Trainingsplan erstellen leicht gemacht

Wieso Trainingsplan?

„Warum brauche ich einen Trainingsplan? Und wie soll ich den erstellen?“ Diese Frage habe ich mir oft genug selbst gestellt. Ich kenne die Widerstände in mir.

Mit und für meine Kunden erstelle ich natürlich Pläne. Aber wenn ich mit Grace mal eben was übe?

Viel lieber fange ich einfach an, und schaue, was der Hund tut. Daraus entwickele ich dann weitere Ideen, und komme so auch weiter. Oder?

Um von A nach Z zu kommen

Woher weiß ich denn, ob ich weiter komme? Woran erkenne ich das, wenn ich nicht wenigstens am Anfang aufgeschrieben habe, wo wir stehen und wo wir hin möchten? Ich lasse dann nur meinen Bauch entscheiden. Und der sagt heute so und morgen so.

Ohne Plan zu trainieren ist wie ohne ein Ziel zu definieren mit dem Auto wegzufahren. Natürlich kann ich „ins Blaue“ fahren, und komme immer irgendwo an.  Aber wenn ich Pech habe, stehe ich plötzlich mit leerem Tank in einem Industriegebiet, anstatt an einem schönen See, mit Blick auf die Berge oder am Meer.

Wenn wir einfach anfangen, ohne Plan drauflos trainieren, haben wir keine Kontrolle über das Ziel und den Weg dorthin.

Hier kannst du noch mehr darüber lesen: So trainierst du deutlich stressfreier und erfolgreicher

Frage dich doch einmal, ob du wirklich dein Ziel erreichen willst? Oder noch genauer: Willst du nur, oder hast du wirklich die Absicht?

Bist du wirklich bereit?

Es ist ein großer Unterschied, ob jemand bereit ist, sich tatsächlich für das Erreichen seiner Ziele einzusetzen, oder ob derjenige sagt: „Ja, schön wäre es, wenn mein Hund dieses oder jenes könnte.“

Viviane Theby bringt es so auf den Punkt: „Ein Ziel ohne Plan ist nur ein Wunsch!“

Bevor du also Zeit investierst und ins Blaue hinein trainierst, stelle dir einmal ganz ernsthaft diese Frage. Wenn es dir nicht wichtig genug ist, wirst du nicht ans Ziel kommen. Dann bist du nicht bereit, etwas zu investieren. Spare doch lieber deine wertvolle Zeit und mache irgendwas anderes Lustiges mit deinem Hund.

Falls aber das Problem wirklich groß ist, wirst du einen starken Wunsch in dir spüren, das Problem zu lösen. Belastet es dich im Leben, tut es weh, macht es Angst? Dann ist es oft leicht, genug Motivation zu bekommen, wirklich einen Plan zu erstellen und dieses Mal ernsthaft zu trainieren. Ernsthaft heißt ja nicht, dass es spaßlos sein muss! Ganz im Gegenteil!

Training mit Plan ist Training mit Spaß

Ich zitiere noch einmal Viviane Theby:

„Es ist leicht, Verhalten schwer zu machen.

Es ist schwer, Verhalten leicht zu machen.

Aber je besser wir darin sind, desto besser wird unser Training!“

Ein Plan macht das Verhalten, das du erarbeitest, viel leichter. Wieso jetzt das? Ist es nicht furchtbar kompliziert, einen Plan zu erstellen?

Nein. Weder ist es furchtbar kompliziert, noch ist ein Plan dazu da, ein für alle Mal zu gelten. Du musst also keine Angst haben, dass du einen „falschen“ Plan erstellst. Wenn dein Plan nicht in die richtige Richtung führt, machst du einen neuen Plan. Das darfst du, oder eher: Das musst du!

Der Plan lebt!

Wenn ich glaube, dass ich am schnellsten von Nürnberg nach Rom komme, wenn ich nach Norden fahre, und dann irgendwann feststelle, dass ich mich immer weiter von Rom entferne, werde ich doch nicht immer weiter nach Norden unterwegs sein wollen. Es sei denn, ich definiere ein neues Ziel. Ich könnte ja auch an die Nordsee fahren… Aber dann ist es eben nicht das Ziel Z, sondern das Ziel C, das ich erreiche. Will ich mein ursprüngliches Ziel erreichen, muss ich den Weg ändern.

Welche Zutaten braucht ein guter Plan?

Um einen Trainingsplan zu erstellen, brauchst du drei wichtige Dinge.

