Bei Fuß gehen – leicht gemacht

Es sieht immer so leicht aus…

Wir sehen es immer wieder: Fotos oder Videos, auf denen ein Hund sein Gesicht zum Menschen aufrichtet, und ohne einen Millimeter nach vorne, zur Seite oder nach hinten abzudriften von seinem Menschen mit hochschwingenden Pfoten dynamisch ganz dicht neben seinem Menschen läuft.

Aber wie schaffen die das bloß? Wenn du es mit deinem Hund probierst, geht er schnüffeln, hat anderes im Kopf, hält 30cm Abstand zu dir, und schaut dich gleich gar nicht an.

Wie schaffen die das?

Diese Frage lässt sich eigentlich ganz einfach beantworten: Durch regelmäßiges, intensives Training. Mit Hilfe eines gut durchdachten Plans. Dadurch, dass das Team nicht aufgibt, wenn es mal nicht so läuft. Und im Idealfall mit viel Liebe und Freude. Letzteres ist leider noch nicht immer der Fall, wird aber immer häufiger. Das soll jetzt also gar nicht das Thema sein.

Was ich sagen möchte ist, dass so ein super-chices Bei -Fuß -Gehen  nicht über Nacht aufgebaut wird. Das ist richtig harte Arbeit.

Ist das noch gesund?

Ob so ein intensives Fuß-Gehen noch gesund ist, hängt vom Verantwortungsbewusstsein des Halters ab. Wenn der Mensch weiß, wie er der einseitigen Belastung entgegen wirkt, wie er seinen Hund aufwärmt und Ausgleich schafft für die Übung, dann ist es noch gesund. In vielen Fällen machen sich die Menschen leider nicht klar, was sie da genau von ihrem Hund verlangen.

Das sportliche „Fuß“ im Alltag

Wenn ich das echte „Fuß“ im Alltag anwenden möchte, muss ich wissen, dass es meinem Hund gut geht. Dass keine Reize da sind, die ihn ängstigen, wie fremde Menschen, laute Geräusche, schnelle Bewegungen, fremde Hunde usw.

Ein Hund der Angst hat,  muss sich mit dem Angstauslöser auseinander setzen können. Das heißt, er muss dort hinschauen dürfen, wo etwas ist, das ihn beunruhigt. Er muss vielleicht auch einfach nach vorne schauen, um nicht gegen den Laternenpfahl zu laufen.

Außerdem muss ich sicher sein, dass mein Hund keine Schmerzen hat, und dass er aufgewärmt ist. Kalt aus dem Auto starten mit einer Fuß-Übung ist nicht gut für den Bewegungsapparat.

Mein Hinweis für alle, die ein Sport-Bei-Fuß trainieren wollen

Bitte mache keine allzu lange Übung, wenn du das sportliche „Fuß“ trainierst. Achte auf ein sicheres Umfeld für deinen Hund. Trainiere die Fuß-Arbeit auf beiden Seiten, um keine einseitige Belastung zu bekommen. Und frage einen guten Physiotherapeuten oder Gesundheitsberater, welche Übungen für das Aufwärmen vor und Abwärmen nach dem Training sinnvoll sind.

Mein Tipp für dich: Verändere dein Ziel

Baue dein „Fuß“ etwas anders auf. Denn was das Signal nun tatsächlich bedeutet, legst du ja selbst fest. Du kannst also die Regeln bestimmen. Hier ein paar Vorschläge für Veränderungen, die es deinem Hund gesünder gestalten und die es euch beiden leichter machen:

1.) Der Hund muss nicht permanent zu dir schauen. Hin und wieder einen Blick zur Seite genügt.

2.) Die Dauer des Bei Fuß Gehens darf wechseln. Mal nur ein paar Schritte, mal etwas länger. Erwarte nicht, dass dich dein Hund über eine Stunde lang bei Fuß begleitet, sondern nutze das Fuß gehen für schwierige, enge Stellen, die ihr passieren müsst, oder um an fremden  Menschen vorbei zu gehen.

3.) Du darfst deinen Hund belohnen, denn du bist nicht in einer Prüfung. Natürlich kannst du die Belohnungen später nach und nach weglassen, aber niemals ganz. Denn was sich nicht mehr lohnt, wird nicht mehr gemacht.

4.) Wenn du dir die Option eines richtig chicen Fuß-Gehens offen halten möchtest, kannst du das „Alltags-Fuß“ anders benennen.  So hast du das Signal „Fuß“ noch für das sportliche Training.

Mit Lob solltest du auf keinen Fall sparsam sein, dann weiß dein Hund zumindest, dass du zufrieden bist.

