Der Handtouch – das Allround-Signal

Schweizer Taschenmesser

Es gibt im Hundetraining einige Signale und Spiele, die man als „Schweizer Taschenmesser“ bezeichnen könnte. Sie haben viele Funktionen!

Eines davon ist der Handtouch.

Falls du es noch nicht kennst: Der Handtouch ist einfach eine Berührung von der Hundenase an der Hand der Bezugsperson. Der Hund lernt, auf ein bestimmtes Signal hin mit seiner Nase die Hand seines Menschen zu berühren.

Dazu gehört auch die Übung für Fortgeschrittene, dass der Hund der Hand ein Stück folgt, bevor er das Markersignal hört und seine Belohnung bekommt.

Was ist daran nun das Besondere, und wieso halte ich so etwas Banales für ein Super-Allround-Werkzeug in meiner Signale- und Spiele-Kiste?

Nutzungsmöglichkeiten

Der Handtouch hilft uns, nicht an der Leine ziehen zu müssen oder sonst irgendwie körperlich einwirken zu müssen. Und dafür gibt es unzählige Möglichkeiten.

Hier ein paar meiner Lieblingsbeispiele:

  • Der Tierarzt möchte, dass der Hund genau andersherum steht
  • Du möchtest eine Situation verlassen, die deinen Hund stark ablenkt
  • Dein Hund starrt einen anderen Hund an, und du möchtest es unterbrechen
  • Ein anderer Hund starrt deinen Hund an und du möchtest es unterbrechen
  • Ein Mensch schaut deinen Hund frontal und vornübergebeugt an, und du weißt, das geht nicht gut
  • Du möchtest deinem Hund den Seitenwechsel beibringen
  • Du möchtest einfach so, dass dein Hund auf die andere Seite kommt
  • Als Alternative zum Rückruf
  • Der Weg ist schmal und du möchtest mit deinem Hund ein Stück ausweichen
  • Du möchtest irgendein Verhalten abbrechen

Ich glaube, dir wird klar, warum der Handtouch eine Art Vielseitigkeits-Werkzeug ist, oder?

Die Vorbereitungen zum  Aufbau des Handtouchs

Wenn du jetzt neugierig bist und den Handtouch probieren möchtest mit deinem Hund, dann bewaffne dich zuerst mit einer Ladung Leckerchen. Die dürfen ruhig klein sein, sollten deinem Hund aber gut munden.

Als zweite Vorbereitung musst du dir zunächst klar sein, wie deine Hand aussehen soll für den Hund, wenn du einen Handtouch erwartest. Denn du möchtest sicher nicht, dass du den ganzen Tag eine Hundenase an der Hand kleben hast. (Das war wieder maßlos übertrieben, aber vielleicht kennst du das schon von mir).

Du kannst einen oder zwei Finger ausstrecken, die der Hund berühren soll, oder die ganze Handfläche hinhalten. Du kannst die Hand senkrecht oder waagerecht stellen, wobei ich waagerecht bevorzuge, weil das besonders klar ist für den Hund.

Noch brauchst du kein Wortsignal, denn zuerst wollen wir erreichen, dass der Hund überhaupt die Hand berührt, und wir fügen erst später das Wortsignal ein. Das klingt für viele sehr unlogisch, nicht wahr? Woher soll der Hund denn wissen, dass er die Hand berühren soll, wenn ich kein Wort sagen darf?

Überlege doch mal kurz: Woher soll dein Hund denn wissen, was dein Wort bedeuten soll? Du sagst zum Beispiel „touch!“ und glaubst, dein Hund versteht nun auch spontan Englisch? Aber es ist egal welche Sprache du nutzt, Deutsch versteht er auch nicht besser. Jedes Wortsignal müssen wir ganz ausführlich mit unseren Hunden üben, so richtig wie wir Vokabeln in einer Fremdsprache üben müssen. Erschwerend kommt hinzu, dass Tiere ja gar nicht über eine Sprache in unserem Sinne verfügen, und somit auch nicht das neue Wort mit einem eigenen WORT übersetzen können.

Statt dessen muss sich der Hund eine ganze Situation merken. Dabei merkt er sich jede Menge Zeug, das gar nicht dazu gehört, und lernt erst nach und nach, was er streichen kann und was wichtig ist. Darum ist es so wichtig, möglichst klar in der eigenen Körpersprache zu sein, wenn wir etwas Neues aufbauen.