  1. Du musst wissen, wo du dich befindest. Dein Ausgangspunkt muss dir absolut klar sein.
  2. Du musst wissen, wohin du möchtest. Definiere dein Ziel so genau wie möglich.
  3. Du benötigst einen Weg von deinem Ausgangspunkt zum Ziel. Von A nach Z.

Ausgangspunkt

A und Z sind ziemlich feste Größen. Dein Ausgangspunkt ist einfach Fakt. Du kannst ihn bestimmen, indem du zählst oder misst. Bei einfachen Verhalten wie Sitz ist das logisch, du kannst die Sekunden zählen, wie lange dein Hund braucht, um sich zu setzen, und wie häufig er es überhaupt tut bei allen Versuchen.

Bei komplexeren Verhalten wie der Besuchssituation benötigst du eine ausführlichere Beschreibung der Ausgangslage. Du kannst ein Video machen, wie dein Hund reagiert, wenn es klingelt.

Danach kannst du formulieren, was du auf dem Video siehst. Das macht es etwas einfacher, als im Eifer des Gefechts zählen zu müssen.

Je genauer du beschreibst, was du siehst, um so besser ist es. Du kannst bei einem Video auch sehr gut die Sekunden mitzählen, die ein bestimmtes Verhalten dauert.

Die Trainingsfrage: Kannst du….

Außerdem gehört alles dazu, was dein Hund bereits kann. Worauf kannst du zurück greifen im Training? Gibt es etwas, was dein Hund gut kann, und was für das Training hilfreich ist?

Worauf kannst du aufbauen?

Im Besuchertraining wäre zum Beispiel der Aufbau eines sicheren Platzes eine gute Voraussetzung. Wenn dein Hund sich in entspannten Situationen auf seinem Platz wohl fühlt, geht das weitere Training natürlich ziemlich leicht von der Hand.

Kann er diesen Schritt noch nicht, ist der Aufbau des sicheren Platzes ein wichtiger Schwerpunkt deines Trainings.

Sei kritisch mit dir selbst, und führe nicht Dinge auf, von denen du glaubst, dass dein Hund sie kann. Prüfe im Zweifelsfall, ob dein Hund das von dir geforderte Verhalten tatsächlich gut kann.

Und umgekehrt: Vielleicht glaubst du nicht an die Fähigkeiten deines Hundes, und er ist schon einen ganzen Schritt weiter. Schau unvoreingenommen hin, was wirklich da ist!

Hunde antworten immer ehrlich auf die Frage: „Kannst du …..?“ 

Wenn du „fragst“: „Kannst du entspannt bleiben und Gutties aufsammeln, wenn es an der Haustür klingelt?“ wird dir dein Hund sagen, wie es wirklich ist. Er kann sich nicht verstellen.

Das Ziel

Das Ziel legst du fest. Du überlegst, was für ein Verhalten du genau haben möchtest am Ende deines Trainings. Träume ruhig, und stelle dir vor, eine Fee würde kommen und dir alle Wünsche über Nacht erfüllen… Was wäre am anderen Morgen anders als jetzt? Woran würdest du merken, dass deine Wünsche in Erfüllung gegangen sind?

Think big gilt auch im Hundetraining. Es ist nämlich vor allem eine Frage deiner Geduld und deines Trainingseinsatzes, ob du deine Ziele erreichst. Ja, ein paar Grenzen geben die Individuen auch vor, sowohl die menschlichen als auch die hundlichen Individuen.

Andererseits wäre es ja schade, wenn du nur glaubst, dein Hund hätte hier oder da eine Grenze, und es nie probierst, sie zu überwinden. Fange doch mal an, denke groß und träume deine kühnsten Träume. Vielleicht gehen sie schneller in Erfüllung als du glaubst.

Lies mehr: Wie du deine Ziele erreichst mit Hund

Der Weg von A nach B

Du bist dir jetzt darüber im Klaren, wo du stehst mit deinem Hund. Du weißt, welche Voraussetzungen er mitbringt für das Training. Ebenso wie du selbst.

Was genau musst du trainieren?

Das, wo du hin möchtest minus das, was du hast = Das, was du trainieren musst

Du kommst von A nach B, indem du das trainierst, was du noch benötigst, um dein Ziel zu erreichen.

Jetzt wird schon langsam klar, warum ein Trainingsplan so sinnvoll ist. Solange du nicht weißt, wo du gerade stehst, und wohin du möchtest, weißt du auch nicht, was du trainieren musst.

