Die besten Übungen, um Hundebegegnungen entspannt zu gestalten

Die besten Übungen, um Hundebegegnungen entspannt zu gestalten

Ohje, da vorne kommt ein fremder Hund – was mache ich jetzt nur?

Kennst du das? Du siehst aus der Ferne ein anderes Team oder einen freilaufenden Hund kommen, und dir rutscht das Herz in die Hose…du hast keine Ahnung, was du tun sollst. Du möchtest am liebsten vom Erdboden verschwinden.

Da kann ich dir leider nicht bei helfen, aber sehr wohl kann ich dir helfen, die Situation mit hoch erhobenem Kopf freudig vergnügt zu überstehen.

Ist-Zustand ermitteln

Der erste Schritt für dich ist, deinen derzeitigen Ist-Zustand zu ermitteln. Schau den Dingen mal genau auf den Grund. Hast du Angst, weil dein Hund gefährlich sein könnte?

Wie gefährlich ist dein Hund? Würde er beißen, wenn der andere zu nah kommt?

Könnte er sich losreißen, weil er sehr groß und stark ist, und du dagegen eher leicht?

Lösungen für gefährliche Hunde

Es ist wichtig, dass du deinen Hund körperlich halten kannst, besonders dann, wenn er gefährlich reagieren könnte, weil du erst beginnst zu trainieren. Hier zeige ich dir drei Lösungen für große Hunde, die schwer zu kontrollieren sind und eventuell gefährlich reagieren könnten.

1. Das Halti

Wenn das der Fall ist, rate ich dir, ein Halti zu verwenden. Den Gebrauch zeige ich dir gerne, es ist richtig verwendet kein Folterwerkzeug, sondern hilft dir,  die Kräfteverhältnisse wieder gerade zu rücken.

Ein Halti ist ein Kopfhalfter für Hunde. Der Hund muss zuerst in Ruhe lernen, das ungewohnte Ding zu akzeptieren, was mit Futterbelohnungen meistens recht schnell klappt.

Dann zeigst du deinem Hund, dass du ihn sanft herumlenken kannst am Halfter, und er bekommt jedes Mal bei dir Futter. Das ist grob zusammengefasst alles. Natürlich gibt es sehr viel mehr im Detail zu erzählen, aber das würde jetzt zu weit führen.

Aber bitte: Nur der sachgerechte Gebrauch macht Sinn! Ein Halti kann falsch genutzt sehr gefährlich für den Hund sein!

2. Der Maulkorb

Es gibt natürlich auch noch die Möglichkeit, ihm einen Maulkorb aufzusetzen, der ebenfalls in Ruhe antrainiert werden muss. Auch mit einem Maulkorb kann ein Hund rempeln und äußerst unhöflich reagieren, aber Bißwunden werden vermieden. Insofern hast du auch mit einem Maulkorb eine gewisse Sicherheit, dass nichts passieren kann.

3. Das Geschirrgriff-Signal

Wenn dein Hund ein Geschirr trägt, kannst du lernen, mit Ankündigung in das Geschirr zu greifen. Die Ankündigung ist dabei sehr wichtig, weil dein Hund sonst erschrecken könnte und nach hinten zu beißen versucht. Diese Ankündigung nennen wir das „Geschirrgriff-Signal“.  Das Geschirrgriff-Signal ist ein Stopp-Signal, das sehr sorgfältig aufgebaut werden muss, dann aber sehr gut funktioniert. Mit dem Signal kannst du natürlich jeden Hund stoppen, denn wenn er gelernt hat, was es bedeutet, stoppt er sich in seiner Vorwärtsbewegung, egal was er selbst wiegt.

Nicht bis zum Lebensende

Aus diesen drei Möglichkeiten kannst du frei wählen. Nimm am besten das, womit du dich selbst am sichersten fühlen würdest.

Übrigens muss dein Hund weder einen Mauli noch ein Halti für den Rest seines Lebens tragen, nur weil du das jetzt sicherheitshalber verwenden möchtest. Denke daran, es sind Trainings-Hilfsmittel! Dein Hund kann mit Hilfe dieser Dinge neues Verhalten lernen, und benötigt am Ende die Hilfsmittel nicht mehr.

Wenn dein Hund Angst hat

Falls dein Hund eher flüchtet, wenn fremde Hunde kommen, macht ein Sicherheitsgeschirr Sinn. Das ist ein erweitertes Brustgesschirr, mit einem zusätzlichen Teil weiter hinten am Körper, damit dein Hund nicht einfach aus dem Geschirr aussteigen kann. Auch das ist kein Folterwerkzeug, sondern soll helfen, die Gefahr des Flüchtens zu verhindern. Hunde die panisch davon laufen, schauen nicht, wohin sie laufen. Das ist bei unserem Straßenverkehr äußerst gefährlich, und außerdem finden diese Hunde nicht zurück, weil sie eben überhaupt nicht darauf achten, wo sie entlang laufen.

