Hilfe, mein Hund ist nicht stubenrein!

Wissenswertes und Anleitungen rund ums Sauberkeitstraining für Welpen und erwachsene Hunde

So wird dein Welpe / Hund stubenrein

Das Training zur Stubenreinheit bei Welpen ist eigentlich ganz einfach… eigentlich, weil es eine große Aufmerksamkeit des Menschen voraussetzt. Je häufiger der Mensch dabei „ausnahmsweise“ einmal nicht aufgepasst hat, um so länger dauert es.

Einfach ist die Regel, wann man seinen Welpen nach draußen bringen soll:

  • nach dem Fressen
  • nach dem Schlafen
  • nach dem Spielen

Also mehr oder weniger „immer“.  Naja, zwischendurch schläft der Kleine ja auch mal etwas länger. Vorausgesetzt, der Mensch bleibt in seiner Nähe.

Mögliche Probleme

Glaubst du etwa, dein Hund kriegt das nicht mit, wenn du seinen Schlaf nutzt, um mal schnell duschen zu gehen oder den Müll rauszubringen? Na klar merkt der das. Er wird wach. Es ist „nach dem Schlafen“. Er muss mal. Und außerdem bist du nicht zu sehen, also könnte es sein, dass er auch noch etwas Stress bekommt. Ein kleines Kind würde jetzt schreien oder nach der „Mamaaaaaa!!!“ rufen. Ein Welpe jammert nicht unbedingt, wenn er sich alleine gelassen fühlt. Manche sind still, und dennoch beunruhigt. Und pinkeln schnell mal auf den Teppich.

Das wäre so eine ganz typische Situation, und der Mensch ist „schuld“, weil er nicht sehen konnte, dass sein kleiner Hund aufwacht. Der hat einmal mehr „geübt“, sich auf dem Teppich zu lösen.

Stress mit dem Alleine bleiben

Stress habe ich gerade schon angesprochen. Nicht wenige Hunde leiden wirklich, wenn der Mensch den Raum verlässt. Nicht einmal nur dann, wenn er die Wohnung verlässt, sondern auch, wenn er in ein anderes Stockwerk geht. Für den Menschen ist das nix Besonderes, er ist ja „da“, nur nicht zu sehen. Der Welpe hat keine Ahnung, wohin sein Mensch da verschwindet. Er kann nicht mit, weil eine Treppe oder ein Kindergitter dazwischen ist. Der Mensch hat keine besonderen Zeichen gemacht, so dass der Welpe auch nicht weiß, was los ist. Vielleicht hat der komische Zweibeiner ihn vergessen?

Egal ob dein Hund nur noch nicht gelernt hat, alleine zu bleiben, oder ob er bereits unter Trennungsstress leidet: Alleine bleiben ist für Welpen sehr ungewöhnlich, und erwachsene Hunde fühlen sich oft ebenfalls nicht so wohl wie gemeinsam mit ihrem Menschen. Und genau das kann auch bei erwachsenen Hunden dazu führen, dass sie sich im Haus entleeren.

Reaktion des Menschen, wenn „ES“ passiert ist

Je nach dem, wie der Mensch reagiert, wenn er das Malheur sieht, kann der Welpe die Situation verschieden interpretieren. Schimpft der Mensch beim Aufwischen, so könnte es sein, dass der Welpe in Zukunft versteckter seine Notdurft verrichtet: In einer Zimmerecke, hinter dem großen Blumentopf, in einem Nebenraum. Besonders wenn der Halter den Welpen in Flagranti erwischt und dann ordentlich schimpft, wird der Welpe lieber nicht mehr in Anwesenheit des Menschen seine Geschäfte machen. Auch draußen besser nicht…

Wie immer beim Training von gutem Verhalten sollte es sich lohnen für den jungen Hund, wenn er alles richtig macht. Damit er versteht, dass es super-duper-mega-toll ist, ein Bächlein oder Häufchen auf den Rasen zu setzen, gibt es leckere Futterstückchen und sehr freundliches Lob. Gerne kannst du dann auch mit deinem Welpen spielen.