Viele Varianten von Trainingswegen

Es gibt fast immer viele gute Wege zu einem Ziel. Wir schließen hier die tierschutzrelevanten Wege aus, und dann bleiben noch genug richtig gute Wege übrig.

Du hast grundsätzlich immer 3 Möglichkeiten:

  1. Einfangen, was der Hund von sich aus anbietet
  2. Freies Formen, d.h. du belohnst alles, was in die gewünschte Richtung geht
  3. Training mit Hilfestellung, wie z.B. Locken, Targettraining usw.

Du darfst dich entscheiden, welche Art von Weg du nehmen willst. Das hängt von verschiedenen Faktoren ab, welche Entscheidung du fällst. Die Vorerfahrung von dir und deinem Hund. Der Trainingsstand. Deine Widerstände.

Umgang mit inneren Widerständen

Ich hatte zum Beispiel immer das Gefühl, (Achtung: Gefühl!) dass Hunde einfach mit zur Tür müssen. Ich ging davon aus, dass ich herzlos sei, wenn ich meinem Hund das verbieten würde.

Nun, verbieten ist ja auch kein guter Weg. Aber natürlich kann ich trainieren, dass mein Hund anstatt beim Klingeln zur Tür zu rennen, sich zügig und freudig in seine Box bewegt und dort genüßlich seinen Kauartikel oder Kong bearbeitet.

Die inneren Widerstände von mir gingen von einem falschen Ausgangspunkt aus. Nämlich dem Verbieten. Darum kämpfen, dass ich als erste an der Haustür bin, und streng den Hund korrigieren, wenn er sich vordrängelt, ist absolut keine gute Lösung. Diese Art von „Training“ kommt genau dann heraus, wenn man sich keinen Plan macht!

Denke also genau nach, wie du deine Ziele mit wirklichem Training erreichst. Unsere Art zu trainieren macht ja nicht nur uns Spaß, sondern auch den Hunden.

Denken ist im Hundetraining sehr wichtig und steht (in diesem Fall) über dem Gefühl. Aber die Diskussion, ob Denken oder Fühlen wichtiger sind, ist an sich Quatsch, weil einfach beides zusammen gehört. Es schließt sich auch nicht gegenseitig aus.

Weil gutes Training sich auch gut anfühlt. Wenn du mit einem passenden Plan trainierst, wirst du es merken.

Kleinschrittigkeit macht Training leicht

Ein guter Plan hilft dir, dein Training in kleine Schritte zu unterteilen. Du möchtest ja, dass es deinem Hund leicht fällt, die Anforderungen zu erfüllen, die du erstellst.

Zerlege dafür das Verhalten deines Hundes in viele kleine Stücke. Du kannst es immer noch etwas kleiner unterteilen als du zuerst denkst.

Ein Verhalten besteht nämlich aus kleinen Verhaltenselementen. Du kannst jedes einzelne Verhaltenselement einzeln trainieren.

Wenn es zum Beispiel um die Besuchersituation geht, macht es meistens keinen Sinn, zu erwarten, dass du deinen Hund im ersten Schritt mit einem Kauartikel in sein Körbchen locken kannst, wenn es klingelt. Die Aufregung beim Klingeln ist viel zu hoch, als dass dein Hund einen so großen Schritt auf einmal lernen könnte.

Mehr zum Thema Besuchertraining findest du hier: Oh Schreck, es kommt Besuch!

Teile es in viele kleine Schritte ein, und es geht ganz leicht:

  1. Schritt: Direkt an der Haustür; selber klingeln. Unabhängig vom Verhalten des Hundes, ohne Marker, mit Yeah-Gutties. Klassische Gegenkonditionierung.
  2. Schritt: wie oben, aber jetzt mit Marker & Belohnung
  3. Schritt: Ins innere des Hauses, aber bei der Haustür; selber klingeln.
  4. Schritt  Ab jetzt 2. Person zu Hilfe nehmen, die klingelt. Hund & du weiter innen.
  5. Schritt: noch weiter weg von der Haustür.
  6. Schritt ausreichend Schritte einfügen, bis du am Platz des Hundes ankommst
  7. Schritt: Direkt am Platz markieren & belohnen
  8. Schritt: Üben, wenn der Partner nach Hause kommt – klingeln, während der andere mit dem Hund trainiert. Zum ersten Mal kommt wirklich jemand!
  9. Schritt: Üben fast wie im Ernstfall, wenn du nicht drauf vorbereitet bist. Partner klingelt für den Hund unvorbereitet, du gibst den Kauartikel in die Box oder auf den Platz, Hund bleibt und kaut.
  10. Ernstfall üben mit Freunden. Ihr seid vorbereitet, und alle machen das Geübte.
  11. Ernstfall üben mit Freunden. Ihr seid nicht vorbereitet, und alle machen das Geübte.
  12. Ernstfall mit Fremdpersonen wie Post etc.; siehe Schritt 11.

