiterentwicklung, den du unterstützt im Lernen und im ganzen Leben? Einen Kumpel, der mit dir durch Dick und Dünn geht? Ein Tier, dass dir das Herz erwärmt und dir Freude macht? Mit dem du Spaß haben kannst, und eintauchen kannst in eine neue Welt, nämlich die des Hundes? 

Positive Verstärkung ist eine Entscheidung.

Wer sich dafür entscheidet, entscheidet für den Hund. Denn dabei wird nicht gegen das unerwünschte Verhalten angegangen, sondern das gute Verhalten verstärkt, so dass das unerwünschte Verhalten keinen  Platz mehr hat. Wir arbeiten nicht am Hund, sondern an seinem Verhalten. 

Dabei missbrauchen wir nicht das Vertrauen des Hundes, indem wir selbst zu einem Unsicherheitsfaktor werden, und ihn aus dem Blauen heraus bestrafen. Der Hund versteht nur selten, warum er bestraft wird, denn meistens kommt unsere Strafe nicht im richtigen Timing und sein Verhalten ist für ihn so natürlich, dass er dieses Verhalten gar nicht in Betracht zieht, für die Bestrafung in Frage zu kommen. 

Hunde verhalten sich wie Hunde. Und wir Menschen wollen sehr viel sehr Unhundliches von unseren Hunden. Das ist in Ordnung, aber es verlangt geradezu nach einer fairen und gewaltfreien Umsetzung. Vielleicht suchst du sie, und sehnst dich nach einer Lösung ohne Futter, aber eben auch ohne Gewalt. Die gibt es. Zu sagen „Mein Hund nimmt kein Futter“ ist eine Ausrede.

Positive Verstärkung heißt längst nicht nur, dass wir mit Leckerchen um uns werfen. Niemand der es Ernst nimmt, stopft seinen Hund unüberlegt mit Leckerchen voll, und nennt es positive Verstärkung. 

Außer mit Spielzeug und Futter kannst du mit allen Sachen arbeiten, die deinem Hund am Herzen liegen. 

Liebt er es, wenn du ihn freundlich ansprichst und lobst? Nutze es!

Mag er gerne gestreichelt werden, und wenn du sanft sprichst mit ihm? Nutze es!

Schwimmt er gerne? Nutze es!

Trägt er gerne einen Ast? Überrasche ihn mit einem Pracht-Ast zur Belohnung!

Schnüffelt er gerne? Baue ein Signal dafür auf und nutze das Schnüffeln als Belohnung!

Buddelt er gerne und darf das auch? Baue ein Signal dafür auf und nutze das Buddeln als Belohnung!

Es gibt keine Grenzen. Es gibt nur dich und deinen Hund, und was euch gefällt, dürft ihr nutzen. Ich verspreche dir, dass die positive Verstärkung äußerst wirksam ist, ich finde sie am wirksamsten von allen 4 Möglichkeiten. Hunde lieben es, so zu lernen. Dein Hund wird dir tiefes Vertrauen entgegenbringen, und dir schon deshalb mehr Aufmerksamkeit schenken, weil du nicht mehr der ständige Spielverderber bist, sondern die Quelle aller guten Dinge. 

Sei die Quelle aller guten Dinge!

Positive Verstärkung kann noch viel mehr. Sie öffnet Herzen, und wirkt auf allen Ebenen deines Lebens. Du wirst fröhlicher und positiver, freundlicher und gelassener, verständnisvoller, geduldiger und großzügiger. Das sage ich, weil ich es so erlebe. Und zwar bei mir selbst, und meinen Kund_innen.

Es ist einfach so entlastend, nicht mehr nörgelnd und schimpfend hinter all dem unerwünschten Verhalten des Hundes her zu rennen, sondern statt dessen einfach mit viel Freude und Spaß gutes Verhalten aufzubauen. Du musst gar kein starker Alpha sein, du darfst so sein wie du bist. Alles ist gut. 

Ich vermute, dass ich dich nicht überzeugen kann von meinem Anliegen. Das ist auch nicht schlimm. Aber vielleicht kann es dein Hund? Gehe mal in dich. Glaubst du, es geht ihm gut? Was kannst du für ihn tun? Was du jetzt für deinen Hund tust, in ihn investierst an Liebe, das bekommst du tausendfach zurück. 

Herzliche Grüße und alles Gute

Bettina

P.S.: Ich erlaube mir, diesen Text mit deiner E-Mail zu verwenden, um noch weitere Menschen mit einer ähnlichen Auffassung zu erreichen. Natürlich ohne deinen Namen zu erwähnen. Ich tue es mit Hochachtung dir gegenüber, ich hoffe, das spürst du.

Danke! ❤“

 

_________

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Über die Autorin Bettina Haas

Bettina Haas, Hundetrainerin aus Leidenschaft, zeigt dir, wie du zum besten Freund und Trainer für deinen Hund wirst. Damit du schnell und nachhaltig zum Erfolg kommst und dein Leben mit Hund (wieder) richtig genießen kannst!