Dass du das Geschirr nicht dazu verwendest, deinen ängstlichen Hund einfach durch die Situation zu zerren, versteht sich von selbst, oder?

Weitere Hilfsmittel

Spiel

Angst ist ein sehr großer Stressor. Wenn ein Hund gerade wirklich Angst hat, kann er weder fressen noch spielen. Dennoch hat gerade das Spiel bei der Bewältigung von Angst einen sehr hohen Stellenwert. Spiel kann die Angst reduzieren, wenn sie noch nicht ganz so groß ist, dass spielen nicht mehr möglich ist.

Darum kannst du für einen ängstlichen Hund am besten immer ein paar Lieblingsspielzeuge mitnehmen, und bietest Spiel an.

Das baust du zunächst in vollkommen entspannten Situationen auf, so dass sich dein Hund daran gewöhnt, draußen zu spielen mit dir. Erst wenn es in den sicheren Situationen gut funktioniert, testest du vorsichtig, wenn am Horizont ein Hund auftaucht, oder was immer deinen Hund in Angst versetzt.

Futter

Manche Hunde profitieren auch von Futter. Um Futter therapeutisch anzuwenden, also in der Anwendung einer Gegenkonditionierung, muss es wirklich etwas richtig Gutes sein. Es muss deinen Hund absolut von den Socken hauen, dass es das jetzt gibt.

Bei Geräuschempfindlichkeit kann das zum Beispiel sehr helfen. Sobald ein Knall ertönt, schiebst du deinem Hund einen Hamburger in die Schnauze.

Training

Jetzt ging es die ganze Zeit um Gegenstände, die dir helfen, Hunde- und andere Begegnungen sicher und angenehm zu gestalten. Sicherheit geht immer vor. Darum finde ich es logisch, dass du zuerst diese Dinge für dich entdeckst. Du musst dich sicher fühlen und sicher sein. Nur dann kannst du deinem Hund so helfen, dass er schnell lernen kann.

Wenn du selbst bereits große Ängste entwickelt hast, weil die Erfahrungen für dich jedes Mal schrecklich waren, möchte ich dir etwas sagen:

Du kannst Ängste sehr schnell hinter dir lassen. Viel schneller, als du glaubst. Ich kann dir dabei ein bisschen helfen, aber ein professioneller Therapeut, am besten einer der NLP beherrscht, kann es noch besser. Zögere nicht, dir hier professionelle Hilfe zu holen, denn dann hast du das Problem gleich beseitigt, anstatt es mit dir herum zu schleppen.

Im Folgenden zeige ich dir meine Lieblings-Übungen, mit denen ich Hundebegegnungen meistere.

Handtouch

Der Handtouch ist ein Nasentouch an der Hand, also der Hund stupst mit seiner Nase an meiner Hand an.

Mit dem Handtoch kannst du deinen Hund leicht und ohne Leinenzerren  von A nach B führen. Du kannst ihn zum Beispiel an die Seite des Weges führen, auf die andere Seite von dir, du kannst ihn umkehren lassen, und vieles mehr.

Der Handtouch  gehört für mich zu den wichtigsten Werkzeugen, weil er ein stressfreies Handling ermöglicht. Wenn du nämlich deine Hund häufig mittels der Leine von einem Ort zum anderen ziehen musst, kommt Stress auf. Viele Hund sperren sich vollkommen gegen den Leinenzug, das ist ein natürlicher Reflex. Er heißt „Oppositionsreflex“. Zug erzeugt Gegenzug, Druck erzeugt Gegendruck.

Mit dem Handtouch brauchst du nicht mehr zu kämpfen, sondern hast eine elegante Lösung.

Seitenwechsel

Du kannst wie schon erwähnt, den Handtouch verwenden, um deinen Hund von einer zur anderen Seite zu bringen. Aber natürlich kann er auch lernen, auf ein anderes Signal hin die Seite zu wechseln.

Wenn euch Teams entgegen kommen, wäre es ja toll, wenn beide Hunde auf der äußeren Seite ihres Menschen laufen, denn dann haben sie den größtmöglichen Abstand zueinander.

Darum halte ich nichts von der ur-alten Regel, dass Hunde immer links geführt werden. Ich führe meinen Hund immer an der Straßen-abgewandten Seite, und an der Hunde-abgewandten Seite.

Mein Signal für den Seitenwechsel ist : „Komm herum“.

Ich habe das Signal erst dann dazu gesagt, nachdem ich mittels Handtouch den Seitenwechsel flott geschafft habe. Erst wenn du sicher bist, dass dein Hund jetzt die Seite richtig gut wechselt, gibst du dein Wortsignal davor.

