Positive Verstärkung als Lebensphilosophie

Können wir vielleicht die positive Verstärkung als Lebensphilosophie nutzen? Schauen wir doch einfach mal…

In der positiven Verstärkung geht es um folgende wichtige Grundlagen dieser Trainingstechnik:

  • Den Hund mit anderen Augen anschauen, sein innerstes Wesen entdecken, Bedürfnisse & Vorlieben erkennen und befriedigen
  • Fokus auf sein gutes Verhalten setzen
  • Gutes Verhalten loben und belohnen
  • Freundliche Grundhaltung im Alltag, nicht dauernd nörgeln und schimpfen
  • unerwünschtes Verhalten nicht persönlich nehmen, sondern als Verhalten umtrainieren
  • Training als Handwerk verstehen
  • Geduld üben
  • Fortschritte sehen

Wenn du dies alles auf deinen Hund angewendet hast, probiere es doch mal mit dir selbst. Oder auch umgekehrt. Du kannst bei dir anfangen, und dann alles auf deinen Hund übertragen.

Vom Hundetraining fürs Leben lernen

Mir ist das Licht vor einigen Jahren schon aufgegangen, aber jetzt ist es hell erleuchtet. Ich habe in den letzten Monaten ein paar Riesenschritte nach vorne gemacht, weil ich die Dinge aus dem Hundetraining in mein Leben integriert habe.

Der erste große Schritt dazu war die Selbstliebe.

Sieh dich selbst mit anderen Augen

Wenn es dir so geht wie den meisten Menschen, dann nörgelst du den ganzen Tag an dir herum.

„Ich bin zu…“

Wir finden uns zu dick oder zu dünn. Zu unsportlich, zu dumm, zu unbegabt, zu langsam, zu hässlich, zu groß, zu klein, zu alt oder zu jung. Unsere Nase ist zu groß oder zu klein, zu schief oder zu gerade, hier stimmt was nicht und dort stimmt was nicht.

Deine Gedanken formen die Wirklichkeit.

Es ist am Anfang schwer zu begreifen, aber deine Gedanken formen die Wirklichkeit. Wenn du von dir denkst, dass du „zu …“ bist, wirst du genau dafür ganz viele Bestätigungen bekommen. Doof, oder?

Wenn du glaubst, dass du genau richtig bist, so wie du bist, wirst du ebenfalls ganz viele Bestätigungen dafür bekommen.

Du bist genau richtig, so wie du jetzt bist.

Ich bin genau richtig, so wie ich jetzt bin.

Lerne, dich anzunehmen. Liebe dich selbst. Akzeptiere dich voll und ganz, so wie du bist, mit Fehlern und Macken, mit Vorzügen und Talenten. Genau wie du es mit deinem Hund tust. Oder tun solltest. 

Lerne deine Bedürfnisse kennen

Genau wie du für deinen Hund Belohnungen gefunden hast, kannst du auch für dich deine eigenen Bedürfnisse finden. Als ich es tat, fand ich meine Badewanne wieder. Die stand einige Jahre verwaist herum, ohne groß benutzt zu werden, weil wir nur schnell geduscht haben. Auf der Suche nach meinen Bedürfnissen fand ich sie und nutze sie jetzt für regelmäßige Auszeiten vom Alltag.

Natürlich habe ich noch viel mehr Bedürfnisse gefunden, und auch du wirst viele in dir entdecken. Nimm dich ernst. Sei gut zu dir selbst. Achte auf dich und deinen Körper, du hast nur diesen einen, und du bist den ganzen Tag mit dir zusammen. Halte dich also bei guter Laune.

Beachte deine guten Seiten und Taten

Sei auch bei dir auf der Jagd nach gutem Verhalten und deinen guten Seiten. Du tust viel mehr, als du glaubst. Ich dachte an manchen Tagen, ich hätte nichts geschafft. Wenn ich mich dann mal hingesetzt habe und alles aufgeschrieben habe, was ich tatsächlich gemacht habe, war es aber meistens jede Menge!