3 Antworten

  1. Hallo liebe Bettina!
    Ich bin durch Zufall auf deine Seite gestoßen und finde deine Beiträge sehr interessant.
    Ich bin auch deiner Meinung, dass man einen Hund nicht Strafen soll.Es sind Lebewesen und haben auch eine Seele.
    Ich habe meine kleine Pele eine Bolonka Zwetna seit nun 14 Tagen. Sie ist 7 Jahre,ich habe sie von einer Züchterin, die schweren Herzens Ihre Zucht immer mal verkleinern muß.
    Für die 14 Tage hat sie sich schon sehr gut bei mir eingelebt und zu mir schon Vertrauen gefasst.
    Es gibt 3 Sachen die wir noch lernen müssen. Zum 1. Das Alleine bleiben. Ich bin zwar Rentnerin, aber man muß ja mal Einkäufe erledigen,Arztbesuche u.s.w.
    Beim Autofahren fängt sie auch an in ihrer Box zu hecheln.Oder Fahrrad fahren im Körbchen sitzen.
    Ansonsten läuft schon alles ganz super.wohlgemerkt sie ist erst fast 14 Tage bei mir.wie lange braucht ein erwachsener bolonka zwetna um im neuen Heim richtig anzukommen.
    Für eine Antwort wäre ich sehr dankbar.
    Liebe Grüße Edeltraut Schirrmeister

    1. Hallo liebe Edeltraut,

      wie schön, dass Pele ein neues Zuhause bei dir gefunden hat. Es ist sicher eine ziemliche Umstellung für eine Zuchthündin, ihr gesamtes soziales Umfeld verlassen zu müssen. Daher wird es ganz sicher längere Zeit in Anspruch nehmen, bis sich Pele richtig umgewöhnt hat und ihre Hundefamilie nicht mehr vermisst.
      Oft sieht es so aus, als gewöhnen sich die Hunde eigentlich schnell ein. Sie jammern nicht, stehen nicht am Fenster und schauen sehnsüchtig nach ihrem alten Zuhause – das alles sollte uns aber nicht täuschen, denn die Umstellung ist für jeden Hund eine riesige Herausforderung.
      Es wäre super, wenn sie die ersten Wochen noch gar nicht alleine bleiben müsste, sondern vielleicht in einer Tasche überall dabei sein könnte – vorausgesetzt, dass sie das kennt. Wenn nicht, könnte sie das lernen, oder aber auch in kleinen Schritten lernen, alleine zu bleiben. Es ist aber wichtig, dass sie nicht einfach alleine gelassen wird, wenn sie noch große Angst hat dabei. Denn diese Angst verschwindet nicht einfach so, sondern nur durch gutes Training.
      Das gleiche gilt für Autofahren und im Fahrradkorb fahren. Beides müsste ganz kleinschrittig geübt werden.
      Beispiel: Nur in den Fahrradkorb setzen, Leckerli geben, wieder auf den Boden setzen. 2-5 Mal wiederholen, dann Pause. Am nächsten Tag erneut, nun ein paar Sekunden länger. Am dritten Tag einen Meter schieben. Und so weiter. Ganz kleine Schritte machen, so dass sich Pele immer wohl fühlt.
      Wenn sie sich wohl fühlt mit der neuen Situation, kann sie sich daran gewöhnen. Wenn sie Angst hat, kann keine Gewöhnung mehr stattfinden.
      Gib ihr am besten erst mal ein wenig Zeit, ihre neue Umgebung kennen zu lernen: Die Wohnung, die direkte Umgebung, ohne große Spaziergänge. Lieber weniger machen als zu viel. Das ist ein wichtiger Tipp!

      Wenn du mehr wissen möchtest, biete ich auch online Training an, und kann die Schritte genau auf euch anpassen.
      Ich wünsche dir eine wunderschöne Zeit mit Pele, und dass sie sich mit den kleinen Schritten an alle Besonderheiten ihrer neuen Welt gewöhnt.
      Alles Gute und herzliche Grüße
      Bettina

  2. HALLO BETTINA,
    BIN DURCH STÖBERN IM INTERNET AUF DEINE SEITE GESTOßEN UND FINDE DEINE EINSTELLUNG SEHR GUT UND BIN GANZ DEINER MEINUNG ! DEINE INFOS UND ERFAHRUNGEN SIND GUT BESCHRIEBEN
    UND MAN LERNT NIE AUS !
    HABE MEINEN ARIS AUS DER TÖTUNG IN SPANIEN VOR GUT EINEM JAHR
    ADOPTIERT ! ER IST EIN SCHATZ MIT EINIGEN BAUSTELLEN UND ER IST EIN ANGST HUND . DAZU BERICHTE ICH DIR
    DEMNÄCHST MEHR ! VIELLEICHT KANNST DU MIR DANN EINEN RAT GEBEN, WIE ICH IHM DIE ANGST SCHRITT FÜR SCHRITT NEHMEN KANN . BESUCH UND ANSPRINGEN VON BEKANNTEN HUNDELEUTEN IST LEIDER AUCH NOCH EIN THEMA !
    WÜNSCHE EUCH EIN SCHÖNES WOCHENENDE !

    VIELE GRÜßE CLAUDIA UND ARIS

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