4 Punkte, die dein Training sofort verbessern

Training mit Belohnungen klingt immer so einfach. Wer mit dem Training beginnt, stellt bald fest: Ganz so einfach ist es nun doch nicht. Ein paar Dinge sollte jeder wissen, der mit seinem Hund etwas übt. Erfahre, auf welche Punkte du achten solltest, um erfolgreich zu trainieren.

Timing

Wenn die Belohnung genau zum richtigen Zeitpunkt kommt, wird sie im Hundegehirn mit dem Verhalten verknüpft, das du belohnen möchtest. Kommt die Belohnung zu früh oder zu spät, wird sie nicht mit dem angesprochenen Verhalten verknüpft. Dann versteht dein Hund nicht, wofür er seine Belohnung bekommt.

Die Zeitspanne für eine perfekte Verknüpfung zwischen Verhalten und Belohnung bestimmt das Hundegehirn. Sie beträgt 1-3 Sekunden.

Nur bei richtiger Verknüpfung wird dein Hund genau das lernen, was du meinst. Darum muss die Belohnung zum genau passenden Moment beim Hund ankommen.

Relativ einfach geht das noch bei Verhalten, die du direkt neben dir aufbaust. Du kannst deinen Hund superschnell auf der Decke belohnen, wenn er alle 4 Pfoten auf der Decke hat oder wenn er sich drauflegt. Du stehst direkt daneben und kannst – schwupps – ein Leckerchen in seine Schnauze geben.

Schwieriger wird es, wenn dein Hund Sitz auf Entfernung lernen soll. Bis du nämlich beim Hund bist, um ihn zu füttern, macht der sicher schon wieder was ganz anderes. Du erwischst kaum das Verhalten, was dir wichtig ist, nämlich das schnelle Sitzen.

Da hilft es, wenn du mit einem Markersignal trainierst. Ein Markersignal sagt deinem Hund eine Belohnung voraus. Wenn du möchtest, kannst du das Markersignal ausschließlich mit Futter verknüpfen, dann sagt es also nur Futterbelohnungen voraus. Aber ich finde es gut, auch andere Belohnungen zu verknüpfen. (Schon wieder dieses Wort „verknüpfen“! Ja, beim Lernen handelt es sich um Verknüpfungen im Gehirn, daher kommt es jetzt ziemlich häufig vor.)

Durch die Verwendung eines Markersignals erfährt dein Hund, welches Verhalten du genau meinst mit deiner Belohnung. Wenn er es hört, weiß er, dass er eine Belohnung bekommt, und sein Gehirn verknüpft sie mit dem gerade gezeigten Verhalten.

Du kannst aber in vielen Fällen auch ohne das Markersignal trainieren, musst dann aber wirklich schnell sein mit deiner Belohnung.

Wenn du mehr über Markersignale erfahren willst, lies hier weiter:

Warum dir ein Markersignal Vorteile bringt

Kriterium

Das Kriterium ist der genaue Moment im Verhalten deines Hundes, den du belohnen möchtest. Um gezielt ein Verhalten zu verstärken, musst du sehr genau wissen, was du erwartest. Du musst ein Kriterium festlegen, dass dir wie eine Ziellinie die Richtung weist.

Was genau soll der Hund machen, um belohnt zu werden?

Wenn du ein schnelles Sitz trainierst, legst du eine Zeitspanne fest, wie schnell dein Hund sitzen muss, damit du ihn belohnst. Setzt er sich langsamer, hat er Pech gehabt, es gibt keine Belohnung. Wenn du ihm also 3 Sekunden geben willst, ist dein Kriterium „Sitzen in einem Zeitfenster von 3 Sekunden“.

Wenn du ein langes Sitzen aufbaust, wirst du zählen, wie lang du wartest, und folglich wie lange dein Hund sitzen können muss, bis du ihm die Belohnung gibst. Steht er vorher auf, hat er sich keine Belohnung verdient. Soll dein Hund mindestens 1 Minute sitzen bleiben, damit er seine Belohnung bekommt, ist „eine Minute Sitzenbleiben“ dein Kriterium.

Du kannst dein Kriterium selbstverständlich immer wieder verändern. Das solltest du sogar. Denn wenn dein Hund in allen möglichen Situationen innerhalb von 3 Sekunden sitzt, wird er lernen, innerhalb von 2 Sekunden zu sitzen. Und wenn das gut klappt, bringst du ihm vielleicht bei, innerhalb von 1 Sekunde den Po auf den Boden zu bringen.

Futterpunkt / Belohnungsort

Je nach dem, welches Verhalten du gerade verstärken möchtest mit den Belohnungen, achtest du außerdem auf den Ort, wo du belohnst.