Wenn du dich freust über die Dinge, die du schaffst, anstatt dich zu ärgern über die Dinge, die du nicht geschafft hast, entfachst du eine Kraft in dir.

Du hast auch nicht nur eine Seite, sondern bist Facettenreich wie ein geschliffener  Diamant. Es mag sein, dass noch nicht jede Seite glänzt und leuchtet, aber viele Seiten tun es ganz sicher. Schau auf diese Facetten deines Ichs und sei dafür dankbar und glücklich.

Belohne dich für kleine Erfolge

Denke auch daran, dich selbst immer wieder zu belohnen. Auch und gerade dann, wenn du keine Lust hast zu etwas, kannst du das nutzen. Habe kein schlechtes Gewissen dabei, sondern akzeptiere einfach, dass dein Gehirn so tickt. Bei deinem Hund tust du es ja auch.

Eine Belohnung muss ja nicht immer mit Alkohol, Rauchen oder Essen zu tun haben, auch wenn das in der Werbung manchmal so aussieht. Belohnen kann dich vieles, auch gesunde Dinge. Probiere es einfach aus. Vielleicht belohnst du dich für eine Arbeit mit einem schönen Spaziergang mit deinem Hund? Oder mit einer Kuschel- oder Spielrunde?

Oder aber genau das Gegenteil, vielleicht brauchst du mal eine Zeit ganz für dich alleine. Setze dich in ein Café, gehe alleine bummeln, oder lies ein Buch.

Sei freundlich zu dir selbst

Die freundliche Grundhaltung solltest du dir auch dir selbst gegenüber zu eigen machen. Denn es gibt nichts auszusetzen an dir. Du bist ganz und vollkommen.

Das hat nichts mit deiner Weiterentwicklung zu tun, die immer möglich ist. Wenn du dies liest, bist du offenbar bereit dazu, dich weiter zu entwickeln, zu lernen und zu wachsen. Das ist großartig und macht dich täglich besser als du zuvor je warst. Dennoch bist du gut so, wie du heute bist.

Nett sein zu sich selbst bedeutet nicht, dass man sich etwas vorlügen muss. Es ist einfach ein neues Denken, eine neue Geisteshaltung. Freundlichkeit öffnet Herzen. Auch bei dir selbst. Wenn dein Herz offen ist, kannst du besser lernen und auch leichter Liebe geben.

Training ist Handwerk – Selbsttraining auch

Hundetraining erfordert Wissen und Können, und das muss man üben. Da geht kein Weg drum herum. Aber jedes Ding von Wert kostet etwas, und auch das Training an dir und deiner Persönlichkeit benötigt Übung. Anfangs lehnte ich vieles ab, einfach weil es so anders war als alles, was ich bisher getan habe. Inzwischen verstehe ich vieles so viel besser, dass ich es mir bereits zu eigen gemacht habe.

Positives Denken bedeutet, dass du deine Gedanken beobachtest und für jeden negativen Gedanken, jeden Satz mit einer negativen Ausstrahlung, einen positiven formulierst. Anstatt zu denken: „Ich kann das nicht!“ kannst du denken: „Ich kann alles lernen, was ich wirklich will!“

Anstatt zu denken: „Ich bin zu alt!“ kannst du denken: „Ich bin genau im richtigen Alter!“

Das gilt natürlich auch für das Hundetraining. Denn das ist das, was du denkst, dass es ist. Heißt: So wie du über dein Training denkst, so geschieht es.

Denkst du also, dass es mit deinem Hund eh keinen Sinn macht, der versteht das nicht mehr, dann wird es so sein. Denkst du, dass du das nicht kannst, dann ist das so.

Denkst du aber, dass du deine Ziele mit Leichtigkeit und Freude erreichst, dann tritt auch das ein. Warum? Weil unser Unterbewusstsein eine riesige Rolle spielt. Es sorgt dafür, dass Dinge passieren, die wir mit unserem reinen Willen und Bewusstsein kaum schaffen könnten.

