Welpenkauf

„Wir wollen einen Welpen!“

Wenn dieser Entschluss gefallen ist, geht die Suche los. Wo findet man „seinen“ Welpen?

Es gibt ja viele Quellen, aus denen man Welpen bekommen kann. Wir wollen uns diese Quellen einmal näher betrachten. Ich gehe einfach mal Alphabetisch durch.

Du erfährst alles über den Welpenkauf.

 

Welpenkauf muss gut überlegt sein

Bekanntenkreis

Charly hatte ich damals aus dem Bekanntenkreis bekommen. Er stammte aus einem Zufallswurf auf einem Bauernhof, von einer Mix-Hündin und einem Mix-Rüden.

Charly war also ein Mix aus mehreren Rassen. Es heißt manchmal, diese Mischlinge seien „gesünder“ als Rassehunde, was ich so pauschal nicht bestätigen mag. Aber Charly glänzte jedenfalls mit Gesundheit.

Ob so ein Hund eine gute oder schlechte Wahl ist, hängt (wie ich heute weiß) viel mit der Aufzucht zusammen. Die wichtigsten Regeln für eine gute Aufzucht und Sozialisierung sollten beachtet werden, das betrifft jede Herkunft.

Wenn das der Fall ist, kann die Wahl eines solchen Welpen durchaus eine gute Entscheidung sein.

Im Fall von Charly war es eher der Zufall als das Wissen der „Züchter“, der dem jungen Hund eine gute Umwelt gebracht hat, in der er sich ziemlich gut an viele Dinge gewöhnen konnte. Allerdings haben sich hauptsächlich die Kinder um die Welpen gekümmert, was zur Folge hatte, dass Charly jahrelang auf der Straße fremden Kindern nachweinte.

Die Elterntiere zu kennen macht auch Sinn, denn immerhin wird der Welpe ein Produkt aus beiden sein. Dennoch sind sich die Welpen in einem Wurf oft so unähnlich, dass man es kaum glauben mag – und nicht jeder Welpe in einem Zufallswurf zeigt die Wesenszüge der Eltern oder eines Elternteils. 

Kleinanzeigen

„Süße Welpen abzugeben“. „Private Zucht – wunderschöne XY-Welpen nur in gute Hände abzugeben“.

So oder so ähnlich liest es sich, wenn man die Kleinanzeigen auf Hunde durchsucht. Alle Welpen sind süß. Aber wie schon erwähnt, es kommt auf mehr an, als nur süß zu sein.

Du willst einen gesunden Welpen, der die ersten Phasen der Sozialisation durchlaufen konnte, und altersgemäß gefördert und vorbereitet wurde. Und du möchtest einen Hund, der von seinem Wesen dem entspricht, was du dir vorstellst. 

Welpen, die in einem Mehrfamilienhaus in einem Zimmer gehalten wurden, noch nie draußen waren, und außer der Wohnung nichts kennen lernen konnten, sind nicht optimal auf die Welt vorbereitet, die sie im neuen Zuhause erwartet.

Andererseits muss man nicht annehmen, dass dies immer der Fall ist, es könnte auch sein, dass die Welpen ein optimales Umfeld für ihre Entwicklung hatten.

Bei Kleinanzeigen kann man sehr leicht auf Betrug hereinfallen. Da werden im Ausland Welpen in unerträglichen Zuständen produziert, viel zu früh der Mutter entrissen und nach Deutschland gekarrt, um dort als „8 Wochen alt“ verkauft zu werden. Oft sind diese Welpen krank, nicht geimpft, und haben natürlich den Stress der Mutter mit der Muttermilch aufgesogen, mit der anstrengenden Fahrt zu kämpfen, oft ohne Futter und Wasser…und haben selbstverständlich null Sozialisation und sonstige Förderung erhalten.

Wie schon gesagt, KANN. Nicht MUSS.

Ich warne ausdrücklich davor, vor Ort dann aus Mitleid den „armen Welpen“ zu „retten“. Klar wäre es gut für den Welpen, wenn er endlich in verantwortungsbewusste Hände käme. Aber du musst wissen, dass du vermutlich nie deinen Traumhund aus diesem kleinen Kerl machen kannst, weil in der wichtigsten Phase für den Welpen einfach alles schief gelaufen ist.

Gute Züchter müssen eigentlich keine Kleinanzeige aufgeben, denn sie haben immer Abnehmer für ihre Welpen. Zufallswürfe und echte Privatleute, die gerne selbst einen Welpen von ihrer Hündin haben möchten, kann es geben, und je nach Wissen und Gewissen dieser Menschen kann es gut gehen oder auch nicht, so einen Welpen bei sich aufzunehmen. Bei einem Zufallswurf ist das Wesen des Hundes aber auch Zufall, und nicht wie bei versierten Züchtern, gezielt erarbeitet. Das sollte man wissen.