Zur Anmerkung von Gartenbesitzern mit (Wunsch nach) schönem Rasen: Der Urin von Hunden macht gelbe Flecken in den Rasen. Wenn du einen Rüden hast, wird der eher am Zaun entlang pinkeln gehen, und dabei das Bein heben. Hündinnen finden den grünen, weichen Rasen Klasse, und hocken sich dort gerne hin. Dabei entstehen die gelben Ausfallstellen…

Darum bedenke, was du vom erwachsenen Hund möchtest, und trainiere genau da, wo er später auch seine Geschäfte erledigen darf.

Richtig putzen

Wenn dein Hund sich also mal im Haus gelöst hat, wische es ruhig und kommentarlos auf. Übrigens solltest du auf keinen Fall Essigreiniger benutzen, denn die regen zum Drüberpinkeln direkt an. Ideal ist dagegen ein Enzymreiniger. Du findest hier einige Produkte.

Erkenne die Zeichen

Jeder Hund zeigt auf seine Art, dass er mal raus muss. Manche gehen direkt zur Haustür. Andere drehen sich im Kreis, und würden dann an Ort und Stelle machen, wieder andere verlassen den Raum und gehen an einen ungestörten Ort. Viele Hunde schnüffeln am Boden, bevor sie sich lösen. Was genau dein Hund tut, um sich auf sein Geschäft vorzubereiten, kannst du nur beobachten. Und um in Zukunft rechtzeitig zu reagieren, musst du ganz schön aufpassen.

Wenn du merkst, dass sich dein Welpe dreht und dreht, oder auf dem Boden schnüffelt, als suche er etwas, nimmst du ihn sofort freundlich auf den Arm und bringst ihn an seine Lösestelle. Dort setzt du ihn ab, und wartest einfach in Ruhe, bis er sich lösen kann. Das kann schon mal ein paar Minuten dauern, denn draußen ist alles aufregend, manchmal auch beängstigend. Toll wäre es, wenn du schon ein wenig Entspannungstraining gemacht hast, und dein Entspannungswort sagen kannst. Denn entspannt fällt es deinem Hund viel leichter, am richtigen Ort zu tun, was du erwartest.

Kälte, Nässe und andere Stressoren

Viele Hunde mögen es überhaupt nicht, wenn es nass und kalt ist. Manch ein Welpe scheint es wirklich für eine Zumutung zu halten, bei DEM WETTER draußen zu sein. Sobald du unverrichteter Dinge wieder drinnen bist, kann er tun, was er draußen hätte machen sollen… und du darfst wieder aufwischen und dich zusammenreissen.

Vielleicht musst du es deinem Welpen einfach erst schmackhaft machen, im Regen nach draußen zu gehen. Du könntest kleine Wurststückchen mitnehmen, und für jeden Schritt ein Würfelchen nach vorne werfen. So hat er Ablenkung, freut sich hoffentlich und entspannt sich durch die Bewegung und das Suchen. Dabei kannst du ihn loben, wie tapfer er ist. Macht euch ein bisschen warm, spielt und rennt miteinander. Dann machst du ein Ende-Signal für das Ende der Spielsequenz, bleibst stehen, und wartest einfach ein wenig ab. Vielleicht hilft leichtes Streicheln, noch ein wenig mehr zu entspannen.

Und vergiss niemals, eine Party zu feiern, wenn dein kleiner Hund sein Geschäft gemacht hat. Hey, er ist der Held!

Die Sache mit dem Untergrund

Manchmal liegt es am Züchter, der entweder gar nichts gemacht hat, oder mit einem ungünstigen Untergrund geübt hat. Manche nehmen zum Beispiel einen alten Teppich, oder Handtücher als „richtige“ Lösestelle. Es gibt auch extra für Hunde Fliesmatten, die genau für diesen Zweck gedacht sind. Wenn der Hund im neuen Zuhause seine Matte nicht mehr hat, sucht er sich das Objekt, das dem am ähnlichsten ist: Den Teppich.

Andere Hunde sind Untergründe gewohnt, die du vielleicht draußen nicht bieten kannst, wie Rindenmulch oder Sägemehl.

Mein erster Welpe war Gras gewohnt, und  musste in der Stadt dann lange durchhalten, bis er irgendwo ein Grasbüschel fand….

Das ist sozusagen die hundliche Version vom „Nicht-mein-Klo-Syndrom“.