Das dritte, was dir ungemein helfen wird, den Handtouch zügig aufzubauen ist das Markersignal. Du kannst ein Markerwort nutzen oder den Klicker, ganz wie du möchtest. Falls du noch nie mit einem Markersignal trainiert hast, findest du hier mehr dazu:

Der Handtouch – leicht gelernt

Wer bei mir zuschaut, wie ich seinem Hund innerhalb von wenigen Sekunden den Handtouch beibringe, staunt nicht selten Bauklötze, wie schnell sein Hund lernen kann. Das liegt daran, dass ich weiß, was ich will, und nur das tue. Mein Körper ist ansonsten so ruhig wie möglich. So findet der Hund schnell heraus, dass es etwas mit der Hand zu tun hat.

Natürlich riechen die Hände nach Leckerchen. Und das hilft auch, damit der Hund ein erstes Interesse hat, sich mit der Nase anzunähern. Zufällig kommt es zur Berührung und dann -folgt das Markerwort und es gibt ein Leckerchen.

„Ui,“ denkt sich der Hund, „wie war das gleich? Das hatte was mit der Hand zu tun!“ und nähert sich erneut der hingehaltenen Hand. Schwupps, schon haben wir ein zweites Mal markiert und belohnt. Und ein drittes Mal.

Was ich nicht tue

Auf keinen Fall nähere ich meine Hand an die Nase an. Das treibt den Hund weg von der Hand, er würde zurückweichen oder sogar erschrocken sein.

Lieber bleibt die Hand wo sie ist, oder entfernt sich vielleicht sogar ein paar Zentimeter vom Hund. Ich kann ein bisschen mit der Hand wackeln, so dass der Hund die Aufmerksamkeit wieder auf die Hand legt.

Wenn der Hund mal zögert, die Hand sofort wieder zu berühren, hat er es nicht schon wieder verlernt, und er ist auch nicht stur. Sondern vermutlich hat er es einfach noch nicht so tief und umfassend verstanden, wie es auf den ersten Blick aussieht. Warte einfach ein wenig, und gib ihm Zeit, nachzudenken. Sei dabei ganz ruhig, halte deine Touch-Hand einfach hin, atme und lächle ein wenig.

Meistens kommt er von selbst darauf, was er tun muss. Und genau das ist besonders effektiv. Denn je schneller er begreift, was er selbst tun kann um an sein Leckerchen zu kommen, um so schneller lernt er das was wir wollen.

Worauf du achten musst für effektives Training

Achte darauf, dein Markersignal genau dann zu sagen, wenn du die Hundenase an deiner Hand spürst.

Das ist ein sehr wichtiger Punkt, denn wenn du erst dann dein Markersignal gibst, wenn der Hund schon wieder die Nase zurücknimmt, belohnst du genau das: Das Zurückgehen von der Hand. Du möchtest aber die Berührung der Hand markieren und belohnen.

Du kannst das vorher ohne Hund üben: Suche dir einen menschlichen Partner. Einer ist jeweils der Hund, der andere mimt den Menschen. Die Hundenase (eine Hand des „Hundes“) berührt die hingehaltene Touch-Hand des Menschen. Genau zum Zeitpunkt der Berührung sagt der Mensch das Markerwort (nur wenn der Hund nicht im Raum ist, sonst lieber einfach ein „Jetzt“).

Nach einigen Wiederholungen werden die Rollen getauscht.

Je besser du im Timing mit dem Markersignal bist, um so effektiver wird dein Training.

Wenn es nicht klappt

Was wenn dein Hund nun so gar nicht zur Hand geht mit der Nase, nicht mal ein einziges Mal? Dann nimmst du in die Hand, die er berühren soll, ein Leckerchen. Halte es möglichst etwas versteckt unter deinem Daumen und führe die Hand etwa 20 cm oder etwas mehr vor die Hundenase. Führe die Hand von dort lieber weiter weg vom Hund und niemals näher hin.

Am besten halte sie ruhig und wenn es noch zu schwierig ist, zeige deinem Hund das Leckerchen. Falls auch das nicht hilft, gib ihm als Vorübung einfach so ein Leckerchen nach deinem Markersignal. Marker-Futter, Marker-Futter, Marker-Futter, Marker-Futter.

Investiere in deinen vorsichtigen, lethargischen oder untrainierten Hund ruhig 10 Leckerchen einfach so, du brauchst keine Angst haben, dass er danach nicht mehr mitmacht.

Es sei denn, er ist zu satt. Dann sorge für eine bessere Trainingssituation.

