Neulich erreichte mich die Frage, was eigentlich diese „Isometrischen Übungen“ sind, wofür sie gut sind, und wie man das richtig macht. Hier kommt die Antwort.

Hinter diesem etwas seltsam anmutenden Namen (ich finde, er klingt verstaubt und esoterisch) versteckt sich eine sehr praktische Sache. Es geht um eine bestimmte Art der Berührung.

Welcher Hund profitiert davon?

Immer wieder gibt es Hunde, die sich nicht gerne anfassen beziehungsweise streicheln lassen. Wenn diese Hunde gleichzeitig noch Schwierigkeiten haben, sich zu entspannen, dann sind die Isometrischen Übungen perfekt für sie geeignet. Aber sogar wenn nur ein einziger Punkt zutrifft, oder  auch zur Kräftigung der Muskulatur sind die Übungen gut.

Im Prinzip profitiert also jeder Hund davon.

Wie sehen die Übungen aus?

Anstelle einer Streichelnden Bewegung wird eine schlichte Berührung an einer Stelle mit etwas Druck ausgeübt. Das ist also einer der seltenen Momente, in denen ich gerne und voller Überzeugung mit Druck trainiere. ????

Du legst deine Hand zum Beispiel auf die Schulter deines Hundes und drückst ganz leicht, bis du einen Gegendruck spürst. Auf den kommt es an. Dein Hund drückt dagegen, um sein Gleichgewicht zu halten.

Was bewirken die Übungen?

Dadurch dass es keine streichelnde Berührung ist, fühlen sich empfindsame Hunde  vermutlich weniger gekitzelt. Die Berührung wird sehr bewusst ausgeführt und jede Berührung wird angekündigt, so dass der Hund eine genaue Vorhersage treffen kann. Er ist vorbereitet auf die Berührung und hat daher die Kontrolle. Das ist ein wichtiger Punkt für Hunde, die Probleme mit dem Anfassen haben.

Das Gegendrücken fokussiert die Aufmerksamkeit auf den berührten Körperteil und auf das Gleichgewicht. Oft sieht man, wie diese Hunde einen stark verinnerlichten Blick bekommen.  Sie sind dann ganz bei sich und spüren in sich hinein. Viele Hunde entspannen dabei sehr gut, und für sehr viele Hunde ist diese Art der Berührung der Einstieg dazu, sich gerne anfassen und streicheln zu lassen.

Durch diesen Druck werden Muskeln aktiviert und gestärkt. Das hilft besonders bei älteren Hunden, aber jeder Hund profitiert davon. Und weil du selbst drückst, wird dein Arm ebenso gestärkt.

Die Übungen bewirken also, dass dein Hund

  • sich leichter anfassen lässt, weil er die Kontrolle behält
  • entspannter wird
  • seine Muskeln stärkt

So baust du die Isometrischen Übungen auf

Du brauchst für den Aufbau:

Eine Ankündigung

Suche dir ein bestimmtes Wort aus, mit dem du die Berührung ankündigst.

Beispiel: „Anfassen“

Ein positives Markersignal

Das Markersignal kannst du mit Lob oder mit Futter als Belohnung nutzen. Das ist vor allem am Anfang eine gute Sachen, wenn sich dein Hund bisher gar nicht gerne anfassen lässt.

Vorübung (wenn sich dein Hund nicht anfassen lässt)

Wenn du mit deiner Hand noch gar nicht bis zum Hund kommst, dann markierst du im allerersten Schritt die Bewegung deiner Hand zum Hund hin, und zwar solange der Hund noch steht ohne auszuweichen. Bitte nutze bereits jetzt dein Ankündigungswort, auch wenn du deinen Hund noch gar nicht berührst.

  • Du sagst dein Ankündigungswort
  • Du passt auf, dass sich deine Hand nur so weit nähert, dass dein Hund die Nähe aushalten kann, ohne weg zu gehen.
  • Du gibst das Markersignal und ein Bröckchen Futter. Dann beginnst du erneut.

Du kannst auf diese Weise über mehrere Tage üben, bis du mit deiner Hand endlich an der Schulter deines Hundes angekommen bist. Jetzt lässt sich dein Hund also berühren und du kommst zur ersten Stufe des Trainings.

