Wie du Werkzeuge schärfen kannst im Hundetraining

Geht es um Schnitzer?

Mein erster Beruf war ein Handwerk, ich bin Geigenbaumeisterin. Inzwischen übe ich diesen Beruf nicht mehr aus, aber ich profitiere noch von Erfahrungen aus dieser Zeit. Um feine Schnitte am Holz durchführen zu können, brauchte ich immer einen scharfen Schnitzer. Nach einer Zeit des Gebrauchs musste er geschärft werden, um wieder in der nötigen Qualität seine Arbeit verrichten zu können. Mir erschien es zwar manchmal mühsam, erst den Schnitzer zu schärfen, damit ich dann endlich am Instrument arbeiten konnte. Dennoch tat ich es, denn ich wusste, dass mir nur so eine gute Arbeit gelingen konnte.

Werkzeuge im Hundetraining

Hundetraining ist eigentlich auch Handwerk. Wir sprechen auch gerne von unseren „Werkzeugen“. Hier sind es keine Dinge. Nein, unsere Werkzeuge bestehen nicht aus diversen Folterinstrumenten, die dem Hund Manieren beibringen sollten. Sondern es sind unsere vielfältigen Handlungsmöglichkeiten, Spiele, Übungen und Signale, die wir auf eine bestimmte Weise aufbauen.

Ein paar Beispiele:

  • 10-Leckerchen-Spiel
  • Lauerspiel
  • U-Turn
  • Deeskalierendes Sitzen
  • Sitz, Platz, Steh
  • Rückruf
  • Entspannungstraining
  • Targettraining
  • Handtouch
  • Umorientierung

Ein solches Werkzeug aufbauen bedeutet, es in kleinen, sinnvollen  Schritten zu üben, so dass der Hund möglichst immer erfolgreich sein kann. Wir nutzen dafür vor allem Belohnungen, die der Hund auch wirklich mag. Dabei sprechen wir von „Verstärkern“. Wenn es auf diese Weise gründlich aufgebaut wurde, ist es „fertig“, um es nutzen zu können.

Manchmal werden unsere Werkzeuge, ähnlich wie ein Schnitzer, nach einer Weile stumpf. Beim Schnitzer liegt das in der Natur der Sache. Der Handwerker macht nicht unbedingt Fehler, wenn sein Werkzeug stumpf wird. Das Schleifen der Werkzeuge gehört einfach dazu. Im Hundetraining müsste eigentlich kein Werkzeug stumpf werden in dem Sinne.

Wenn unser Werkzeug stumpf wird

Trotzdem passiert es immer wieder, dass mir gesagt wird, dieses oder jenes „funktioniert nicht“ beim betreffenden Hund. Und das liegt meistens daran, dass das Werkzeug stumpf geworden ist.

Das kann verschiedene Ursachen haben. Häufig sind es kleine Nachlässigkeiten des Menschen, die sich nach und nach eingeschlichen haben.  Gehe gedanklich einmal zurück in die Zeit, als dein Werkzeug noch funktioniert hat. Überlege genau, wie du am Anfang mit diesem Werkzeug gearbeitet hast.

  • wie oft hast du belohnt?
  • womit hast du belohnt?
  • hast du ein Markersignal benutzt? (oder ist es das Markersignal?)
  • wann genau hast du markiert oder belohnt?
  • wie war deine Körpersprache?

Woran es auch liegt, wenn man merkt, dass ein bestimmtes Signal nicht mehr so funktioniert wie gewohnt: Es macht Sinn, es zu schärfen. Was du nicht tun solltest ist, das Werkzeug einfach zu entsorgen. An ihm liegt es nicht, wenn es stumpf wird!

Werkzeug kann einstauben

Manchmal liegt es auch daran, dass das Werkzeug unbenutzt herumlag. Es zieht dann vielleicht Rost an, oder eine dicke Staubschicht hat es eingehüllt.

