Finde heraus, was deinem Hund wirklich Spaß macht!

Kennst du den Unterschied zwischen Belohnung und Verstärker? Eine Belohnung geben bedeutet nicht unbedingt, dass du das Verhalten verstärkst. Dann nämlich nicht, wenn dein Hund sich gar nicht so belohnt fühlt, wie du glaubst. Wenn du gute Belohnungen suchst, musst du wissen, was deinem Hund gefällt. Denn die besten Belohnungen findest du unter den „Hobbys“ deines Hundes.

Möchtest du herausfinden, was deinem Hund wirklich Spaß macht?

Es ist eigentlich ganz einfach. Schreibe dir als erstes alles auf, was dein Hund häufig tut, gerne tun würde (aber vielleicht nicht oder nicht immer darf) und was er tut ohne es zu dürfen. Auf diese Liste kommt alles, wirklich alles, was deinem Hund gefällt. Also auch Socken schreddern, Papier zerfetzen, unaussprechliche Dinge draußen fressen. Oder sich darin wälzen.
Aber natürlich auch die erlaubten Dinge, wie rennen, schwimmen, schnüffeln, Zerrspiele mit dir, Ball geworfen bekommen, Hundekontakt, Suchspiele usw.

Schreibe einfach mal alles auf einen Zettel, was dir einfällt. Beginne jetzt sofort. Nimm dir jetzt Papier und Stift und schreibe alles auf, was dir spontan einfällt.
Du kannst auch ein paar Tage lang sammeln. Immer wenn dir wieder etwas Neues einfällt oder auffällt, was auf diese Liste gehört, schreibst du es dazu.

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Hast du mindestens 20 Sachen gefunden, die deinem Hund Freude machen?

Das ist prima. Jetzt sortieren wir in 3 verschiedene Kategorien.

Schade, nicht erlaubt!
Jetzt streichst du alle rot an, die nicht (nie) erlaubt sind.
Überlege dir, welche Alternativen du deinem Hund bieten kannst. Solche Alternativen sollten zu der Motivation passen, die dein Hund bei der unerlaubten Tätigkeit hat.

Zum Beispiel anstatt die Nachbarskatze zu hetzen, einen Felldummy oder -Futterbeutel hetzen. Statt geklaute, intakte Socken zu schreddern, alte Kleidung, Socken mit Löchern oder alte Handtücher dafür nutzen, in die du einen Knoten machst, damit du immer weißt: Die sind erlaubt.

Geht nicht immer und überall!
Im nächsten Schritt streichst du alle Verhalten gelb an, die manchmal erlaubt sind. Bei mir zum Beispiel Mäuse buddeln, Freilauf /rennen.
Diese Lieblingsbeschäftigungen baust du so oft wie möglich bewusst im Alltag ein.

Geht immer!
Im dritten Schritt streichst du alle Verhalten grün an, die etwas mit dir zu tun haben. Zum Beispiel ein Zerrspiel, oder ein Suchspiel.

Jetzt hast du ein ziemlich genaues Bild über die Bedürfnisse deines Hundes. Bedürfnisse? Ja klar, denn:
Die Hobbys entsprechen genau dem, was dein Hund einfach braucht.

Hast du schon mal daran gedacht, diese Dinge als Belohnung für gutes Verhalten einzusetzen? Du kannst zum Beispiel in der Nähe einer guten Mäusewiese ein paar Schritte an lockerer Leine gehen üben, oder ein schnelles Sitz auf Signal abfragen. Zur Belohnung schickst du deinen Hund zum Buddeln.

Beispiel:
Grace möchte an einer bestimmten Stelle immer gerne im Bach baden. Ich weiß das, und achte vorher auf eine lockere Leine, denn natürlich zieht auch ein junger Trainerhund seinen Menschen gerne dorthin, wo es toll ist.
Zusätzlich möchte ich, dass sie sich setzt und mich kurz anschaut. Ich weiß, WIE hochwertig das Baden für sie ist, und kann deshalb auch etwas mehr verlangen. In ihrem Fall ist es wichtig, das Baden gut kontrollieren zu können, denn sie würde so plötzlich in den Bach springen, dass ich sofort hinterherfliegen würde.