Mein persönlicher Tipp: Ich rate von Kleinanzeigen eher ab.

Auf keinen Fall kaufen solltest du, wenn der Kauf auf einem Parkplatz stattfinden soll!

Tierheim

Auch im Tierheim findet man immer wieder Welpen, wenn die Mutterhündin trächtig ins Tierheim gekommen ist, aus welchem Grund auch immer.

Hier gilt ebenfalls, dass man genau hinschauen muss. Tierheim ist nicht gleich Tierheim… Es gibt Tierheime, die auf dem neuesten Stand des Wissens sind, und sich sehr einsetzen, damit es allen Tieren gut geht, und sie machen bei Welpen ihren Job ganz besonders gut. Und es gibt Tierheime, die machen mit den Welpen gar nichts.

Welpen, die in den wichtigsten Wochen ihres Lebens nur im Zwinger des Tierheims sitzen, sind nicht vorbereitet auf das Leben „da draußen“.

Außerdem sollte man bedenken, dass die Mutterhündin mit großer Wahrscheinlichkeit schon zuvor kein schönes Leben hatte, denn Menschen, die ihre Hündin ins Tierheim bringen, wenn sie trächtig ist, werden zuvor kaum besser mit ihr umgegangen sein, es sei denn, es liegt ein Krankheitsfall vor.

Wenn die Mutter Stress hat, wirkt sich das immer auf die Welpen aus. Denn die gesamten Körperfunktionen hängen eng zusammen. Stress löst eine ganze Reihe von Reaktionen im Körper der Mutterhündin aus, und die Welpen bekommen das selbstverständlich hautnah mit.

Oft haben diese Welpen Zeit ihres Lebens ein hohes Erregungsniveau, und kommen schlecht zur Ruhe. Sie reagieren selbst empfindlich auf Stress jeder Art, und sind häufig sehr reaktiv. Abgesehen davon sind oft auch diverse Krankheiten die Folge dieses Stresses.

Natürlich kann man als besonnener und fortgebildeter Hundehalter so einem Welpen ein Zuhause geben, und daran arbeiten, dass er sein Leben so gut es geht genießen kann. Du solltest nur wissen, dass du möglicherweise eine extra-Portion Arbeit hast, und besonders viel Geduld und Liebe hineinstecken wirst. Du wirst Rücksicht nehmen müssen, und kannst von deinem Hund nicht alles wie selbstverständlich erwarten.

Wer das weiß, und dazu am besten ein wirklich gut arbeitendes (nämlich positiv trainierendes) Tierheim und einen ebensolchen Trainer zur Unterstützung findet, der kann mit so einer Aufgabe glücklich und zufrieden werden mit seinem Hund.

Tierschutzorganisation (Ausland)

Das Gleiche gilt für Tierschutzorganisationen, die Tiere vornehmlich aus dem Ausland nach Deutschland importieren. Gerade bei Welpen muss man bedenken, wie es wohl für den Welpen war, aus seinem Umfeld herausgerissen zu werden, und die lange Reise bis zu dir zu machen. Es muss ein traumatisches Ereignis sein. Eine seriöse Tierschutzorganisation wird Welpen eher vor Ort vermitteln oder ihnen anderweitig dort ein neues Zuhause geben, als sie auf so eine Reise zu schicken.

Die wenigsten Hunde, die über Tierschutzorganisationen vermittelt werden, sind Welpen. Und das ist gut so. Allerdings gilt das selbe natürlich auch für den erwachsenen Hund, wenngleich diese eine gewisse Erfahrung im Leben gewonnen haben dürften. Das muss aber nicht immer eine gute Erfahrung sein, und kann daher eine zusätzliche Belastung darstellen.

Es ist in jedem Fall falsch, sich vorzustellen, dass der „gerettete Hund“ einem dankbar die Hand leckt und täglich fragt, wie er dir am besten behilflich sein kann.

Statt dessen bedürfen diese Hunde einer großen Portion Aufmerksamkeit, Zeit, Liebe, Geduld und nicht zuletzt Wissen, um mögliche Probleme zu beheben oder auszugleichen.

Man hört immer wieder Erzählungen von Hunden aus dem Ausland, die echte Traumhunde sind. Ja, das gibt es wirklich. Es gibt aber absolut keine Garantie dafür. Es ist eher wie ein Lottogewinn mit 6 Richtigen plus Superzahl.

