Aufzucht von Welpen / Teil 1

Die ersten Wochen im Leben eines Hundes sind so wichtig für das gesamte Hundeleben, dass es Sinn macht, darauf sein Augenmerk zu lenken. Warum ist das so? Und was genau sollte der Züchter tun, damit die Welpen optimal vorbereitet sind für die Abgabe? Und was genau hat das mit dir zu tun, wenn du dir einen Welpen aussuchen möchtest? Um das zu verstehen, schauen wir uns die einzelnen Phasen des Heranwachsens einmal an, und welche Dinge wann genau besonders wichtig sind.

Warum eine gute Aufzucht von Welpen wichtig ist

Vorgeburtliche Phase

Im Grunde beginnt neues Leben bekannterweise mit der Befruchtung der Eizelle. Wir haben in der Schule gelernt, wie sich die Zellen teilen, und ein neues Lebewesen im Mutterlaib entsteht.

Bei Hunden dauert dies zwischen ca.  58 und 64 Tagen.

Dann wirft die Hündin ihre Jungen, und es werden blinde und taube Welpen geboren.

Bereits die Tragzeit ist eine wichtige Phase für die Welpen. Denn je nach den Erlebnissen und Gefühlen der  Mutter werden auch die Welpen beeinflusst.

Milder Stress der Mutterhündin führt zu stress-und krankheitsresistenteren Welpen. Die Hündin sollte also nicht vollkommen verhätschelt und von allem ferngehalten werden.

Hat die tragende Hündin aber größeren Stress, wie zum Beispiel stärkere Ängste, auch wenn sie normalerweise nicht ängstlich ist, wird sich das mit hoher Wahrscheinlichkeit auf die Welpen auswirken.

Das liegt daran, dass bereits im Mutterleib die Nervensysteme der Welpen entstehen. Das Nervensystem wird gesteuert von einer Vielzahl chemischer Botenstoffe, sogenannte Neurotransmitter. Diese werden an den Nervenenden ausgeschüttet, und übertragen den elektrischen Impuls auf den nächsten Nerv, oder auch auf einen Muskel, je nachdem, wo der Nerv endet. Dieses hochkomplexe System wird in den kleinen Welpen bereits ausgebildet während der Tragzeit. Ausreifen wird es allerdings erst viel später.

Es ist wenig verwunderlich, dass das Nervensystem der Mutter dabei eine Rolle spielt, denn in ihrem Blutkreislauf befinden sich ebenso viele Botenstoffe, die eine enge Verbindung mit dem Nervensystem haben. Somit bekommen die Welpen über den Blutkreislauf der Mutter einige Informationen über das Er-Leben der Mutter. Findet in ihrem Körper eine Stressreaktion statt, werden auch die Welpen davon „infiziert“ und ihr Nervensystem wird empfindsam auf diese Stressoren. 

Daraus resultiert, dass eine gestresste Mutterhündin stressempfindlichere Welpen zur Welt bringt als eine relaxte Mutterhündin. Diese Stressempfindlichkeit beeinflusst unmittelbar das spätere Verhalten der Welpen.

Aber wie schon anfangs erwähnt, tut leichter Stress eher gut, und führt zu stressresistenten Welpen. Das ist auch logisch, denn wenn die Mutterhündin eine Situation zwar anregend empfindet, aber nicht als bedrohlich erlebt, führt das zu völlig anderen Reaktionen im Nervensystem als eine beängstigende Situation oder chronischer, belastender Stress. „Leichter Stress“ bedeutet also nicht, dass die Hündin ruhig mal verängstigt sein darf, sondern dass sie eine gewisse Menge an freudigem Stress durchaus verträgt.

Wichtig zu wissen:

Bereits im Mutterleib passieren wichtige Dinge, und die Mutterhündin sollte keinem starken Stress ausgesetzt, aber auch nicht in Watte gepackt werden. Das führt zu den entspanntesten Welpen.

Neugeborenenphase

Die Neugeborenenphase dauert von der Geburt bis etwa zum 11. Lebenstag.