Noch ein Beispiel:
Bevor Grace nach Mäusen buddeln möchte, steht sie voll angespannt da und schaut auf die Stelle, wo sie eine Maus vermutet. Die Rute hoch aufgerichtet, die Spitze zittert vor Aufregung. Ich frage einen kurzen Blickkontakt ab:“Schau!“ Das haben wir schon gut geübt, und sie kann das gut. Wenn sie geschaut hat, sage ich „buddeln“ und sie macht einen wunderschönen Mäuselsprung und beginnt mit den Grabearbeiten.

 

Sortieren nach Wertigkeit
Um diese Belohnungen sinnvoll einsetzen zu können, musst du sie jetzt noch sortieren. Was glaubst du, welches Hobby deinem Hund am wichtigsten ist? Das kommt ganz nach oben auf die Liste.
Und welches Verhalten oder Hobby ist nur dann toll, wenn es sonst nichts Besseres gibt? Das kommt ganz nach unten auf die Liste.

Futterbelohnungen
Du darfst natürlich auch ein paar Futterbelohnungen auf die Liste setzen. Am wichtigsten ist in diesem Zusammenhang, auf welche Art du die Futterbelohnung darbietest. Zum Beispiel kannst du einen alten Socken mit Leckerchen füllen, an einer Schnur befestigen und deinen Hund das Ding hetzen lassen. Dann darf dein Hund ihn zerfetzen und die Leckerchen am Ende fressen.

Top-Twenty-Liste
Wenn du die Liste sortiert hast, hast du eine ganz tolle Top-Twenty-Liste in den Händen. Sie ist ein wertvoller Anhaltspunkt für dich und dein Training. Denn du kannst jetzt diese ganzen tollen Belohnungen als Verstärker für erwünschtes Verhalten einsetzen. Du hast sicher schon gehört, dass ein Verhalten, das du häufiger sehen möchtest, verstärkt werden muss.
Verstärken bedeutet, dass es sich für den Hund lohnt, das Verhalten zu zeigen. Viele der von uns gewünschten Verhalten lohnen sich normalerweise nämlich überhaupt nicht für den Hund. Und genau das kannst du ändern!

In Zukunft fragst du dich also:

  • Was möchte ich von meinem Hund öfter sehen?
  • In welchen Situationen möchte ich das?
  • Welche Verstärker aus der Top-Twenty-Liste kann ich dafür verwenden?

Jetzt verrate ich dir noch, welchen Fehler viele Hundehalter machen, wenn sie eine Top-Twenty-Liste benutzen. Dieser Fehler kostet sie nämlich viel Trainingszeit…

Der häufigste Fehler, der mit der Top-Twenty-Liste gemacht wird

Es werden nur die zwei oder drei hochwertigsten Belohnungen verwendet.

Das ist nicht sinnvoll, denn dein Hund bekommt kaum Überraschungen. Er weiß schon, jetzt kommt dies oder das. Es ist nicht lange spannend, auch wenn es am Anfang super funktioniert.

So machst du es richtig

Verwende von Anfang an alle Verstärker aus der Liste.

Mache dir vor und nach dem Training ein paar Gedanken und Notizen:

  • Frage dich: „Was ist mir gerade wichtig, woran will ich trainieren?“
  • Womit möchte ich verstärken?
    • Wähle mindestens 5 verschiedene Verstärker aus deiner Liste aus
    • Nimm die eventuell nötigen Dinge dafür mit.
    • Plane die Zeit mit ein in die Gassi-Runde.
  • Trainiere das gewünschte Verhalten sehr bewusst.
  • Nutze verschiedene Verstärker.
  • Mache dir danach Notizen:
    • was hast du trainiert?
    • in welcher Situation / Ort hast du trainiert?
    • welche Verstärker hast du benutzt?
    • wie kamen sie bei deinem Hund an?

Wenn du auf diese Weise Struktur in dein Alltagstraining bringst, kommst du viel schneller vorwärts. Dein Hund findet es viel wichtiger, auf deine Signale zu achten, denn sie führen unmittelbar zu seinen Lieblingsbeschäftigungen. Er wird zufrieden sein, glücklich und ausgelastet. Und du?

Du bist stolz auf deinen Hund.