Der Weg dort hin – Eine Schritt für Schritt – Anleitung

Es gibt unzählige Übungen und sehr unterschiedliche Herangehensweisen, um ein schönes Bei Fuß Gehen aufzubauen. Ich kann dir hier keine Allumfassende und garantiert für dich passende Antwort geben, weil ich dich und deinen Hund nicht kenne.

Dennoch gebe ich dir jetzt wertvolle Tipps mit auf den Weg, damit du mit dem Üben starten kannst. Wenn du Fragen hast, melde dich bei mir, wir können schauen, wie  ich dir helfen kann.

Das Gehen bei Fuß kann in seine Einzelbestandteile zerlegt werden.

Folgende Fähigkeiten benötigt dein Hund als Voraussetzung für das Training:

  • für Futterbelohnungen arbeiten wollen
  • Für eine gewisse Zeitspanne konzentriert arbeiten können (z.B. 3 x 2 Minuten)

Folgende Fertigkeiten soll er lernen:

  • Aufmerksamkeit für einen längeren Zeitraum aufbringen
    • (z.B. 5 x 2 Minuten oder 2x 4 Minuten)
  • evtl. ein Handtarget (= der Handtouch = Hundenase berührt die Hand auf Signal)
  • oder einer Futterhand folgen können
  • In gerader Ausrichtung neben dir stehen
    • und dabei aufmerksam sein
  • In gerader Ausrichtung neben dir gehen
    • und dabei aufmerksam sein

Wo stehst du gerade? Nein, ich meine nicht, in welchem Raum du das liest, sondern wo stehst du im Training? Der Ausgangspunkt ist natürlich wichtig, um mit den passenden nächsten Übungen fortzufahren.

Teste den Stand der Dinge

Gehe in der Wohnung mit deinem Hund ohne Leine so „Bei Fuß“ wie du es bisher schaffen kannst.

Mache dir Notizen, damit du weißt, wo du gestartet bist. Schreibe dir genau auf, was du beobachtet hast.

  • Kommt dein Hund überhaupt, um mit dir etwas zu machen?
  • Wie viele Schritte kannst du gehen?
  • Wie oft hast du belohnt?
  • Womit hast du belohnt? Hat sich dein Hund gefreut?
  • Wie hast du ihn dazu gebracht, mit dir zu gehen?
    • Handtarget eingesetzt?
    • mit Futter gelockt?
    • mit der Hand auf deinen Oberschenkel geklopft?
    • ein Geräusch gemacht
    • …?
  • War dein Hund abgelenkt?

Dein Hund kommt nicht?

Wenn dein Hund nicht mitmachen will, nimm dir besseres Futter. Es wird ganz sicher irgendwas geben, das deinen Hund vom Hocker reißt. Das teilst du in kleine, erbsengroße Stücke und beginnst das Training, indem du deinen Hund für sein Kommen belohnst. Du kannst zum Aufwärmen ein paar von euren liebsten Tricks machen. So kommt dein Hund in eine freudige Arbeitsstimmung. Bei Fuß gehen ist ja auch nichts anderes als ein gut geübter Trick.

Neben dir stehen

Nun überlege, wie du es schaffen kannst, dass ihr nebeneinander steht. Einfach? Gut. Ansonsten stelle dich einfach neben deinen Hund und markiere und belohne diese Position mehrmals.

Neben dir gehen

Wenn dein Hund neben dir steht, dann motiviere ihn, einen Schritt mit dir zu gehen und belohne den Schritt. Den nächsten ebenso. Den nächsten Schritt auch. Usw. Zuerst wirklich einen einzigen Schritt belohnen! Wenn das gut klappt, gehst du zwei oder drei Schritte. Variiere die Länge.

Gut belohnen

Denke daran, dass dein Hund lernen soll, dass es sich richtig lohnt, mit dir zu gehen. Das versteht er schnell, wenn du jetzt schnell fütterst. Zack zack zack gibt es die Leckerchen in die Schnauze, für jeden einzelnen Schritt.

Dich selbst neben ihn eindrehen

Dein Hund ist direkt vor dir. Du gehst rückwärts und belohnst ihn, wenn er dir folgt. Mache das einige Schritte lang, und dann drehe dich so seitwärts/rückwärts neben ihn ein, dass ihr gemeinsam vorwärts geht. Vergiss nicht, deinen Hund weiter zu belohnen! Denn jetzt ist die richtige Position erreicht, und genau die wollen wir ja hervorheben.

Das war ja leicht!

Vielleicht bist du jetzt überrascht, wie einfach das war. Tja, im Haus ist es für die meisten Hunde eher langweilig, und da geht vieles, was draußen nicht geht. Noch nicht! Denn wenn du diese Übung jetzt regelmäßig machst, im Haus, dann im Garten oder im direkten Umfeld des Hauses, dann lernt dein Hund mit jedem Mal, dass das eine gute Sache ist. Belohne das Folgen und das neben dir Gehen ruhig hochwertig. Dünne dann die Häufigkeit der Belohnungen ein wenig aus. EIN WENIG! Nicht weglassen!