In der Neugeborenenphase verändert sich noch gar nicht so viel. Die Welpen sind voll auf die Mutter angewiesen. Die Beine tragen sie noch nicht, weil das Nervensystem noch nicht voll ausgebildet ist. Die Vorderbeine können rudernde Bewegungen ausführen, und die Welpen robben so auf dem Bauch. Sie können Geschmack und Gerüche wahrnehmen, ab dem 8. Lebenstag ist der Geruchsinn ausgebildet. Sie können die Temperatur fühlen, und tasten, ob sie alleine liegen oder bei Geschwistern oder der Mutter. Außerdem haben sie schon ein gewisses Gleichgewichtsgefühl. Aber die Augen und die Gehörgänge sind noch geschlossen.

Die Welpen machen sich bald nach der Geburt auf die Suche nach der mütterlichen Milchbar. Die erste Milch, die sogenannte Kolostralmilch, enthält besonders viele mütterliche Antikörper, so dass die Welpen sofort eine Art Gesundheitscocktail bekommen.

Schon dieses erste Suchen und der Erfolg des Findens, das Empfinden der Wärme und Geborgenheit sind wichtige Erfahrungen der Neugeborenen. Man sollte sie bitte normalerweise nicht an die Zitzen legen, sondern sie wirklich selbst suchen und finden lassen. Jeder einzelne Schritt ist von der Natur her wichtig für die gesamte Entwicklung. Nur wenn es sehr viele Welpen sind, und einer oder mehrere immer zu kurz kommen, muss gegebenenfalls eingegriffen werden.

Die Mutter sorgt für Nahrung und Wärme, und sie stimuliert die Verdauung, indem sie reflexartig die Bäuchlein leckt und dadurch massiert. Alleine könnten die Welpen die Verdauung und Ausscheidung noch nicht steuern.

Die Aktivitäten der Welpen beschränken sich auf Schlafen, Trinken an der Michbar, und wenn nötig, die Suche nach Wärme oder – beim Einsatz einer Infrarotlampe – vielleicht auch mal nach einem nicht so warmen Ort.

Es ist in jedem Fall sinnvoll, nicht die gesamte Wurfbox gleichmäßig warm zu bestrahlen, damit die Welpen diese Möglichkeiten der Wahl haben.

Genau diese Dinge sind es, die mit „mildem Stress“ beschrieben werden können. Wenn die Welpen erleben können, dass sie selbst durch ihr Verhalten eine angenehme Situation erschaffen können, haben sie etwas Wichtiges gelernt. Wer sich von Kühle zu Wärme bewegt, hat gewonnen und fühlt sich auch so. Wer Hunger hat und die Zitze findet, hat gewonnen und fühlt sich herrlich. Sie lernen, dass es sich lohnt, sich auf den Weg zu machen.

Weiterer milder Stress kann dadurch entstehen, dass die Welpen durch den Züchter öfter in die Hand genommen werden. Das geschieht meistens schon durch das tägliche Wiegen. Welpen können auch mal in der warmen Hand einschlafen, und einfach eine Weile dort warm und geborgen liegen. Ab Tag 8 ist der Geruchsinn entwickelt, und der wird gleich angeregt durch den Menschengeruch. Zusätzlich wird der Gleichgewichtssinn gefördert.

Wenn ein Züchter bei einem Wurf mit zum Beispiel 8 Welpen täglich solche Übungen durchführt, pro Welpe ca. 5 Minuten Gesamtzeit über mehrere Male am Tag verteilt, dann ist er schon fast eine Stunde am Tag beschäftigt. Diese Zeit zahlt sich aus, und macht einen gravierenden Unterschied zwischen einem guten und einem schlechten Start für die Welpen. 

Wichtig zu wissen:

Seh-und Hörsinn sind noch nicht ausgebildet, die Welpen sind daher noch geschützt vor negativen Umweltreizen. Durch sinnvolle Übungen kann der Züchter jetzt schon die Entwicklung der Sinne fördern.

Übertriebene Förderprogramme können ebenso schädlich sein wie übermäßige Fürsorge (Rotlichtlampe, anlegen an die Zitze). Während das eine zu viel Stress bedeutet, nimmt das andere den Welpen die Chance, mit Stressoren umgehen zu lernen. Der jeweilige Züchter kann also bereits in den ersten Wochen viel dazu beitragen, dass die Welpen optimal aufwachsen.

In der nächsten Phase passieren schon mehr Veränderungen. Was da genau vor sich geht, erfährst du im nächsten Blogbeitrag.