Erste Stufe:

Kündige die Berührung an und berühre die Schulter. Markersignal & Belohnung. Loslassen.

Diesen Vorgang ein paar Mal wiederholen. 

  • Ankündigung („Anfassen“)
  • Berührung      (z.B. an der Schulter)
  • dabei Markersignal & Futter   (die Hand bleibt dabei an der Schulter!)
  • loslassen

Das Markersignal wird hier dafür gegeben, dass der Hund der Berührung nicht ausweicht und stehen bleibt.

Zweite Stufe:

Nun kommt der leichte Druck dazu.

  • Ankündigen
  • Berühren
  • leichten Druck ausüben
  • dabei Markersignal & Futter   (die Hand bleibt dabei an der Schulter!)
  • loslassen

Wenn du leicht drückst, merkst du vielleicht schon, dass dein Hund einen Gegendruck aufbaut.  Da kommst du schon ganz schnell in die dritte Stufe:

Dritte Stufe:

Im dritten Schritt wartest du auf den leichten Gegendruck deines Hundes, und markierst dann.

  • Ankündigen
  • Berühren
  • leichten Druck ausüben
  • auf Gegendruck warten
  • dabei Markersignal & Futter   (die Hand bleibt dabei an der Schulter!)
  • loslassen

Das ist der Beginn von den sogenannten „Isometrischen Übungen“. Es sind einfache Druckgaben an den verschiedenen Körperpunkten (Schulter, Hüfte, Brust usw.)

Der Hund drückt leicht gegen, um stehen zu bleiben, er wird dabei dem Gefühl nachspüren und ist sozusagen ganz bei sich.

Der Vorteil für den Hund besteht darin, dass die berührende Hand nicht auch noch bewegt wird. Sie bleibt ganz ruhig an der Stelle liegen, an der sie andockt. Leichter Druck, ohne dass es unangenehm ist oder kitzelt, und dafür gibt es sogar noch Futter. Tolle Sache!

Ich kündige übrigens auch das normale Streicheln an. Weil es etwas ganz anderes ist als der sanfte Druck bei den Isometrischen Übungen nutze ich auch zwei verschiedene Worte. „Streicheln“ und „Anfassen“. Denn der Hund soll ja was tun, nämlich dagegen drücken. 

Blick in die Zukunft – So kannst du die Übung nutzen

Du kannst, wenn du diese Übungen gut aufgebaut hast, natürlich auf die Futterbelohnung und vielleicht sogar auf das Markersignal verzichten, du musst aber nicht.

Du kannst diese Übungen auch draußen anwenden, besonders, wenn dein Hund sich draußen noch immer nicht so gerne anfassen lässt ( was den meisten Hunden so geht), und / oder er sehr aufgeregt ist.

Die Übung entfaltet draußen das gleiche Potenzial wie im Haus. Dein Hund muss sich nur daran gewöhnen, so wie er auch im Haus eine Zeit benötigte, um die Übung gerne mitzumachen.

Dann ist diese Übung ein guter Einstieg in die Entspannung, falls dein Hund damit Schwierigkeiten hat. Du kannst zuerst Isometrische Übungen machen, und dann dein konditioniertes Entspannungswort sagen. Durch das „Vorspiel“ ist dein Hund sehr viel bereiter für die Entspannung als zuvor.

 

Und als Bonus habe ich noch einen wichtigen Tipp für dich:

Wenn du es eilig hast, gehe langsam.

Vielleicht kennst du diesen Spruch schon. Er passt in den verschiedensten Situationen des Lebens, aber wie ich finde ganz besonders gut im Umgang mit Tieren. Wenn du also in der Situation bist, dass du ENDLICH deinen Hund anfassen, streicheln und liebkosen möchtest, dann beginne jetzt zu üben – aber gehe langsam voran.

Je mehr Ruhe du im Tun hast, um so schneller kommst du ans Ziel. Ungeduld ist kein guter Ratgeber.

Möchtest du tiefer einsteigen in das Entspannungstraining? Die Isometrischen Übungen sind ein schöner Einstieg, und das konditionierte Entspannungswort könnte dein nächster Schritt sein.

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