Körperliche Ursachen

Bei erwachsenen Hunden (aber natürlich genauso bei Welpen!) können auch körperliche Ursachen der Grund sein, warum sich der Hund im Haus löst. Blasenentzündung und andere Krankheiten können unbemerkt vorhanden sein. Es macht Sinn, einen Besuch beim Tierarzt zu planen, wenn du keinen vernünftigen Grund siehst, warum dein Hund noch reinmacht. Wenn dein Tierarzt sagt, es sei alles in Ordnung, du aber überzeugt bist, dass ein dickes Problem vorliegen muss, wende dich doch mal an einen guten Verhaltenstierarzt. Manchmal denken diese auf Verhalten spezialisierten Tierärzte weiter als „normale“ Tierärzte, und suchen gezielt nach Schmerzen oder anderen Gründen für das anhaltende Problem.

Was es ganz klar NICHT ist

Es ist auf keinen Fall „Protestpinkeln“, wenn dein Hund ins Haus pinkelt.

Es ist auf keinen Fall „Kacken um das Herrle zu ärgern“, wenn dein Hund in die Hausschuhe des Hausherrn seine Häufchen setzt.

Es ist auf keinen Fall Dominanzgebaren, wenn ein Hund ins Haus / Bett / sonst wo hin macht.

Es ist keine böse Absicht.

Wenn dein Hund ein „schuldbewusstes Gesicht“ macht, liegt es eher daran, dass er mit deinem Erscheinen eine schlechte Erfahrung verknüpft. Das braucht gar keine Strafe in deinem Sinn zu sein. Es genügt häufig, wenn du „Ach du Scheiße, muss das sein?“ jammerst, sobald du ins Haus kommst.

Klar, du bist müde, und möchtest deinen verdienten Feierabend genießen. Und darfst statt dessen erst mal putzen… das ist hart.

Mit Verständnis zum Erfolg

Ich glaube aber, dass es deinen Hund auch hart trifft. Denn überleg mal. Stell dir vor, du wärst auf andere angewiesen, die mit dir wo hingehen, wo du machen kannst, was du musst. Du musst, und du wartest. Du verdrückst es. Dann kommt der Retter, aber du hast es gut verdrückt. JETZT sollst du aber können. Geht nicht. Viel zu angespannt. Zu kalt. Zu aufregend. Zu dunkel. Zu viele Leute. Wieder daheim, schön warm, vertraut, alles gut. JETZT geht es.

Ich interpretiere hier natürlich wild herum, das ist klar. Ich will auch nie behaupten, dass ich weiß, was Hunde denken. Aber wenn du dir das einfach mal so oder so ähnlich vorstellst, hast du mehr Geduld und Verständnis für deinen Hund. Besonders wenn er noch ein Welpe ist. Genau wie bei Menschenkindern dauert es unterschiedlich lange, bis ein Welpe überhaupt die Fähigkeit hat, die Schließmuskeln zu kontrollieren. Geduld ist also unbedingt nötig.

Wenn du weißt, dass dein Hund dich nicht ärgert mit seinem Verhalten, kannst du viel gelassener reagieren. Du kannst nachdenken, wie du es schaffen kannst, dass er einen passenden Ort nutzt.

Denke bei den Überlegungen auf jeden Fall auch an Trennungsstress, unter dem sehr viel mehr Hunde leiden als ihre Halter oft glauben. Nicht jeder Hund mit Trennungsstress zerstört Kissen und Sofas, manche machen gar nichts und manche – genau. Trennungsstress kann erfolgreich bearbeitet werden.

Das Begrüßungspipi kann auch unter diese Rubrik fallen: Du kommst nach Hause, und dein Hund freut sich so dermaßen, dass er während der Begrüßung Pipi macht…

Und wenn du nichts findest, untersuche mal deinen Tagesablauf. Stress kann auch auftreten durch ein Zuviel an Spaziergängen oder Beschäftigungen, aber genauso durch zu wenig davon. Oder es gibt Dinge, die deinen Hund ängstigen, und dadurch Stress verursachen.

Eine gute TrainerIn kann dir bei der Suche behilflich sein und hat Ideen, mit welchen Maßnahmen dein Hund lernt, dass seine Lösestelle nicht in der Wohnung liegt.

Ich wünsche dir ganz viel Erfolg!