So nutzt du den Spaziergang mit deinem Hund als Anti-Stress-Programm

So nutzt du den Spaziergang mit deinem Hund als Anti-Stress-Programm für dich

Weihnachtszeit – Stille Zeit

Das war einmal.

Heute ist der Trubel groß, Angebote schreien uns tagtäglich an. Kaufe mich, buche mich, sei die Schönste hiermit, sei die Beste damit… Du musst dies und das unbedingt tun. Dekoriere die Bude, damit Weihnachten bei dir einzieht. Plätzchen backen ist natürlich ebenfalls erste Bürgerpflicht. Glühwein will getrunken werden, die eine oder andere Weihnachtsfeier wartet auf dich. Und dann sind da noch die Geschenke, die besorgt werden müssen, für die ganze Familie, die Freunde und Verwandten…

Ist es bei dir so?

Wenn es so ist und dir gefällt, dann lies gar nicht weiter. Hier erfährst du nur, wie du all dem Stress entgehen kannst. Wenn du es liebst, wenn es so turbulent zugeht, dann hast du jetzt 5 Minuten mehr Zeit, weil du dir den Rest sparen kannst. Auch schön, oder?

Wenn dich der Stress stört, habe ich vielleicht ein wenig Hilfe für dich. Oder auch viel. Je nachdem, was du draus machst.

Dein Hund als Coach

Ist dir schon mal aufgefallen, dass Tiere immer im Hier und Jetzt sind? Das tut uns auch mal gut. Denn viel zu oft denken wir in die Zukunft oder hängen der Vergangenheit nach.

Aber wie macht man das? Die Gedanken sind das schon so gewohnt, sich um nachher, um morgen oder um nächste Woche zu kümmern. Sie scheinen sich selbstständig zu machen. Wie bekomme ich das in den Griff?

Stelle dir für jeden Spaziergang eine kleine Aufgabe.

Denke immer wieder an diese Aufgabe, und führe damit deine Gedanken zurück in die Gegenwart. Sei nicht ärgerlich, wenn du sie immer wieder dabei ertappst, dass sie weit, weit weg waren… Das ist normal. Mit etwas Übung kannst du das aber ändern.

Ideen für Achtsamkeitsaufgaben

Du kannst jeden Tag auf etwas anderes achten, oder natürlich auch an einem Tag (oder Spaziergang) mehrere kleine Achtsamkeitsübungen machen.

Falls du das Wort schon nicht magst, nutze für dich einfach ein anderes Wort. Aufmerksamkeit, innere Aufmerksamkeit, oder die „nimm dich wichtig“-Gedanken.

Schreibe mir gerne mal, wie du es nennst.

Grundsätzlich können wir allem und jedem Achtsam begegnen

  • dem eigenen Atem
  • der Luft um uns herum
  • den Wolken, dem Himmel über uns
  • den eigenen Bewegungen, und da wieder unterteilt in verschiedene Körperregionen
  • dem Boden unter unseren Füßen
  • dem Wunder, dass wir nicht vom Boden fallen können
  • der Ameise, der wir begegnen
  • dem Greifvogel, der hoch am Himmel kreist
  • dem kleinen Zaunkönig, der durch das dichte Astwerk huscht
  • der kleinen Maus, die rasend schnell den Weg überquert
  • eigenen Bewegungen
  • unserem Hund
  • anderen Menschen
  • deinen Gefühlen

Beobachte deinen Hund

  • Wie geht er? Schritt, Trab, Pass?
  • Welche Form beschreibt sein Weg? Gerade? Geschlängelt?
  • Was interessiert ihn? Wo schnüffelt er lange?
  • Wie trägt er seine Rute?
  • Wie bewegen sich seine Ohren?
  • Wann schaut er zu dir?
  • Was tust du, wenn er zu dir schaut?
  • Wo schaut er sonst hin?
  • Wie schaut er das an, angespannt oder freudig, ärgerlich oder vollkommen neutral?

Tauche einmal ganz ein in deinen Hund. SEI dein Hund. Versuche, zu riechen, was er riecht, fühle dich hinein, wie sich sein Körper bewegt. Ist er glücklich? Oder angespannt?

Klar, wir Menschen können nicht schnüffeln wie ein Hund, und werden auch durch noch so viel Achtsamkeit nicht erreichen, dass wir die gleichen Informationen bekommen über die Gerüche wie er.

Aber wenn du immer wieder eintauchst in die Hundewelt verändert sich deine Sicht auf den Hund. Du wirst verstehen, warum er jetzt dort an einem Grashalm stundenlang steht und die Luft einsaugt. Es duftet einfach wahnsinnig interessant für ihn.

Wenn du deinen Hund voller Aufmerksamkeit und innerer Stille betrachtest, siehst du vielleicht Dinge, die dir bisher entgangen sind. Trägt er seine Rute immer mehr links oder mehr rechts? Bewegt er sich irgendwo nicht ganz rund? Möglicherweise stellst du fest, dass er Probleme hat im Bewegungsapparat, und kannst ihm jetzt helfen.