Diese Schritte kannst du bei Problemen im Training vielleicht noch mehr zerkleinern. Wenn in Schritt 4 zum Beispiel die neue Person deinen Hund so stark ablenkt, dass er das neue Verhalten noch nicht so weit innen zeigen kann, übst du noch einmal direkt an der Haustür, wo sich diese Person befindet und klingelt. Übe ggf. wie in Schritt 1 ohne Markersignal und egal welches Verhalten dein Hund zeigt. Erst wenn sich seine Aufregung wieder legt, und dein Hund das Klingeln wieder ohne zu bellen wahrnimmt und seine Gutties frisst, nimmst du das Markersignal und belohnst wieder ruhiges Verhalten.

Merke: Es gibt immer Zwischenschritte!

Wenn dein Hund an einer Stelle Schwierigkeiten hat, das Gewünschte umzusetzen, überlege dir in Ruhe, wo du noch Zwischenschritte einsetzen kannst. Das geht immer!

Die einzelnen Schritte sind aber noch nicht der gesamte Plan.

Definiere für jeden Schritt das Kriterium

Jeder Trainingsschritt hat einen Ausgangspunkt und ein Ziel. Und den Weg zwischen beidem. Schon wieder kann alles in kleinere Elemente unterteilt werden!

Um dir klar zu werden darüber, was genau du trainierst in einem Schritt, stelle dir die folgenden Fragen:

  1. Was ist der Ausgangspunkt für diesen Schritt? (Ausgangspunkt)
  2. Was genau möchte ich in diesem Schritt belohnen? (Kriterium)
  3. Wo genau möchte ich den Hund belohnen? (Belohnungsort)
  4. Wann möchte ich es belohnen? (Timing)
  5. Wann und wie werden Signale ein-oder abgebaut? (Signale)
  6. Wann gehe ich weiter zum nächsten Schritt? (Ziel)

Mehr über diese Begriffe kannst du hier lesen: 4 Tipps, die dein Hundetraining sofort verbessern

Hier noch ein Beispiel, wie das dann aussehen kann:

Schritt 1 Besuchertraining

  1. Ausgangspunkt: Hund bellt und rennt zur Tür, sobald es klingelt. Er hört nicht auf zu bellen, bis der Besucher herein kommt oder wieder weg geht.
  2. Belohnt in dem Sinne wird in diesem Schritt nicht, denn es handelt sich um klassische Gegenkonditionierung. Unabhängig vom Verhalten des Hundes gibt es nach jedem Klingeln ein hochwertiges Leckerchen.
  3. Belohnungsort: Fußboden direkt bei der Haustür. Kopf runter beim Aufsammeln entspannt und hilft gegen Bellen.
  4. Timing: 1-2 Sekunden nach jedem Klingeln gibt es ein Guttie.
  5. Signal ist das Klingeln.
  6. Ziel erreicht: Sobald der Hund nicht mehr bellt wenn du klingelst.

Trainingstabelle

Jetzt kannst du dir für dein Training eine Tabelle erstellen, oder dir auf jede beliebige Weise Notizen machen.

Ein mögliches Beispiel für eine Tabelle für diesen Schritt:

Trainingsnotizen

Eine mögliche Lösung von vielen für eine Trainingstabelle

Diese Tabelle macht deutlich, wie du im Training fortschreitest von Durchgang zu Durchgang in einer Session. Die 80% Erfolgsquote am Ende sehen schon sehr gut aus. Hier könntest du deine erste Session beenden. Am nächsten Tag machst du erneut so einen Durchgang, und wenn du wieder 80% Erfolg hast, gehst du im nächsten Durchgang zu Schritt 2 über.

Jetzt ist dir klar, dass es kein Hexenwerk ist, einen guten Trainingsplan zu erstellen. Natürlich gibt es noch viel mehr zu erfahren über Training und Pläne dafür. Aber hiermit hast du eine gute Grundlage, mit der du jetzt sofort beginnen kannst. Viel Vergnügen!