Das gleiche gilt natürlich, wenn du merkst, dass dein Hund zu abgelenkt ist. Neue Signale übt man nicht mit Ablenkungen.

Also noch mal die Übung mit Leckerchen in der Hand:

Dein Hund riecht das Futter, und nähert sich der Hand. Wer will, kann sogar die Annäherung schon markieren, und markiert erst danach langsam immer später bis zur richtigen Berührung. Damit machst du deinem Hund Mut, dass er auf dem richtigen Weg ist. Du gibst ihm jedes Mal nach dem Markersignal das Futter aus der Hand und nimmst dir ein neues Leckerchen für den nächsten Durchgang.

Wenn dein Hund sich ein paar Mal das Leckerchen aus der Touchhand geholt hat, lässt du in Wirklichkeit das Leckerchen weg, tust aber so, als hättest du noch eins. Alles wie vorher, nur hast du kein Futter in der Touchhand. Statt dessen gelingt es dir vielleicht, unbemerkt eines in der anderen Hand parat zu halten. Du machst das Gleiche wie vorher, und wenn die Hundenase an der Hand ist, folgt Marker und Belohnung aus dieser anderen Hand.

Ab jetzt kannst du das Lock-Leckerchen weglassen, und einige Wiederholungen in der normalen Version durchführen. Jetzt wird dein Hund verstehen, dass es eine gute Idee ist, diese auf bestimmte Weise hingehaltene Hand mit der Nase anzustubsen.

Jetzt hast du den Handtouch aufgebaut, und dein Hund wird die Hand immer sicherer berühren mit seiner Nase. Nun bist du in der Lage, ein Wortsignal aufzubauen.

Wortsignal aufbauen

„Na endlich, jetzt wo der Hund alles schon von selbst macht, jetzt soll ich ein Wortsignal aufbauen? Jetzt brauche ich es doch nicht mehr!“

So oder so ähnlich könntest du jetzt denken. Aber ein Wortsignal wird dir im echten Leben sehr nützlich sein. Du wirst das Spiel ja nutzen mit großen Ablenkungen, und da kannst du manchmal mit der Hand wedeln wie du möchtest, ohne dass der Hund darauf reagiert. Ein gut aufgebautes Wort kann dagegen funktionieren.

Wie funktioniert das nun, wenn man ein Wort aufbauen möchte zu einem fertigen Verhalten? Wann sage ich das neue Wort? Vorher oder nachher?

  • Du sagst als erstes dein neues Wort.
  • Dann hältst du die Hand wie gewohnt hin zum Anstubsen.
  • Dein Hund tut es.
  • Du gibst dein Markerwort und die Belohnung folgt auf dem Fuße.

Noch mal in Kurzform:

  • Wort.
  • Hand.
  • Touch.
  • Klick.
  • Belohnung.

Dein Hund kombiniert: „Aha, immer bevor die Hand zu sehen ist, kommt dieses Wort. Das heißt, das Wort kündigt das Touch an! Ok, beim nächsten Mal schaue ich sofort nach der Hand und stubse sie an, wenn ich das Wort höre. Dann kommt ja ein Leckerchen!“

Denken Hunde so?

Mir und sicher uns allen ist klar, dass diese aufgeschriebenen Gedanken eines Hundes nicht in der Form stattfinden. Wie Hunde tatsächlich denken, entzieht sich noch unserer genauen Kenntnis. Ich vermute, dass sie wortlose und vielleicht bildreiche und von Gerüchen und Geräuschen unterstützte Vorstellungen haben und sich merken. Dein Signalwort ist nicht mehr als ein Geräusch, das immer zu einem bestimmten Moment zu hören ist. Diese Verknüpfung des Momentes mit dem Geräusch macht den „Gehorsam“  auf das Wortsignal aus. 

Wenn man sich das mal auf der Zunge zergehen lässt, wird wieder einmal klar:

Ungehorsam kann es nicht geben.

Wohl aber eine nicht ausreichend geübte Verknüpfung, die einfach nicht stabil genug ist, um gegen bestimmte Ablenkungen zu bestehen.

Sei geduldig mit deinem Hund. Wenn etwas nicht klappt mit dem Handtouch, suche den Fehler bei dir. Übe mit Fröhlichkeit und Leichtigkeit. Zeige deinem Hund ein strahlendes Lächeln während du übst. Und freue dich über jede gute Reaktion deines Hundes, denn dann hast du es richtig gemacht!

Viel Spaß beim weiteren Üben und später beim Anwenden in den vielen, bunten Situationen deines Lebens.