Sensibler Hund? 6 Tipps zu einem entspannten Alltag

Sensibler Hund?

6 Tipps zu einem entspannten Alltag

Das Problem

Hast du das Gefühl, dein Hund ist empfindlicher als andere Hunde? Ist er oft aufgeregt, und kann dann nicht auf dich achten? Ist er häufiger als andere Hunde unruhig, kann schlecht entspannen nach dem Gassi oder Spiel, oder braucht er lange Zeit, um nach aufregenden Ereignissen wieder „normal“ zu werden? Kommt er besonders schlecht mit neuen Situationen zurecht?

Wer so einen Hund hat, fragt sich vielleicht: „Warum kann der nicht einfach so sein wie andere Hunde?“ oder „Warum muss gerade ich so einen Hund bekommen?“ oder auch „Was mache ich bloss falsch, dass mein Hund so ist?“

Diese Fragen zu stellen, wenn man selbst betroffen ist, halte ich für vollkommen normal. Schließlich hast du dir das Leben mit deinem Hund irgendwie anders vorgestellt. Entspannter. Einfacher. So wie bei anderen.

Und jetzt ist er da, und du hast ihn auch lieb, deinen Hund. Wenn er nur nicht immer so ….

Die Lösung

Diese Fragen führen dich in eine Schleife der Hilflosigkeit. Du führst dir nur die negativen Seiten deines Hundes vor Augen, und bemitleidest dich. Denke statt dessen an eine mögliche Lösung.

  • WIE kann ich erreichen, dass mein Hund entspannter wird?
  • WOMIT kann ich meinem Hund helfen, damit er besser mit den aufregenden Situationen klarkommt?
  • WAS kann ich für mich selbst tun, damit ich gelassen mit den Problemen umgehe?

Jetzt gebe ich dir 6 wichtige Tipps für den Umgang mit einem sensiblen Hund.

Tipp 1: Akzeptiere die Eigenschaften deines Hundes

Kein Hund auf der Welt hat nur negative Eigenschaften. Wir bekommen immer ein Gesamtpaket von Eigenschaften. Es gibt gute und schlechte Seiten, sogar manchmal bei der gleichen Eigenschaft.

Eine schnelle, spontane Reaktion auf Reize gefällt uns, wenn die Reaktion auf unseren Rückruf erfolgt. Sie gefällt uns nicht, wenn der Hund einem Blatt nachjagt.

Suche also zu jeder Eigenschaft deines Hundes, die dir nicht gut gefällt nach einer positiven „Kehrseite“. Es kann sein, dass du keine direkte Gegenseite findest, aber dennoch eine andere, positive Eigenschaft dagegen setzen kannst.

Mache dir klar, dass jedes Individuum einzigartig ist. Dein Hund ist genau so einzigartig wie du selbst. Und genau wie du jetzt gerade perfekt bist, so wie du bist, ist es auch dein Hund.

Du möchtest dich vielleicht noch weiter entwickeln, etwas dazu lernen, bestimmte Eigenschaften verändern. Das muss aber nicht heißen, dass du dich selbst nicht akzeptieren solltest, bis du das erreicht hast. Im Gegenteil. Liebe dich heute schon selbst, wie deinen Nächsten oder deinen Hund. Die Selbstakzeptanz ist notwendig für die Akzeptanz anderer. Auch wenn der andere dein Hund ist gilt diese Regel.

Obwohl: Ich kann mir auch vorstellen, dass es anders herum funktioniert. Vielleicht gelingt es dir leichter, deinen Hund so zu akzeptieren, wie er ist. Und vielleicht fällt es dir nach diesem Schritt leichter, dich selbst genau so wie deinen Hund zu akzeptieren und zu lieben, so wie du bist.

Tipp 2: Finde eure Orte der Sicherheit und nutze sie

Jeder Hund braucht vor allem Sicherheit. Sensible Hunde noch viel mehr. Darum ist ein sicherer Platz eine wichtige Einrichtung in deinem Haushalt.

Gibt es einen Ort, an dem sich dein Hund häufiger als woanders aufhält? Oder einen Ort, wo er Zuflucht sucht, wenn er Angst bekommt?

Gibt es einen Platz, an dem ihr wundervolle Kuschelzeiten erlebt?

Alle diese Orte können Kraftplätze sein für deinen Hund. Diese Plätze wird er aufsuchen, wenn er alleine sein muss. Oder auch einfach so zum Schlafen und Ruhen.