Bedenken solltest du außerdem, dass auch Tierschutzorganisationen nicht alle seriös sind! Es gibt eine unschöne Anzahl von betrugsähnlichen / betrügerischen Zuständen im Zusammenhang mit solchen Organisationen.

Zudem kauft man häufig die „Katze im Sack“, denn der Hund wird manchmal erst eingeflogen, und kommt direkt zu dir, ohne dass du ihn zuvor kennen lernen konntest. Die Beschreibungen fallen viel zu häufig unter die Rubrik „Betrug“, und beschönigen das Verhalten und die Wesenszüge des Hundes, oder vor allem auch die Gesundheit.

Im Übrigen kann sich ein Hund in einer Hundegruppe im Shelter ganz und gar anders verhalten als später bei dir zu Hause.

Es heißt also, sich umfassend zu informieren über die Organisation, von der man einen Hund adoptieren möchte. Kritisch hinterfragen, in Ruhe überlegen. Nicht  einfach den süßen Hund auf dem Bild anklicken und nehmen.

Welpenkauf beim Züchter

Was ist eigentlich jetzt ein richtiger Züchter? Was macht der anderes als die Privatperson mit dem Zufallswurf?

Ein Zufallswurf passiert einfach. Da treffen sich zwei Hunde, und niemand überlegt sich, ob die Wesenszüge, die Gesundheit und weitere Dinge überhaupt für eine Verpaarung sprechen.

Ein „richtiger“ Züchter versucht, durch seine Zucht „wesensfeste“ und gesunde Hunde zu produzieren. Da er länger dabei ist und das Züchten als wichtiges Hobby oder Nebenerwerb betreibt, entwickelt er (hoffentlich) Wissen und Erfahrung, die ihm dabei helfen, das Gewünschte auch zu erreichen.

Ein guter Züchter ist bereit, mehr Zeit und Geld zu investieren, um die bestmögliche Aufzucht und Haltung seiner Hunde zu gewährleisten als ein normaler Hundehalter mit einem Zufallswurf. Es dauert ja nur 56 -68 Tage, dann sind die Welpen schon da. Es bleibt einem Hundehalter also auch kaum Zeit, sich ausreichend zu informieren.

Aber der Hauptunterschied ist, dass bei einer seriösen Zucht sehr auf Gesundheit geachtet wird. Es gibt bei Rassehunden eine große Anzahl an vererbbaren Krankheiten, und die Zucht sollte darauf achten, diese Krankheiten zu verhindern. Nicht immer passiert das ausreichend, und leider wirft das ein schlechtes Licht auf „die Züchter“. Zusätzlich weise ich hier nur kurz auf die Qualzuchten hin, die in einigen Rassen das „Normalbild“ abgeben, und die ich sehr kritisiere.

Pauschale Verurteilungen sind aber nicht sinnvoll, sondern wir müssen auf jede Zucht einzeln schauen, was gut läuft und was vielleicht weniger gut.

Der Züchter spielt, wie bereits mehrfach erwähnt, eine große Rolle bei der Entwicklung der Welpen.  Denn in der Zeit vor der gesetzlich vorgeschriebenen Abgabezeit (frühestens ab Woche 8) passieren die wichtigsten Dinge in der Entwicklung.

Woran erkennst du einen guten Züchter?