Ablenkungen hinzufügen

Wenn ihr das wirklich gut geübt habt ohne Ablenkungen (also bestimmt so 100 Mal), dann – und nur dann! – kannst du beginnen, die Übung langsam mit mehr Ablenkung zu probieren. Achte darauf, dass dein Hund immer mitmachen KANN. Wenn er woanders hinschaut, schnüffelt, rumtrödelt oder sich hinsetzt und kratzt, dann fühlt er sich überfordert. Wenn dein Hund zu stark abgelenkt ist von der Umwelt, kann er nicht aufpassen. Ebenso wenn du zu viel Druck machst. Er ist dann vielleicht in einem Konflikt und gibt entsprechende Körperzeichen wie eben das sich Kratzen, schnüffeln oder züngeln. Gib ihm Zeit, sich mit der Umwelt zu beschäftigen, und probiere es später noch einmal. Vielleicht ist es noch zu schwierig an diesem Ort. Vielleicht hat er einfach mal einen schlechten Tag. (Kennste, ne?)

Generalisieren

Du kennst das schon, ich habe es ja eben schon erwähnt: Du musst jede Übung an vielen verschiedenen Orten trainieren, damit dein Hund die Übung „generalisiert“. Das bedeutet, dass er versteht, dass an welchem Ort auch immer die Signale für das Verhalten das selbe bedeuten. Und nach ca. 5000 Wiederholungen (in Worten: Fünftausend) in den unterschiedlichsten Situationen wird dein Hund wie geschmiert bei Fuß laufen, egal was um ihn herum passiert.

Wann du „Fuß“ sagen darfst

Vielleicht kennst du das schon? Wir fügen ein Wortsignal fast immer erst dann ein, wenn wir das Verhalten ganz sicher abrufen können.  Wieso?

Würden wir es anders herum machen, und zuerst „Fuß“ sagen, und der Hund tut etwas völlig anderes, kann keine Vokabel-Verknüpfung stattfinden. Dein Hund hat ja die Worte nicht in den Genen mitgeliefert bekommen, sondern muss jedes einzelne Wort als Vokabel lernen.

Das ist für Hunde am einfachsten, wenn sie das Wort kurz vor dem Verhalten hören. Heißt:

Hund hört „Sitz“ 1-2 Sekunden bevor er sich setzt.

Oder Hund hört „Fuß“ 1-2 Sekunden bevor er Fuß geht.

Die berühmten 100,-€

Darum baust du zuerst das Gehen bei Fuß auf mit Hilfe der genannten Körpersprache und den leckeren Snacks, die er bekommt. Dann erst fügst du das Signal hinzu. Wenn du 100,-€ verwettest, dass dein Hund tatsächlich neben dir gehen wird, so wie du es dir vorstellst, ist der richtige Zeitpunkt.

Ob du zu dem Zeitpunkt schon 20 Schritte gehen kannst oder erst 5 ist weniger relevant.

Bedenke aber, dass dein Hund noch lange Zeit deine Körpersprache als Hinweis benötigt, was zu tun ist, auch wenn du das Wortsignal eingeführt hast. Er versteht es ja erst nach vielen Wiederholungen.

Hier noch mal die Zusammenfassung:

  • Eigene Regeln erstellen – für dein Alltags-Fuß
  • Ohne Ablenkung beginnen – im Haus
  • zuerst die Voraussetzungen trainieren:
    • Aufmerksamkeit für ca. 3 x 2 Minuten halten können
    • Für Futterbelohnungen arbeiten wollen
  • Eventuelle Hilfen trainieren / aufbauen
    • Handtarget
    • Markersignal
  • Gute Belohnungen nutzen – hohe Belohnungsrate (jeder Schritt!)
  • Wortsignal erst dann einführen, wenn das Verhalten „Bei Fuß Gehen“ sicher abrufbar ist
  • Schrittzahl erhöhen
  • Belohnungsrate langsam unregelmäßig senken
  • Generalisieren

 

Dein Hund macht alles richtig…

Bei allem Respekt vor deinem Ziel: Vergiss nicht, dass du es mit einem Lebewesen zu tun hast. Bedenke, dass auch du noch dazu lernst: Wie häufig muss ich belohnen, wann genau gebe ich mein Markersignal, was tue ich mit meiner Körpersprache… usw.

Gib nicht deinem Hund die Schuld und bestrafe ihn dafür, wenn das Training nicht klappen will. Sondern überlege dir in Ruhe, woran es liegt. Wenn möglich, lasse jemanden drüber schauen. Das tue ich auch demnächst wieder mit meinem eigenen Hund. Niemand lernt je aus. Schon gar nicht im Umgang mit Hunden.