Auch so ein Werkzeug musst du nicht wegwerfen, sondern holst es wieder hervor, betrachtest es von allen Seiten, und wischst als erstes den Staub ab. Gefällt es dir wieder? Möchtest du es wieder häufiger benutzen? Oder hat es seinen Zweck erfüllt und du brauchst es wirklich nicht mehr? Dann ist es gut, und es darf ruhen.

Wenn es dir aber eigentlich gefällt, und du gerade nur nicht mehr weißt, wie du das Werkzeug eigentlich benutzt hast, überlege ein bisschen oder lasse dir helfen. Vielleicht hast du Tagebuch geführt und kannst es nachlesen?

So kannst du Werkzeug schärfen

Um zu verstehen, wie du deine Hundetrainings-Werkzeuge schärfen kannst, musst du wissen, wie sie funktionieren. Wie funktioniert das Hundegehirn? Auch diese Frage gehört dazu.

Ein Werkzeug ist so gut wie

  • sein Aufbau. Wenn du eine große Masse aufgebaut hast über viele Belohnungen, wird das Signal ziemlich gut wirken. Dein Hund hat damit gute Erfahrungen gemacht, ein bestimmtes Verhalten zu zeigen. Er ist belohnt worden, es hat sich für ihn gelohnt.
  • dein Timing. Wenn du dein Markersignal wirklich im richtigen Moment sagst, verstärkst du das richtige Verhalten, und dein Werkzeug funktioniert. Bist du zu früh oder zu spät, kann dein Hund nicht wissen, was du eigentlich meinst. Dann hast du das Gefühl, dein Werkzeug funktioniert nicht bei deinem Hund.
  • deine Belohnungen. Sind deine Belohnungen wirklich Verstärker? Sind sie gut genug, um das Verhalten deines Hundes zu verstärken? Das sind sie dann, wenn sie deinem Hund so richtig gut gefallen. So dass er sich echt freut. Dann funktioniert dein Werkzeug gut.
  • der Ort der Belohnung. Achte genau darauf, welche Information der Ort der Belohnung an deinen Hund sendet. Wenn du nach einem „Sitz“ deinen Hund meistens ohne Freigabesignal ein Leckerchen hetzen lässt, oder den Ball wirfst, musst du dich nicht wundern, wenn dein Hund eher kurz sitzen bleibt. Die Sprungfedern im Hintern liegen begründet im Ort der Belohnung.

Schärfe dein Entspannungswerkzeug

Es gibt noch mehr feine Schräubchen, an denen man drehen kann, aber diese Punkte sind meiner Meinung nach die wichtigsten. Aber wenn du dennoch das Gefühl hast, dass dein Training nicht den Erfolg hat, den du dir vorstellst, dann schau auch einmal, ob es versteckte Stressoren gibt. Es hat einen Sinn, dass ich Entspannungstraining als ein sehr wichtiges Werkzeug erachte. Wenn ein Hund chronischen Hintergrundstress hat, kann er natürlich nicht so gut lernen, als wenn er entspannt ist. Insofern müsste ich in der Liste oben noch anfügen:

Ein Werkzeug ist so gut wie…

der Hund nicht gestresst ist

Entspannungstraining ist eines unserer Basiswerkzeuge. Du brauchst es so oft, dass es gut geschärft sein sollte. Dann hilft es allen anderen Werkzeugen, weil es eine Vorarbeit leistet.

Etwa so wie ein großer, grober Stechbeitel die ersten Formen des Geigenkörpers ausarbeitet. Erst danach kommen lauter kleine Hobel zum Einsatz, um die genauere Form zu erstellen.

Es geht nicht darum, jegliche Aufregung vom Hund fern zu halten. Es geht darum, eine zu hohe Erregungslage schnell genug wieder herunter regeln zu können. Oder darum einen Dauerstress, der zu einer ständigen leichten Anspannung führt, zu verringern oder zu verhindern. Leben ist nicht nur Entspannung. Erregung ist Lebensnotwendig. Das ist keine Frage. Es geht um Formen des Erregungszustandes, die ungesund sind. Und dabei hilft ein Training der Entspannung.