Oder du siehst, wie schön seine Bewegungen sind, wie flüssig der Ablauf vonstatten geht, wie die Muskulatur unter dem Fell arbeitet.

Weniger ist mehr

Ich finde es viel erholsamer, nicht alles auf einmal zu beachten. Denn dann sind wir doch schon wieder im Stress, oder?

Viel schöner finde ich es, wenn ich einfach in mich hinein fühle, um zu schauen, auf welchen Punkt ich mich konzentrieren möchte. Brauche ich mir selbst gegenüber meine Achtsamkeit? Oder möchte ich sie auf meinen Hund richten? Oder auf etwas anderes?

Eines schließt das andere dann in Wirklichkeit nicht aus. Denn deine Gedanken tun ja immer noch ein bisschen, was sie wollen…

Wie Regen riecht

Ich habe heute bewusst den Regen gespürt. Wie sich die Tropfen anfühlen, wenn sie auf meinem Kopf und meiner Jacke aufkommen. Wie manche Tropfen nach und nach in den Kragen laufen, den Hals hinunter. Wie sie klingen, das sanfte Rauschen vieler Regentropfen auf den Boden. Wie laut die Autos plötzlich sind, weil die nasse Fahrbahn mit den Reifen Geräusche erzeugt. Wie rein die Luft ist, weil sie vom Regen „gewaschen“ wurde. Wie das Gras glänzt durch die Nässe. Wie es sich anfühlt, durch eine Pfütze zu laufen. Wie es riecht.

Ganz bei mir ankommen kann ich, indem ich meine Bewegungen beobachte. Sind die Schultern locker? Lockere sie, wie fühlt sich das an? Schwingen sie anders, sind sie weicher, geschmeidiger?

Wie setzt du den Fuß auf? Was tut dein Knie beim Gehen?

Atmest du tief ein und aus?

Achtsamkeit gegen die Angst

Als Charly noch nicht in den Genuß eines wirklich fairen Trainings gekommen ist, wir also noch ganz am Anfang standen unseres Weges, hatte ich richtige Angst, wenn andere Hunde kamen. Da ich diese Angst einige Jahre mit mir herumgetragen habe, ging sie auch später nicht sofort weg, nur weil wir im Training weiter gekommen sind.

Darum weiß ich, wie sehr mir das Achtgeben auf mich und meinen Körper mir geholfen hat, die Angst zu besiegen.

Ich habe gelernt, die Füße so weit auseinander zu setzen, dass ich mir wie ein Cowboy -äh, Cowgirl vorkam. Wenn ich dazu noch auf meinen Atem achtete, und ihn leicht und locker fließen ließ, oder einmal tief seufzend ausatmete, verschwand schon die Angst. Den Oberkörper aufrichten, sich groß machen, aber locker in den Knien bleiben ist auch hilfreich.  So stehst du voll in deiner Kraft.

Probiere es aus. Es hilft wirklich.

Achtsamkeit gegen den Stress des Alltags

Wenn du die Hundespaziergänge zu einer Achtsamkeitsübung umdeutest, kannst du dich während des Gassigehens erholen. Dafür musst du nicht esoterisch drauf sein, sondern einfach mal den Gedankenfluss unterbrechen und auf etwas Bestimmtes lenken.

Ist es dir schon mal so gegangen, dass du nach einem intensiven Training so ein entspanntes, zufriedenes Gefühl hattest?

Dann hast du Flow erlebt. Du bist eingetaucht in das Erleben des Moments. Du warst im Flow, während du deinen Hund trainiert hast. Fühlt sich gut an, oder?

Ich habe das Glück, täglich Flow zu erleben. Es gibt fast nichts, wo ich nicht in den Flow kommen kann. Offenbar habe ich da eine Gabe. Ich kann in jede beliebige Arbeit eintauchen, und fühle mich erfüllt, wenn ich wieder auftauche. Ja, sogar beim Putzen.

Stress ist immer und überall

Deshalb bin ich natürlich nicht nie gestresst – also, ich meine, dass auch ich Stress habe hier und da.

Ich übe mich aber darin, die Stressoren zu finden und zu beenden.

Es sind manchmal auch nur die Gedanken. Nicht die wirklichen Dinge, sondern das, was wir über die Dinge denken.

Muss Weihnachten alles perfekt sein? Bist du alleine dafür verantwortlich? Geht es überhaupt um Perfektion zu Weihnachten? Was bedeutet das Fest für dich?

Vielleicht möchtest du dieses Jahr das Ganze einmal so feiern, wie du es gerne hättest. Als Fest der Liebe, wie es gedacht ist. Liebe schenken anstatt Konsumgüter könnte eine Möglichkeit sein. Aufmerksam sein für andere. Und für dich selbst.

By |2018-12-03T13:25:31+00:00Dezember 3rd, 2018|Hundetraining allgemein, Mindset|0 Comments

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Bettina Haas, Hundetrainerin aus Leidenschaft, zeigt dir, wie du zum besten Freund und Trainer für deinen Hund wirst. Damit du schnell und nachhaltig zum Erfolg kommst und dein Leben mit Hund (wieder) richtig genießen kannst!

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