Besonders wenn dein Hund sich nicht so gut durch Berührung entspannen lässt, wird er von solchen Plätzen profitieren.

Tipp 3: Entspannung fördern & genießen

Auch dir tut es gut, einen Platz zu haben, an dem du regenerieren kannst. Du hast auch nur eine begrenzte Menge an Impulskontrolle zur Verfügung, und dein sensibler Hund sorgt ja öfter mal dafür, dass es schneller zu Ende ist mit der Impulskontrolle als du denkst. Dann musst auch du deine Batterien wieder aufladen. Dein Kraftplatz wird dir dabei helfen.

Mein spezieller Kraftplatz

Grace und ich haben einen gemeinsamen Kraftplatz auf dem Sofa. Wenn ich dort liege, kommt sie ganz dicht an mich heran, sie wirft sich förmlich an meine Seite, um ganz festen Druck am Rücken zu spüren. Ich liebe diese feste Berührung genau wie sie. Mich entspannte es unglaublich, so mit ihr auf dem Sofa zu liegen, wenn auf der einen Seite die Rückenlehne des Sofas ist und auf der anderen Seite Grace. Mein spezieller Kraftplatz!

Genieße solche Momente der gemeinsamen Ruhe und Entspannung. Sie sind wichtig, und genau dann findet die Abspeicherung von Lerninhalten statt. Dein Hund lernt also im Schlaf, genau wie du. Es ist nicht nutzlos, einfach mal Pause zu machen, und zu entspannen.

Wenn du deinen Hund zusätzlich gezielt entspannen möchtest, schau mal hier:

Immer gechillt?

Du kannst ein Entspannungswort aufbauen, das du in aufregenden Situationen anwenden kannst, um deinen Hund zu entspannen. Dadurch wird er nicht plötzlich tiefenentspannt sein, aber deutlich leichter ansprechbar.

Tipp 4: Überfordere euch nicht

„Wieso „euch“? Hier soll es doch eigentlich um meinen Hund gehen? Aber dauernd schreibst du von mir? Warum?“ höre ich dich fragen…

Nun, wie schon erwähnt, ich gehe davon aus, dass das Zusammenleben mit einem Hund an sich schon öfter mal eine Herausforderung ist, aber mit einem besonders sensiblen Hund noch viel mehr.

Ich weiß das. Grace halte ich auch für besonders sensibel. Und von mir weiß ich seit wenigen Wochen, dass ich auch sensibel bin. Nachdem ich mich damit tiefer auseinander gesetzt habe, merke ich jetzt, dass ich mir oft zu viel zumute. Das heißt nicht, dass ich mich verhätscheln muss, oder dauernd auf mich Rücksicht genommen werden muss. Im Gegenteil.

Fordern ohne zu überfordern ist das Passende.

Noch besser wäre: Fördern statt Überfordern.

Das bekannte Prinzip der kleinen Schritte im Hundetraining ist also wie für uns gemacht.

Denn auch unsere Hunde müssen wir nicht verhätscheln, sondern sollten sie fördern, um ihre Grenzen nach und nach so gut es gelingt zu erweitern.

Damit das möglich ist, muss sich der Hund dabei sicher fühlen. Überforderung verunsichert, während das Bewältigen einer potenziell schwierigen Situation ein gutes Gefühl macht.

„Yeah, ich habe es geschafft, obwohl es gar nicht so leicht erschien!“

So sollte auch dein Hund fühlen, und gemeinsam mit dir alle Schwierigkeiten des Lebens meistern.

Und du? Na, dir geht es genauso, oder?

Tipp 5: Nutze die positive Verstärkung

Wer jetzt nicht weiß, was das ist, kann hier mal nachlesen:

Was du über Belohnung und Strafe wissen solltest

Oder hier: Warum du möglichst stressfrei trainieren solltest..

Positive Verstärkung ist kurz gesagt Training mit Belohnungen. Es ist die Haupt-Trainingsart, die ich nutze. Insgesamt gibt es vier grundlegende Dinge, die wir tun können, 2 sind Strafen und 2 sind Verstärker, also belohnende Möglichkeiten.

Die positive Verstärkung nutzt Belohnungen, die wir dem Hund geben für gutes Verhalten. Durch diese Trainingsart lernt er, selbst Kontrolle zu übernehmen. Er lernt, was zum Erfolg führt, und kann ganz bewusst solche Verhalten zeigen, die zu Belohnungen (= Verstärkern) führen. Dadurch bekommt er Kontrolle über sein Leben, denn er kann aktiv etwas verändern.

