4 Fehler beim Training mit „Leinenrambos“

Diese vier Fehler machen dir Hundebegegnungen unnötig schwer. Lerne, wie du sie vermeidest und was statt dessen sinnvoll ist, um schneller ans Ziel „entspannte Hundebegegnungen“ zu kommen.

Fehler # 1: Den anderen die Schuld geben

Glaube mir, ich weiß wie das ist. Andere Hundehalter nehmen NIE Rücksicht. Sie laufen IMMER frontal auf euch zu. Sie lassen ihre Hunde STÄNDIG unkontrolliert zu deinem Hund hinlaufen.

Das ist sehr anstrengend und diese Hundehalter zeigen sich tatsächlich nicht sehr verantwortungsbewusst. Aber vielleicht WISSEN sie gar nicht, dass es Menschen gibt, deren  Hunde große Probleme mit anderen Hunden haben. Wer selbst einen gut verträglichen Hund hat, hat sich vielleicht noch nie in andere Menschen hineinversetzt, und kann sich gar nicht vorstellen, wie es dir damit geht.

Andere Menschen davon zu informieren hat sich in der Praxis leider dennoch als unwirksam erwiesen. Niemand will erzählt bekommen, wie er/sie sich zu verhalten hat.

Du kannst dir also jede Diskussion einfach sparen. Denn umgekehrt würdest du ja auch nicht gerne hören, dass du doch deinen Hund besser „im Griff“ haben solltest… kennst du auch, oder? Ich habe es gehasst…und bin erst recht wütend geworden.

Solange du die Schuld bei anderen suchst, begibst du dich selbst in die Opferrolle. Du fühlst dich ohnmächtig, denn das Verhalten der anderen kannst du nicht steuern. Im Gegenteil. Jede Situation führt dich immer tiefer in diese Opferrolle hinein.

Hier gibt es mehr zu lesen: Raus aus der Opferrolle!

Was statt dessen hilft:

  • Übernimm Verantwortung für deine Erlebnisse. Meine Erfahrung und die meiner Kunden hat gezeigt, dass es viel sinnvoller ist, sich wirklich um sich selbst zu kümmern. Anstatt anderen zu erzählen, wie sie was wann tun müssten, hilfst du dir und deinem Hund, mit jeder noch so blöden Situation gut zurecht zu kommen.
  • Das erfordert ein wenig Training, ja. Aber Training mit positiver Verstärkung macht Spaß. Denn du gehst in Schritten voran, die ihr beide gut bewältigen könnt. Ihr fordert euch, aber überfordert euch nicht. So lernt ihr gemeinsam neue Handlungsmöglichkeiten, mit denen ihr die schwierigsten Situationen mit Leichtigkeit lösen könnt.
  • Für Notfälle gibt es Management. Wir haben verschiedene Möglichkeiten, dem Hund freundlich aus der Situation herauszuhelfen. Dabei lernt er vielleicht nicht direkt, wie er es besser macht, aber immerhin übt er nicht wieder und wieder das unerwünschte Verhalten, und es geht ihm viel besser dabei.

Fehler #2: Der Glaube: „Der muss sich daran gewöhnen“

Viele Hundehalter gehen weiter dort Gassi, wo viele andere Hunde sind, und glauben, ihr Hund gewöhnt sich schon dran. Sie führen ihre Hunde immer wieder in Situationen, die eigentlich viel zu schwierig sind, und hoffen, dass das Verhalten sich verändert. Sie gehen davon aus, dass sich ihr Hund nur daran gewöhnen muss.

Anstatt besser zu werden, wird das Verhalten aber immer schlimmer.

Warum? Weil der Hund keine Unterstützung bekommt. Er fühlt sich überfordert von der Situation. Der andere Hund ist zu dicht, und er hat Sorge, dass etwas passiert.

Angst kann zu aggressivem Verhalten führen. Du als Bezugsperson siehst aber nur, dass sich dein Hund aufführt wie ein Rambo. Du möchtest ihn am liebsten durchschütteln, damit er endlich kapiert, dass er das nicht tun soll.