Wenn dein Hund lernt, nah bei dir zu gehen, kannst du den Futterpunkt direkt an deinem Bein setzen. Das heißt, du gibst das Futter genau auf der Höhe seiner Schnauze und deine Hand liegt an deinem Bein an beim Füttern.

Möchtest du, dass dein Hund sich öfter mal nach hinten orientiert, kannst du nach dem Aufmerksamkeitssignal eine Belohnung nach hinten werfen, wie einen Ball oder einen Futterdummy.

Trödelt dein Hund auf den Spaziergängen immer herum, und du möchtest, dass er freudig nach vorne läuft, wirfst du die Belohnung dafür nach vorne.

Es macht also absolut Sinn, sich über den Ort der Belohnung ein paar Gedanken zu machen, findest du nicht auch?

Belohnungsrate

Die Häufigkeit der Belohnung innerhalb einer bestimmten Zeiteinheit nennt sich „Belohnungsrate“. Wenn du am Anfang mit deinem Hund übst, bei Fuß zu gehen, kannst du als allerersten Schritt das Stehen oder Sitzen an deiner Seite belohnen. Du wirst dabei ein Leckerchen nach dem anderen füttern, also eine sehr hohe Belohnungsrate wählen. Denn dein Hund soll lernen, sich wohl zu fühlen so nah bei dir. Auch wenn du später bereits in Bewegung bist mit deinem Hund wirst du zuerst eine sehr hohe Belohnungsrate nutzen, um ihm zu versichern, dass es genau richtig ist, was er gerade tut. Nach und nach senkst du die Belohnungsrate. Statt bei jedem Schritt ein Guttie zu spendieren, gibst du bald nur noch variabel die Leckerchen: nach zwei Schritten, nach einem Schritt, nach 5 Schritten, nach 3 Schritten….usw.

Wenn gerade eine erhöhte Ablenkung vorhanden ist, kannst du die Belohnungsrate erhöhen. Wenn es sehr einfach ist für deinen Hund, kannst du die Belohnungsrate wieder niedriger halten.

Das lernst du daraus:

Der Hund ist nicht schuld!

Dabei ist zu beachten: Dein Hund soll möglichst immer erfolgreich sein. Das bedeutet, dass du gutes Training machst, wenn dein Hund die Leistung bringen kann, die du erwartest.

Wenn dein Hund „Fehler macht“, sind es deine Fehler.

Vielleicht hast du

  • zu lange am Stück trainiert, und dein Hund ist Hundemüde geworden?
  • zu schnelle Fortschritte erwartet, die deinen Hund jetzt überfordern?
  • keine klaren Signale gegeben, so dass dein Hund irritiert ist?
  • dein Kriterium ungenau genutzt und das erwartete Verhalten mal belohnt und mal nicht?
  • zu selten belohnt, also eine zu niedrige Belohnungsrate genutzt?
  • zu lange eine hohe Belohnungsrate benutzt, und dein Hund ist jetzt enttäuscht, dass mehr erwartet wird?
  • den Futterpunkt unglücklich gewählt, und dadurch ungewollte Signale gegeben?
  • dein Timing nicht optimal gehalten und die Belohnung kam öfter mal zu spät?
  • Belohnungen, die deinen Hund gar nicht wirklich belohnen?

Überlege dir vor dem Training, was du willst

Bevor du beginnst mit deinem Training, machst du dir ab heute also Gedanken, wie du es gestalten möchtest.

  • Was genau trainierst du?
  • Welche Belohnungen setzt du ein?
  • Wie schaffst du ein gutes Timing?
  • Welches Kriterium stellst du heute auf?
  • Wo ist dein Belohnungsort?
  • Wie hoch ist deine Belohnungsrate?

Lerne aus Fehlern, statt zu resignieren

Suche die Fehler in deinem Training. Es geht niemals darum, sich selbst schlecht zu machen, und zu denken: „Ich bin einfach zu blöd dafür!“ Das stimmt erstens nicht. Und zweitens hilft diese Denkweise weder dir noch deinem Hund.

Du kannst Fehler nutzen, um daraus zu lernen. Dann macht es nämlich auf einmal Spaß, zu trainieren, denn Fehler sind nicht mehr schlimm. Jeder macht Fehler, wenn er etwas Neues lernt. Und wer schnell kapiert, mit Fehlern so konstruktiv umzugehen, der kommt schnell vorwärts. Dein Hund nimmt dir Fehler nicht auf Dauer krumm, er kann nur nicht anders reagieren als er es tut. Sobald du dein Training verbesserst, siehst du, wie dein Hund auf einmal versteht und wieder motiviert mitmacht.

Ein tolles Buch zu diesem Thema für den Weihnachtswunschzettel: Viviane Theby, Verstärker verstehen. Über den Einsatz von Belohnung im Hundetraining. Kynos Verlag