Mit Belohnungen zu trainieren ist nicht einfach nur Leckerchen füttern. Du wirst ein paar Dinge lernen müssen, um alles richtig zu machen. Aber es ist nicht in dem Sinne kompliziert, zumindest nicht, wenn du einen erfahrenen Trainer an der Seite hast. Wir sind dafür da, die Lernschritte für dich so zu gestalten, dass es dir leicht fällt. Und du machst das Gleiche für deinen Hund.

Die Positive Verstärkung ist eine Lebenseinstellung, wenn man sie bewusst und mit Haut und Haaren betreibt. Sie wird dich beeinflussen, es sei denn, du bist sowieso schon gut dabei, andere eher zu loben als zu kritisieren.

Dadurch dass du dich nicht ständig „groß machen“ oder kämpfen musst gegen deinen Hund profitiert eure Beziehung. Dein Hund versteht dich viel besser. Würdest du hauptsächlich strafen,  wärst du für ihn ein Sicherheitsrisiko. Wieso sollte er dir dann noch vertrauen?

Jeder Hund profitiert von einer fairen und freundlichen Erziehung bzw. Training. Aber sensible Hunde brauchen dies unbedingt.

Du brauchst keine Angst haben, dass dir dein Hund auf der Nase herumtanzt, wenn du ihn nicht regelmäßig in die Schranken weist. Wenn du die Kraft der positiven Verstärkung noch nicht erlebt hast, kannst du das vielleicht noch nicht ganz verstehen.  Vertraue dann einfach, und schau und fühle, was passiert.

Vielleicht registrierst du schon bald eine Veränderung.

Tipp 6: Kündige Handlungen an deinem Hund an

Für die meisten Hunde ist es hilfreich, alle Handlungen am Hund anzukündigen. Und dein sensibler Hund profitiert wieder ganz besonders davon. Was meine ich mit „Ankündigen“?

Wenn ich…

  • Grace anleine, sage ich: „Leine.“
  • das Geschirr anziehe, sage ich: „Anziehen.“
  • Grace überraschend anfasse, zum Beispiel um eine Zecke abzusuchen, sage ich: „Anfassen.“
  • die Ohren ausputze, sage ich: „Örchen.“

Warum? Weil ich so nichts tue, was sie erschrecken könnte. Sie weiß, was gleich passiert, und kann sich darauf einstellen. So kann ich Vokabeln aufbauen, die ich auch als Frage nutzen kann. Wenn Grace zum Beispiel unruhig herum läuft, kann ich fragen: „Musst du Bächlein?“ Sie antwortet „ja“, indem sie zur Tür läuft. Oder ich frage: „Soll ich dich streicheln?“ und sie kommt zu mir und zeigt mir, wo ich sie streicheln soll.

Sogar „Spielen“ haben wir als Wort aufgebaut. Dann kann ich ankündigen, dass ich in Spiellaune bin, oder teile ihr mit, dass das Spiel jetzt weiter geht.

All das macht deshalb Sinn, weil der Hund mehr Informationen bekommt als nur unsere Körpersprache. Er muss nicht immer raten, was jetzt wohl passiert, sondern bekommt ganz klare Infos. Er erschrickt nicht durch Berührungen, von denen er nichts ahnte.

Gerade sensible Hunde wissen das zu schätzen. Ich habe noch keinen Hund gesehen, der Ankündigungen „albern“ fand. Menschen schon…

Lasse dich davon bitte nicht beirren. Gehe deinen Weg. Wenn du weißt, warum du etwas tust, sollte dich niemand davon abhalten, es zu tun.

Möchtest du in meine Facebook-Gruppe eintreten? Dort bekommst du nicht nur die Unterstützung von einer großartigen Community und mir, sondern viele wertvolle Tipps rund um dein Training mit Hund.

Hier geht´s zur Facebook-Gruppe „Train with the brain“

By |2019-01-07T15:05:33+00:00Januar 7th, 2019|Entspannung für Hunde, Hundetraining allgemein, Mindset|0 Comments

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Bettina Haas, Hundetrainerin aus Leidenschaft, zeigt dir, wie du zum besten Freund und Trainer für deinen Hund wirst. Damit du schnell und nachhaltig zum Erfolg kommst und dein Leben mit Hund (wieder) richtig genießen kannst!

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