An kurzer Leine wird der Hund in die Situation gebracht und kann sich weder dagegen wehren noch erhält er Informationen, was genau er denn tun soll.

Was statt dessen hilft:

  • Gehe nur zum Trainieren dort Gassi, wo du andere Hunde triffst. Es gibt in jeder Ecke von Deutschland Gegenden, wo man so gut wie nie jemanden trifft. Wenn du nicht trainieren möchtest, solltest du einfach eine gute Zeit mit deinem Hund in einer entspannten Umgebung haben. Das hilft euch beiden sehr für das Training von Begegnungssituationen.
  • Sei immer darauf gefasst, dass dir dennoch jemand begegnen könnte und nimm entsprechende Belohnungen mit. Denn dann bist du vorbereitet, und musst nicht sagen:“Hätte ich gewusst…dann…“
  • Trainiere mit einem ausreichenden Abstand. Das geht oft auf großen Wiesen oder Parkplätzen recht gut. Dein Hund darf schon leicht angespannt sein, aber nicht so aufgeregt, dass er in die Leine springt, wie verrückt bellt und dich nicht mehr wahrnimmt.  Er soll den anderen Hund sehen können und sofort etwas Gutes von dir bekommen. Das ist der erste Schritt im Training, dem ganz viele weitere Schritte folgen.

Hier kannst du noch mehr erfahren über das Training: Leinenaggression – was tun?

Fehler #3: Tipps anderer Hundehalter unreflektiert ausprobieren

Wer auf einer Hundewiese mit seinem Hund herumläuft, bekommt fast zwangsläufig gut gemeinte Tipps für den eigenen Umgang mit dem Hund aufs Auge gedrückt.

Gut gemeint ist leider nicht immer gut.

Denn allzu oft sind es die typischen aversiven Trainingstipps, wie „Kräftig an der Leine rucken, damit der mal merkt, dass das gar nicht geht!“ oder „Du musst deinen Hund umwerfen, damit der kapiert, dass du der Alpha bist!“ oder „Fang deinen Hund im Sprung auf den anderen Hund in der Luft auf, fasse ihn direkt beim Kopf links und rechts im Fell und starre ihm in die Augen. Der muss sich unterwerfen!“

Alle diese Tipps habe ich damals auch bekommen, als ich mit meinem ersten Hund Charly Probleme bei Hundebegegnungen bekam. Und ich habe sie schweren Herzens befolgt, weil ich mir nicht mehr zu helfen wusste. Nur wurde es dadurch nicht besser, sondern schlimmer.

Wir hatten noch kein Internet, und konnten nicht so leicht wie heute kompetente Hilfe finden. Aber da es immer noch vermeintliche „Experten“ gibt, die gewalttätiges Hunde“training“ praktizieren, möchte ich an dieser Stelle einmal mehr davor warnen.

Hier findest du mehr zum Thema:

Was du unbedingt wissen musst über Belohnung und Strafe

Was statt dessen hilft:

  • Bitte höre auf dein Bauchgefühl. Du möchtest einen Freund an deiner Seite, einen Hund, der dir vertraut. Du möchtest, dass ihr beide ein Team seid, und dass ihr euch richtig gut verständigen könnt.
  • Vielleicht hast du noch nicht genug Wissen davon, wie dieser Wunsch in Erfüllung geht. Ich sage dir aber jetzt, dass das gar nicht so schwierig ist. Du kannst das leicht schaffen. Bleibe dir selbst treu, und hilf deinem Hund. Dein Hund vertraut dir, und möchte erfahren, dass du ihm helfen kannst. Egal welcher Erzfeind gerade vor ihm steht.
  • Du hilfst ihm, indem du dir selbst einen Profi zu Hilfe nimmst. Das macht euch beiden die Sache so viel leichter. Jemanden an der Seite zu haben, der sich auskennt, wäre doch ein guter Anfang, oder?
  • Sprich vor dem Training mit dem Trainer, und frage genau nach, wie er oder sie arbeitet. Falls du Sachen hörst wie „dominant“ oder „in der Hierarchie ganz unten“ oder dir  verschiedene Strafmöglichkeiten erklärt werden, nimm schnell Reißaus. Immer beliebt ist auch:“Die Bindung stimmt nicht!“ (Wenn dich das näher interessiert, lies in meinem Blog.)
  • Dominanz, Bindung & Co. sind nicht der Grund für das Problem. Sondern dein Hund fühlt sich schlecht, wenn er andere Hunde sieht. Es kann sein, dass er nur frustriert ist, weil er gerne Kontakt hätte, und die Erfahrung macht, dass das kaum möglich ist. Es kann sein, dass er große Angst hat und am liebsten schnell flüchten möchte. Und es kann sein, dass seine Angst inzwischen in Aggression gemündet ist und er sich wie verrückt gebärdet bei Begegnungen. Auch Frustration kann in Aggression umgewandelt werden.
  • Aggressives Verhalten bedeutet nicht, dass dein Hund aggressiv ist. Er verhält sich nur in dieser Situation aggressiv, weil er das als seine beste Strategie erlebt hat. Du kannst ihm zeigen, dass es andere Lösungen gibt. Dann kannst du beobachten, wie sich sein Verhalten ändert, er immer ruhiger  wird, und bald sogar neugierig auf das Gegenüber. Er wird in die Luft schnuppern, wer ihm da begegnet ist. Das ist der Anfang eines vollkommen neuen Verhaltens, das sogar darin enden kann, dass dein Hund mit anderen Hunden direkten Kontakt aufnehmen kann.

Fehler # 4: Nicht daran glauben, dass dein Hund etwas Neues lernt

Wer darin stecken bleibt, dass der eigene Hund einfach furchtbar ist, schon immer furchtbar war, und ganz sicher furchtbar bleibt, macht eine Besserung selbst unmöglich. Ich habe solche Menschen schon erlebt. Sie erzählen nur davon, welche schlimmen Erlebnisse sie hatten mit ihren Hunden. Sie holen mich zwar als Trainerin zu Hilfe, aber eigentlich wollen sie sich nur bestätigen, dass auch ich ihnen nicht helfen kann, weil ihr Hund so furchtbar schlimm ist wie kein anderer.

Du erlebst das, was du denkst. Wenn du also immer nur daran denkst, was für schlimme Situationen du schon erlebt hast, und dich vor weiteren solchen Situationen fürchtest, wird es auf keinen Fall besser werden. Darum ist das richtige Denken so wichtig.

In meinem Kurs „Hilfe, ein Hund kommt“ gehe ich darum auch auf das Mindset intensiv ein. Es ist ja logisch, dass man sich fürchtet, wenn man blöde Sachen erlebt hat. Hey, mir ging das damals mit Charly nicht anders. Ich hatte noch keine Ahnung von dem Gesetz der Anziehung, das besagt, dass du das erlebst, was du denkst.

Was statt dessen hilft:

  • Denke positiv.
  • Dein Hund hat sein jetziges Verhalten gelernt, also kann er es auch wieder verlernen. Hunde lernen ihr ganzes Leben lang, nicht nur die ersten 16 Wochen.
  • Du hast nicht nur die Macht, dein eigenes Denken und Fühlen zu verändern, sondern auch das Denken und Fühlen deines Hundes zu verändern. Trau dich!
  • Visualisiere so genau wie möglich die Situation, die du erleben möchtest. Dafür brauchst du zuerst verschiedene Strategien, was du tun kannst, um die Situation nach deinen  Wünschen zu gestalten.
  • Lerne selbst dazu, um deinem Hund aktiv helfen zu können. Ohne dich kann er sein Verhalten nicht ändern.
  • Nutze positive Verstärkung im Training, das macht Sinn und jede Menge Spaß.
  • Beachte alle 4 typischen Fehler und vermeide sie.