Schritt 1:

– Handtouch führt den Hund zur anderen Seite

– Dort gibt es Marker & Belohnung.

Schritt 2:

– Wortsignal

– Handtouch führt den Hund zur anderen Seite

– Dort gibt es Marker & Belohnung.

Ich sehe dich schon: Euch kommt ein anderes Team entgegen, du sagst lässig dein Signal für den Seitenwechsel, dein Hund geht – schwupps – an deine andere Seite, du gibst ihm lächelnd sein Leckerchen und lobst ihn, und schon seid ihr am anderen Team vorbei. Klasse, oder?

Deeskalierend sitzen

Manche Hunde mögen selbst lieber statisch warten, bis der andere vorbei geht.

Dann ist das deeskalierende Sitzen perfekt. Das geht auch ganz einfach.

Du übst das natürlich zuerst wie immer ohne dass euch ein Team begegnet!

Je nach dem, wo dein Hund gerade geht, kannst du deinen Hund verschieden in die Sitzposition bringen.

Zum Beispiel:

  • Mit dem Handtouch führen
  • Selber rückwärts gehen und „einparken“
  • Mit Futter locken
  • Futter streuen, fressen lassen, dann Hund sitzen lassen
  • Zu mir = lauf auf mich zu und setze dich vor mich hin

Ich liebe das rückwärts Gehen und einparken. Manchmal kombiniere ich es mit dem Signal „zu mir“, das kennt Grace ziemlich gut.

Das rückwärts Gehen ist total gut, wenn dein Hund an langer Leine vor dir geht. Du sprichst ihn an, er schaut (hoffentlich!) zu dir und du beginnst sofort, rückwärts zu gehen. Dein Hund wird dir folgen, weil das eine sehr einladende Bewegung ist. Du gehst ein paar Schritte rückwärts, und biegst dann seitlich an den Wegrand ab, so dass dein Hund mit dem Rücken zum Weg sitzt, und du den Blick zum Weg hast.

Diesen Vorgang musst du einige Male ganz in Ruhe üben, es ist aber nur ungewohnt, nicht schwierig. Aber sei vorsichtig, dass du nicht rückwärts über etwas fällst! Schau immer mal nach hinten, um sicher zu sein.

Sobald dein Hund so sitzt, gibt es natürlich das Markersignal und Futter! Jetzt kannst du deinen Hund dafür markieren, dass er zum anderen Team hinschaut, und Futter gibt es bei dir. Lasse ihn immer wieder kurz hinschauen, und füttere bei dir.

Sobald der andere vorbei gegangen ist, wirfst du dein letztes Bröckchen in deine Gehrichtung, damit dein Hund nicht aus Versehen doch noch hinter dem anderen her bellt oder hin läuft.

Das bewegte Futter ist ein spannender Reiz, dem er sicher folgen kann.

Du kannst aber auch das letzte Futter genau so aus deiner Hand geben wie vorher, und dann weiter gehen.

Das deeskalierende Sitzen hilft sowohl deinem Hund als auch dem anderen, denn beide sind nicht mehr frontal zueinander.

Einen Bogen laufen

Für Hunde, die sich gerne bewegen, bietet sich das Laufen eines kleinen Bogens an. Dazu gehört der Seitenwechsel: Der Bogen wird ja nur sehr gering gehalten, und als Zusatz darf dein Hund noch zu deiner anderen Seite wechseln.

Wenn du den Bogen schön deutlich gehst, also wirklich zur Seite abbiegst, machst du eine deeskalierende Bewegung, die den anderen Hund deutlich entspannter machen wird. Das frontale aufeinander zu Laufen wird unterbrochen durch eine Seitwärtsbewegung.

Mit dem größeren Abstand zueinander kannst du dann wieder in die Gehrichtung weiter gehen, und kehrst dann auf den Weg zurück, sobald ihr das andere Team passiert habt.

Torkeln

Eine lustige Übung, die ebenfalls das frontale Gehen in deeskalierendes Gehen verwandelt. Du torkelst mit deinem Hund den Gesteig entlang, von links nach rechts, und von rechts nach links. Als wärest du betrunken.

Dein Hund ist also fast nur von der Seite zu sehen für den anderen Hund.

Natürlich wird dieser noch näher kommen, und dafür brauchst du am Ende noch weitere Lösungen. Aber für die Zeit des Näherkommens ist das torkeln eine wunderschöne Sache.

Vielleicht hast du ja auch plötzlich den Gehsteig für dich, weil das andere Team geflüchtet ist…

U-Turn

Der sogenannte U-Turn bedeutet, dass du mitsamt deinem Hund auf ein Signal hin umkehrst, und in die Gegenrichtung rennst oder gehst.