  • Der Preis des Welpen:
    • Gut aufgezogene Welpen haben ihren Preis. Werden Welpen zu Dumpingpreisen angeboten, deutet das auf eine unseriöse Zucht hin. Schließlich muss der Züchter einige Kosten decken, wie Tierarzt und Versorgung. Aber auch der Zeitaufwand ist nicht zu unterschätzen.
  • Das Alter:
    • Hier meine ich das Alter der Welpen, nicht das des Züchters. 🤪 Welpen dürfen erst im Alter von 8 Wochen von ihrer Mutter getrennt werden. Ist der Welpe jünger, solltest du ihn auf keinen Fall kaufen. Leider kann man das wahre Alter als Laie oft gar nicht einschätzen.
  • Mitglied in einem Verband
    • Seriöse Züchter sind häufig in einem Verband oder Verein. Auch Wettbewerbsauszeichnungen können (NICHT MÜSSEN!) ein Hinweis sein, dass es sich um einen seriösen Züchter handelt.
  • Die Mutterhündin
    • Der Welpe lebt bis zur Abgabe bei der Mutter, und du darfst die Mutter deines Welpen auch kennen lernen.
  • Wissen und Fragen des Züchters
    • Der Züchter kann dir umfassende Antworten auf alle Fragen geben. Er weiß über die Rasseeigenschaften und Wesenszüge seiner Hunde genau Bescheid und kennt und nennt auch die negativen Seite der Rasse. Er spricht auch über die Entwicklung der Welpen, und wie er die Übergabe vorbereitet. Ein seriöser Züchter wird auch dir Fragen stellen, denn er will sicher gehen, dass seine Welpen in ein gutes Zuhause kommen.
    • Geheimtipp: Viele Züchter haben eine Infrarotlampe, um die Welpen zu wärmen in der Wurfbox. Das ist eine gute Sache. Allerdings sollten die Welpen die Möglichkeit bekommen, die Wärmequelle aufzusuchen, wenn sie sie brauchen, und sie zu verlassen, wenn es ihnen zu warm wird. Wenn es kein Entkommen gibt aus der Wärme, ist das für die Welpen weniger gut. Das gezielte Aufsuchen einer angenehmen Umgebung ist eine wichtige Lerneinheit.
  • Offenheit
    • Du darfst die Welpen vor der Abgabe öfter besuchen, die Mutterhündin richtig kennen lernen, und du siehst alles, wo der Welpe aufwächst.
    • Die Mutterhündin sollte freundlich sein und natürlich in guter Verfassung, und sich ausgeglichen zeigen.
  • Papiere
    • Der Welpe bekommt bei der Abgabe seine Papiere, ohne dass du dafür einen Aufpreis bezahlen musst. Die Papiere gehören zum Welpen dazu. Impfungen und Chip
    • Der Welpe hat alle nötigen Impfungen erhalten und ist gechipt. Der Impfpass enthält die richtige Adresse des Züchters.
  • Mehr als zwei Rassen
    • Bietet der Züchter mehr als zwei Rassen an, solltest du skeptisch sein.
  • Züchter stellt keine Fragen
    • Stellt dir der Züchter gar keine Fragen? So sehr dir das schmeicheln mag, sei bitte auch hier skeptisch. Warum interessiert es ihn nicht, wo seine Welpen landen? Frage ihn, was du dem Hund bieten solltest, wenn du ihn aufnimmst. Wenn Antworten kommen wie:“Och, die sind ganz pflegeleicht, die laufen überall mit und erziehen sich selbst“ bedanke dich freundlich und suche dir einen anderen, wirklich seriösen Züchter.

Betrug vermeiden beim Welpenkauf

Es liegt mir selbstverständlich vollkommen fern, die Züchter an sich in den Verdacht zu bringen, die Menschen betrügen zu wollen. Schwarze Schafe bzw. Menschen, die sich als etwas ausgeben, was sie nicht sind, gibt es aber immer und überall. Darum gilt es, wachsam zu sein.

Noch mal, zur Verdeutlichung, die Negativliste:

Wenn du nur die Welpen siehst, kann es keine seriöse Zucht sein!

Wenn alles schmuddelig ist, und die Welpen nicht gesund aussehen, kann es keine seriöse Zucht sein!

Wenn die Welpen noch sehr jung erscheinen, und die Mutter „gerade nicht da“ ist, kann es keine seriöse Zucht sein!

Wenn der Impfpass seltsam aussieht oder fehlt, oder nicht der blaue, europäische Impfpass ist, kann es keine seriöse Zucht sein!

Wenn die Welpen nur 100,-€ kosten, kann es keine seriöse Zucht sein!

Wenn außer einem einzigen Welpen kein Hund zu sehen ist, kann es keine seriöse Zucht sein!

Wenn du genötigt wirst, dich mit dem „Züchter“ auf einen Parkplatz zu treffen, um den Welpen zu sehen, damit du „nicht so eine lange Fahrt“ hast, kann es keine seriöse Zucht sein!

Damit möchte ich auf keinen Fall gute Züchter verunglimpfen, sondern im Gegenteil noch einmal verdeutlichen, was du auf keinen Fall tolerieren solltest.

Lasse dich nie auf die Mitleidmasche ein!

Welpen die „arm“ aussehen, sind meistens sehr krank und haben möglicherweise schwerwiegende Probleme mit ihrer Gesundheit und Entwicklung. Das alles wirkt sich auf Verhalten aus. Und du badest es aus, vielleicht sogar sehr lange. Es fällt schwer, die vernachlässigten und gequälten Welpen zu verlassen, ohne sie mitzunehmen. Du kannst das Veterinäramt einschalten, damit den Tätern vielleicht das Handwerk gelegt werden kann. Auch das ist nur ein Tropfen auf den heißen Stein, ich weiß. Aber den Tätern Geld geben, ist weitaus schlimmer, als den Welpen nicht retten.