Geduld

Geduld ist seit jeher eine Tugend, und wird dennoch immer seltener geübt. Ich behaupte mal, dass ich mit meinen Kunden immer geduldig umgehe. Aber es gab dennoch diverse Situationen, in denen Geduld ein Fremdwort für mich war. Wie ungeduldig ich sein konnte, wenn Autofahrer in meinen Augen zu langsam fahren! Dabei tat ich mir selbst nichts Gutes. Denn natürlich verlangte ich auch von mir ständig Schnelligkeit und allezeit die richtige Reaktion.

Alles was wir denken, auch über andere, fällt auf uns zurück. Ich merkte, wie ungeduldig ich mit mir selbst war, und als ich das verstanden hatte, konnte ich die Ungeduld loslassen.

Ich möchte mit meinem Hund geduldig umgehen, und genau so auch mit mir selbst. Wenn ich zu mir selbst geduldig bin, kann ich es plötzlich auch gegenüber allen anderen Menschen (und Tieren) sein.

Fortschritte sehen

Früher habe ich mir keine Mühe gemacht, mir meine eigenen Fortschritte und Leistungen anzuschauen. Ich hielt es für Zeitverschwendung. Was habe ich schon Großes geleistet?

Nun, vielleicht nichts Großes für die Augen mancher. Das tut aber nichts zur Sache! Es geht um meine ganz persönlichen Fortschritte und Leistungen.

Schaue dir dein Leben genau an. Du hast ganz sicher auch schon Großes geleistet, etwas gelernt, etwas vollbracht. Du bist gewachsen. Vielleicht hast du Kinder geboren und großgezogen, oder ein Geschäft eröffnet, einen tollen Partner gefunden oder was auch immer.

Im Hundetraining ist es ebenso wichtig, die Fortschritte auch wahrzunehmen. Dafür empfehle ich gerne, ein Tagebuch zu führen, oder sich das alte Verhalten per Video festzuhalten, und immer mal wieder eine Video-Kontrolle durchzuführen. Vielleicht hat dein Hund noch nicht ganz aufgehört zu bellen, aber es klingt ganz anders? Vielleicht zieht er noch an der Leine, aber längst nicht mehr immer? Dies können die ersten Zeichen sein, dass du auf dem richtigen Weg bist.

Für dich persönlich kannst du auch Tagebuch schreiben. Denn dann siehst du ebenfalls deinen Weg viel deutlicher, den du zurückgelegt hast.

Dankbarkeit

Ein sehr wichtiger Punkt für den Erfolg ist die Dankbarkeit. Wenn du gutes Verhalten deines Hundes vervielfältigen möchtest, sei dankbar, wie gut es bereits ist. Sei dankbar für die Dinge, die dein Hund jetzt schon gut kann. Selbst dann, wenn du gar nichts dafür tun musstest.

Dankbarkeit ist der Schlüssel zu jedem Erfolg. Ich schreibe seit einigen Monaten ein Dankbarkeitstagebuch, in dem ich jeden Tag einen Satz schreibe, wofür ich dankbar bin. Das hat mein Leben verändert. Ich sehe viel mehr Positives in meinem Leben als je zuvor. Ich erkenne, wie gut es mir geht. Wie reich ich bin, wie schön mein Leben ist.

Reichtum ist nicht eine große Menge Geld. Ich fühle mich reich, weil ich sauberes Trinkwasser habe, jeden Tag genug und sogar sehr hochwertiges Essen, einen wundervollen Mann und meinen Traumhund an meiner Seite. Ich fühle mich reich, wenn ich in meinem bequemen Bett liege, und ein Dach über dem Kopf habe. Ich fühle mich reich, weil ich selbstbestimmt leben kann.

Dankbarkeit ist grundlegend für alles. Übe Dankbarkeit und du wirst es erfahren.

Schreibe mir gerne, wie dir dieser Beitrag gefallen hat. War es für dich neuer Inhalt, oder übst du schon länger?

Welche Punkte hast du schon in dein Leben integriert?