Das ist ein Notfall-Signal, falls eine Situation besteht, die dich oder deinen Hund komplett überfordern würde. Mit dem U-Turn hast du eine Möglichkeit, elegant den Rückzug anzutreten.

Du ahnst es schon – auch dieses Signal muss zuerst ohne Notfall geübt werden.

Ich habe es so genannt, wie es heißt: „U-Turn!!“ und auf dem Absatz kehrt gemacht – und eine ganze Hand voll Leckerchen in die neue Laufrichtung geworfen.

In diesem Fall übe ich das Signal gleich mit – denn der Hund wird auf das neue, laut gerufene Signal sicher reagieren und lernt sofort, dass gaaannz viele Leckerchen fallen!

Nächstes Mal freut er sich schon, wenn er dich „U-Turn“ rufen hört.

Nach und nach kannst du länger zurückrennen mit deinem Hund, bevor du das Futter wirfst.  Und ja, wenn dein Hund nicht gern frisst, aber sehr gerne Ball spielt, darfst du natürlich auch den Ball werfen, wenn das in der Situation mit Leine und so möglich ist. Auch rennen und ein anschließendes Zerrspiel wäre eine sinnvolle Lösung.

Übungen anpassen

Für alle Vorschläge gilt diese Regel:

Passe die Übungen für dich und deinen Hund an!

Die tollste Übung taugt nichts, wenn sie für dich nicht passt. Ich kenne deine Situation nicht, und weiß nicht, in welchem Zusammenhang du welche Übung nutzen willst. Du kannst alles für dich anpassen, so dass es dir wirklich hilft.

Was immer geht

Was eigentlich immer geht, ist das Markieren des Blicks zum anderen Hund und nachfolgende Belohnen. Wenn dein Hund zu aufgeregt ist, um zu fressen, dann lobe ihn ruhig. Nach ein paar Wiederholungen kann er vielleicht fressen, gib nicht auf.

Je häufiger du markierst & belohnst, um so leichter fällt es deinem Hund, ruhiges Verhalten zu zeigen. Anfangs muss man wirklich ganz schnell nacheinander markieren und belohnen! Nach und nach merkst du, dass dein Hund länger hinschauen kann, ohne gleich aus dem Fell zu hüpfen.

Mehr über das Hinschauen und Markieren & Belohnen erfährst du hier:  So trainierst du Hundebegegnungen ganz entspannt

Zeigen und Benennen

Ganz am Schluss noch eine Übung für Fortgeschrittene: Das Zeigen und Benennen.

Für Fortgeschrittene deshalb, weil dein Hund fähig sein muss, mindestens 5 Sekunden ruhig den anderen Hund anschauen zu können. Erst dann darfst du einen Namen für „Hund“ einfügen.

Der Sinn des Benennens ist, dass du deinen Hund vorwarnen kannst, wenn er mal übersieht, dass sich ein Hund annähert, oder wenn er auf die Ferne nicht ganz sicher ist, was er da sieht. Durch Benennen von relevanten Reizen, also von den Dingen, die bei deinem Hund eine gewisse Unruhe, Angst oder Aggression auslösen, kann man dem Hund helfen, damit umzugehen.

Heute zum Beispiel stand ein Mensch mit Kapuze so seltsam neben unserem Auto, dass Grace sich sehr gefürchtet hat. Sie sah kein Gesicht, nur etwas Grünes Monsterhaftes…. erst als ich a) das Entspannungssignal und b) „Mensch“ sagte, hörte sie auf zu bellen, denn dann erkannte sie, dass das Monster doch nur ein Mensch war.

Außerdem gibt es die Sicherheit, dass ich es auch gesehen habe. Wir können uns so verständigen, indem sie sagt: „Ich fürchte mich davor!“ und ich ihr sage, was es ist, und durch meine fröhliche Unbekümmertheit ihre Angst nehme.

Zeigen und Benennen ist ein Werkzeug für die Verständigung, das Angst nehmen kann und Sicherheit gibt.

Alle diese verschiedenen Übungen ergeben ein Mosaik, mit dessen Hilfe du immer sicherer wirst im Umgang mit Hundebegegnungen.

By |2018-03-01T16:53:34+00:00März 1st, 2018|Hundebegegnungen, Hundetraining allgemein|2 Comments

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Bettina Haas, Hundetrainerin aus Leidenschaft, zeigt dir, wie du zum besten Freund und Trainer für deinen Hund wirst. Damit du schnell und nachhaltig zum Erfolg kommst und dein Leben mit Hund (wieder) richtig genießen kannst!

2 Comments

  1. Sandra 12. Oktober 2018 at 15:14 - Reply

    Ganz toller Atikel!

    • Bettina Haas 12. Oktober 2018 at 19:55 - Reply

      Vielen Dank, Sandra!

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